Ein Hoch auf die Göttin der Liebe: Kylie Minogues neues Album

Von: Michael Loesl
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Springt wieder auf die Tanzfläche und präsentiert sich als Dance-Königin: Kylie Minogue. Ihr neues Album „Aphrodite” erscheint am kommenden Freitag. Foto: William Baker/EMI

Köln. In der Sprache der Aborigines soll der Name Kylie für Bumerang stehen. Das ist gut zu wissen, weil man sich im Zweifelsfall nicht lange Gedanken darüber machen muss, wofür die bekannteste Patronin des Namens in unseren Breitengraden eigentlich steht. Dass sie grob betrachtet für Pop steht, ist so einleuchtend wie langweilig.

Bekannt ist auch, dass sie, die Prinzessin des Pop, seit Jahren darum bemüht ist, es der Queen Mum des Pop gleichzutun. In ihrem Buch schrieb sie treffend: „Es gibt Sexy-Kylie, Dance-Kylie, Indie-Kylie.” Klar, denn Wandelbarkeit gehört zum Madonnawerden wie das Streuen von Gerüchten, bevor der Marktwert ihres Namens mal wieder mittels Plattenverkäufen ausgelotet werden soll.

Zwischen der Minogue und ihrem spanischen Model-Lover Andres Velencoso Segura soll es kriseln, meldete die englische „Daily Mail”. „Die zierliche Australierin hat einfach kein Glück in der Liebe”, jammerte RTL. Prompt folgte noch vor dem Abtupfen der kollektiven Mitleidstränen das Dementi. Stattdessen kam es zum Botox-Bekenntnis. Inzwischen bevorzuge sie es allerdings, natürlicher zu sein, ließ sie wissen. Mensch, Kylie! Wer will denn das im Kontext der Künstlichkeit einer Lady Gaga noch wissen?

Erscheint am nächsten Freitag

Wie schön, dass es zufälligerweise eine Fortsetzung des Minogueschen Rummelplatzpop zu vermelden gilt. Die Elfte in Albumlänge. „Aphrodite” (erscheint am kommenden Freitag) hat sie sie genannt, weil sie findet, dass die Göttin der Liebe eine tolle Frau ist. Sie hätte die Platte auch „Adonis” nennen und behaupten können, dass der Vegetationsgott auch ein toller Mann ist.

Kylie weiß sicher genau, dass die ernsthafte Auseinandersetzung mit einem Kunstobjekt an Seriosität gewinnt, solange dessen Titel möglichst abstrahiert, respektive sinnentleert daherkommt. Was also steckt in „Aphrodite”? Die viel beschworene Wandelbarkeit? Unbedingt.

Aber diesmal kommt nach Sexy-Kylie und Dance-Kylie noch ein weiterer Faktor hinzu: Kylie-Kylie. „It´s the truth, it´s the fact, I was gone and now I´m back” (Es ist die Wahrheit, es ist eine Tatsache, ich war weg, und nun bin ich zurück) frohlockt sie im Titelsong und will damit wohl sagen, dass ihr voriges Album „X” mangels stilistischer Orientierung nicht das Comeback war, mit dem sie nach ihrer weithin publizierten Krankheit neu beginnen wollte.

Diesen Fehler ließ sie sich durch die Produzentenexpertise von Stuart Price korrigieren, der Madonna schon vor vier Jahren Bekenntnisse auf der Tanzfläche entlockte. Eine Platte mit Houseparty-Charakter sollte „Aphrodite” werden, in der ein Track den nächsten anrege, ließ Price während der Produktionsphase verlautbaren.

Die Querverweise an die Tanzflächenfüller des vorigen Jahrzehnts lassen entsprechend nicht lange auf sich warten. „Looking For An Angel” ist Madonnas „Ray Of Light” im Eurodance-Mäntelchen, „Put Your Hands Up” ist Kylies Version eines David-Guetta-Tracks, und zwischendurch lassen Price und Minogue ihre Huldigung an Daft Punk aufblitzen. Auch die Beinahe-Ballade, „Everything Is Beautiful”, von Keanes Tim Rice Oxley geschrieben, ändert nichts am Eindruck, dass „Aphrodite” das bündigste Kylie-Album seit „Fever” ist.

Trotzdem bleibt sie die Antwort auf die essenziellste aller Fragen schuldig, die man sich beim Betrachten des Prototypen eines klassischen Popstars zwangsläufig stellt: Was um alles in der Welt will man auf die Kunstfigur Kylie Minogue noch projizieren? Das Massenbalzen im Video zur ersten Single „All The Lovers” ist viel zu bürgerlich-brav komponiert, als dass es den vermutlich beabsichtigten Schockeffekt, der einer Popfantasiefigur wie ihr gut stünde, auf den Punkt bringen würde.

Der Sex ist abgehakt, mit der Botox-Nummer hat sie die Türe zur Realität viel zu weit geöffnet, und als wiederauferstandene Discokönigin nervt Kylie zwar nicht, aber richtige Begeisterung klingt immer noch anders. Und so weiß man 2010 eigentlich immer noch nicht richtig, wofür der Name Kylie wirklich steht...
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