Linnich - Ein Geschenk der Kunst „für die Ewigkeit“

Ein Geschenk der Kunst „für die Ewigkeit“

Von: Eckhard Hoog
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Einen Tag vor seinem 75. Geburtstag besuchte er am Sonntag die Eröffnung seiner Ausstellung und nahm an der Übergabe seiner Schenkung an das Glasmalerei-Museum Linnich teil: Markus Lüpertz, begrüßt von Museumsdirektorin Myriam Wierschowski. Foto: Günther Krol

Linnich. „Man muss was für die Ewigkeit tun!“ Mit diesem durchaus ernst gemeinten Satz antwortet Markus Lüpertz auf unsere Frage, weshalb er ausgerechnet dem Linnicher Glasmalerei-Museum eine Schenkung vermacht hat. Er präzisiert: „Es gibt ja nicht so viele Museen dieser Art in Deutschland.“

Und: „Ich befinde mich hier in bester Gesellschaft.“ Damit konkurrieren zu können, allein das empfindet der Künstler, einer der in Deutschland bedeutendsten seiner Zunft, als Genugtuung und Herausforderung zugleich. Die Größten der modernen Glasmalerei, seine Vorbilder – Thorn Prikker, Campendonk, Meistermann – in Linnich ist ihre leuchtende Kunst aufs Feinste zu besichtigen. Davon hatte sich Markus Lüpertz Anfang 2015 bei seinem Besuch in Linnich überzeugt.

Welch ein Andrang, auf allen Etagen des Hauses: Selbst 1997, als kein Geringerer als Johannes Rau höchstselbst das Museum an der Rur eröffnet hatte, gab es nicht einen solchen Ansturm, erinnert sich am Sonntag Wolfgang Spelthahn, Landrat des Kreises Düren und Vorsitzender des Kuratoriums des Museums, in seinem Grußwort zur Eröffnung der Lüpertz-Ausstellung zu dessen 75. Geburtstag. Hinter dem Redner, einer von fünfen an diesem Mittag, hängt eines der beiden Geschenke Lüpertz‘ „an das Rheinland“, wie es offiziell heißt: 200 Kilogramm schwer, 3,20 mal 2,80 Meter groß – das Glasgemälde „Herbstfenster“, mit einem Totenkopf als Hauptmotiv.

Genau genommen ist das Stück selbst nicht das Präsent, sondern wie das andere auch – das Bild „Kosovo“ –eine Anfertigung nach einem geschenkten Entwurf des Künstlers, das dank einer ganzen Reihe von großzügigen Sponsoren überhaupt erst das Licht der Welt einfangen konnte: die Sparkasse Düren, die Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland, der Landschaftsverband Rheinland (LVR), der Kreis Düren, die F.-Victor-Rolff-Stiftung und der Förderverein Deutsches Glasmalerei-Museum.

Gar nicht fürstlich

Ein „Geschenk an das Rheinland“? Lüpertz selbst hängt es deutlich tiefer: „Das sollte man nicht so pathetisch nehmen“, meint er. „Ein Geschenk an das Museum reicht doch.“ Überhaupt gibt sich der heute 75-Jährige, der sich mit legendären Auftritten, klunkerbehangen über Jahrzehnte hinweg den Ruf eines „Malerfürsten“ erarbeitet hat, gar nicht so fürstlich, eher bescheiden und überaus sympathisch.

„Nach so viel Lob habe ich Tränen in den Augen“, sagt er, nachdem der letzte der fünf Redner – Helmut Haumann, Vorsitzender des Fördervereins Romanische Kirchen Köln e.V. – ihm zum Schluss im Überschwang der Gefühle zugerufen hat: „Du bist ein Geschenk für die ganze Welt!“ Das solchermaßen ernannte Präsent bedankt sich artig für so viel „Zuneigung und Bestätigung“.

Die Ausstellung empfindet er als „Standortbestimmung für mein glasmalerisches Werk“, das „traditionell, aber trotzdem heutig ist“. Und der Geburtstag? „Ich hasse es, 75 zu werden“, sagt er. „Ich gucke morgens in den Spiegel – und sehe aus wie immer.“ Also: kein Grund zum Kerzenausblasen. „Ich feier nicht!“ Freut sich aber doch „über die vielen Leute hier“. „Die geben mir Selbstbewusstsein, worunter ich ja leide.“ Alles lacht und applaudiert.

Bürgermeisterin freut sich

Keine Frage, dass sich gerade auch die Bürgermeisterin freut, dass ein so großer Künstler den Weg nach Linnich, „abseits der großen Metropolen“, gefunden hat. Marion Schunck-Zenker: „Man kann höchsten Ansprüchen auch in kleinen Häusern gerecht werden.“

Ein bisschen nachhelfen muss das Schicksal mitunter allerdings schon – Museumsdirektorin Myriam Wierschowski offenbart das mit der Anekdote von Lüpertz‘ Besuch in Linnich im Jahr 2015. Da gab es doch tatsächlich, ausgerechnet an diesem Tag, „nach über einem halben Jahrhundert“, aus purem Zufall, im Glasmalerei-Museum das „unglaubliche Zusammentreffen“ von Markus Lüpertz mit seiner ehemaligen Kunsterzieherin Marianne Hilgers. Da war die Zeit endgültig reif für ein Geschenk...

Wenn der Künstler, heute wieder zurück in Berlin, auch allenfalls im kleinsten Kreis seinen „75.“ begeht – in Linnich wird den ganzen Tag lang, von 11 bis 17 Uhr im Glasmalerei-Museum gefeiert: mit einer DIN-A3-großen Torte, die gekrönt wird von einem essbaren Abbild des „Herbstfensters“ in Schokolade und Marzipan. Besucher sind willkommen!

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