Ein ganz spezieller Klang: Die neue Bruckner-CD ist da

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Brucknercover

Aachen. Schwelgen in Bruckner: Marcus Bosch und das Sinfonieorchester Aachen sind in ihrem vielbeachteten CD-Projekt bei der Sechsten Sinfonie des österreichischen Romantikers angekommen. Der Mitschnitt des Pfingstkonzerts in der Aachener Nikolauskirche ist jetzt beim Plattenlabel Coviello erschienen, mit Unterstützung unserer Zeitung konnte eine äußerst aufwändige Aufnahmetechnik eingesetzt werden.

Das Ergebnis erfüllt wieder die inzwischen höchst gespannten Erwartungen. Mit dem Aachener Generalmusikdirektor sprach unser Mitarbeiter Armin Kaumanns.

Dirigieren Sie Bruckner heute anders als vor acht Jahren, als sie das CD-Projekt mit der Achten begannen?

Bosch: Ja und nein. Vielleicht kann man sagen, mein Bruckner-Verständnis ist immer weniger von Vorbildern geprägt: mehr Bosch, weniger Vorbilder. Mit dieser Erfahrung gehe ich anders ans Partiturlesen heran. Bruckner ist noch schlanker geworden, der Umgang des Orchesters mit dem Raum ist selbstverständlicher geworden.

Haben Sie das Gefühl, dass auch das Orchester inzwischen mit Bruckner anders umgeht?

Bosch: Absolut. Das war wirklich einer der glückhaftesten Momente bei dieser Aufnahme: Wie der erste Satz musiziert wurde, da war ich richtig stolz auf das Orchester. Da war überhaupt kein Puschen mehr nötig, das floss wie selbstverständlich dahin. Und das ist ja das größte Glück für einen Dirigenten, wenn er nicht mehr den Karren ziehen muss. Wenn ich Kraft einsetzen muss, wird der Klang dick. Gerade bei diesem Konzert war es so, dass viel mir entgegenkam, was ich lenken konnte.

Was ist für Sie das Spezielle an der Musik Bruckners?

Bosch: Da ist einerseits der bodenständige Bruckner der Scherzi, der Mensch aus dem Dorf Linz. Und es gibt den Organisten, die Komposition mit dem Raum und auf ihn hin. Und da ist dieser zwanghafte Mystizismus, Bruckners schwache Persönlichkeit. Auf einen kurzen Nenner gebracht: Ein Viertel seiner Sinfonien ist Welt, drei Viertel Mystik.

Ist deshalb der Kirchenraum von St. Nikolaus für Sie naheliegend?

Bosch: Ja, das von der Orgel aus gedachte Musizieren, die Fermaten haben eine ganz andere Wirkung, das waren Gründe, die Kirche zu wählen. Da kriegt die Musik auch etwas Weihevolles. Auf der CD hört man die Kirche noch, aber die Aufnahmetechnik ermöglicht eine bessere Balance.

Dennoch bleibt manche Binnenstruktur unterm Bläsersatz verborgen.

Bosch: Wenn man das eine macht, muss man zum anderen stehen. Im Eurogress hätten wir ein anders Ergebnis, klar. Aber etwa bei einer Widor-Orgelsinfonie gibt es auch viele kleine Noten, die einen Gesamtklang ergeben. Mein Musizieren ist gewöhnlich auf Transparenz ausgerichtet, da deckt die Kirche natürlich vieles an motivischer Arbeit zu. Aber wir haben uns für das Konzept „Bruckner in St. Nikolaus” entschieden. Das Ergebnis ist ein ganz spezieller Klang, das hat eine so einzigartige Qualität, dass ich das voll und ganz vertreten kann.

Die Anton Bruckner VI-CD ist ab Mittwoch in unseren Servicestellen an der Dresdener Straße und an der Buchkremerstraße in Aachen für 18 Euro erhältlich. Außerdem gibt es ein CD-Set (Anton Bruckner VI und Anton Brucker IV) für 23 Euro - solange der Vorrat reicht.
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