Aachen - Ein Feuerwerk der Gegensätze bei der Chorbiennale

Ein Feuerwerk der Gegensätze bei der Chorbiennale

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:
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Konzert in der Heilig Geist Kirche bei der Chorbiennale in Aachen: vorne der Junge Chor und der modus novus chor, im Hintergrund die Vocal Artists aus Utah. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Auch wenn mit dem Marathon der Langen Chornacht am heutigen Samstag noch ein besonderer Höhepunkt ansteht, lässt sich nach dem letzten Chorkonzert der diesjährigen Chorbiennale ein äußerst erfreuliches Resümee ziehen.

Das Niveau aller vertretenen Chöre, der Aachener wie auch der Gastensembles, bewegte sich auf einem außergewöhnlich hohen und vor allem gleichmäßig hohen Niveau. Unterschiede waren allenfalls im klanglichen Profil und im künstlerischen Selbstverständnis festzustellen, nicht aber in der Qualität.

Die Kopplung von heimischen Chören mit Gästen aus nah und fern garantierte zudem reizvolle Kontraste in der Programmgestaltung und in den Darstellungen. Den künstlerischen Leitern und dem Produktionsleiter Ansgar Menze gebührt ein Sonderlob für die Auswahl der Chöre und die vorzügliche Organisation des Chortreffens. Nicht zu vergessen: Dass sich alle Sänger in ihren Leistungen noch beflügeln ließen, ist nicht zuletzt dem Publikum zu verdanken, das nicht nur begeistert mitzog, sondern auch große Kirchenschiffe bis auf den letzten Platz füllte.

Das riesige Publikumsinteresse brachte im letzten Konzert die Organisatoren in Bedrängnis, als die Heilig Geist Kirche nahezu aus allen Nähten zu platzen drohte. Fritz ter Wey brachte gleich zwei seiner Meisterchöre mit, den Jungen Chor Aachen und den modus novus chor. Und die Zugkraft der in den vergangenen Tagen bereits mehrfach in Erscheinung getretenen Salt Lake City Vocal Artists sorgte für zusätzlichen Andrang.

Besonders eindringlich

Die Aachener Chöre beschränkten sich auf zwei Werke. Allerdings Werke von besonderer Eindringlichkeit und Tiefe: Zunächst Gustav Mahlers Vertonung des Rü-ckert-Lieds „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ in einer eigenwilligen Chor-Bearbeitung von Clytus Gottwald. Zu hören war ein prächtiges, gleichwohl verinnerlichtes Chorlied von ausgesuchter Raffinesse, das ter Weys Sänger mit allen Attributen erstklassiger Chortugenden präsentierte.

Francis Poulenc gehört zu den Lieblingen Fritz ter Weys. Und dessen achtteiliger Zyklus „Figure humaine“ gehört zu den Meilensteinen der neueren Chorliteratur. Acht vokale Reflexionen über Texte aus der Résistance, die unter dem Eindruck der Teilbesetzung Frankreichs durch die Nationalsozialisten entstanden sind und die Poulenc seinem Gesinnungsgenossen Pablo Picasso widmete.

Acht überwiegend verhaltene Kompositionen, frei von der gewohnten lakonischen Ironie des Komponisten, die dem Chor ein hohes Maß an stilistischer Variabilität und entsprechenden gesangstechnischen Anforderungen abverlangt. Wie gut die Chöre diese Aufgaben bewältigten, zeigte sich an der betroffenen Reaktion des Publikums.

Die Vocal Artists aus Utah setzten anschließend andere Akzente und entfachten ein kleines Feuerwerk atmosphärischer Gegensätze. Bachs Motette „Ich lasse dich nicht“ und raffiniert und komplex harmonisierte Traditionals, sa-krale Gesänge aus Amerika und Russland, Übermütiges und Verhaltenes brachten die Gäste gesanglich perfekt und mit einer dezenten Prise amerikanischen Show-Glamours zu Gehör.

Chorleiter Brady R. Alfred erhöhte den klanglichen Reiz durch geschmackvoll eingesetzte Accessoires, wenn etwa alle Choristen mit Wassergläsern für einen irreal zerbrechlichen Hintergrundsound sorgen. Und dass auch die anspruchsvollsten Gesänge und Arrangements die Intonationsstabilität und die Klangschönheit des Chors nicht in Verlegenheit bringen konnten, fachte die Begeisterung des Publikums zusätzlich an.

Heute überzieht der Geist der Chorbiennale bis spät in die Nacht die gesamte Stadt.

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