Ein Duo auf dem Schlachtfeld der Liebe

Von: Jenny Schmetz
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Nein, keine Zwillinge, aber Schwestern: Ausstatterin Franziska Rast (l.) und Regisseurin Christina Rast bilden ein Theater-Team. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Von hinten sind sie leicht zu verwechseln. Kurze Haare und der gleiche Kapuzenpulli, Jeans und rustikale Bergsteiger-Schuhe. Wenn Christina und Franziska Rast bei der Probe zu Shakespeares „Viel Lärm um nichts” über den Bühnen-Flokati flitzen, kann einem schon mal das doppelte Lottchen in den Sinn huschen.

Aber die Schwestern aus der Schweiz sind keine Zwillinge. Und bei näherem Hingucken nicht nur äußerlich sehr verschieden.

Theaterclans sind keine Seltenheit. Aber zwei Schwestern, die gemeinsam für die Bühne arbeiten? Eine Rarität! Christina (42) ist Regisseurin, Franziska (48) Kostüm- und Bühnenbildnerin. Als Duo sind sie in der deutschsprachigen Theaterszene schon eine bekannte Marke.

Seit 2003 arbeiten die beiden regelmäßig zusammen, mehr als 20 Produktionen sind bisher entstanden, ob in Oldenburg, Stuttgart oder Tübingen, in Graz oder Bern. Wer das Label Rast & Rast will, der weiß, dass Etiketten wie „schnell” und „schrill” mit drankleben. Der burschikose Zwillingslook, „die Team-Kluft”, wie Franziska Rast sie nennt, sei aber eher als Jux zu verstehen.

Weil plötzlich ein paar Probleme aufgetaucht sind, die sie bis zur Premiere am Samstag noch lösen muss, will Franziska Rast nach der Probe nicht am vereinbarten Presse-Gespräch teilnehmen. Dem Fotografen wäre sie auch lieber entronnen. Schließlich gibt´s doch ein schnelles Bild. Christina lächelt, Franziska nicht.

„Manche nennen uns auch die Liebe und die Strenge”, wird Franziska Rast, „die Strenge”, später dann äußerst zuvorkommend per Telefon Auskunft geben. Sie sei „ein bissel Misanthrop”. Da sie von der Malerei komme, eher mit sich und ihrer Kunst beschäftigt. Christina dagegen, der „Textmensch”, übernehme gerne das Reden. Aus dem Mund der jüngeren Schwester hört sich das ähnlich an: „Ich bin ein kommunikativer Mensch”, sagt die Regisseurin. „Franziska ist gerne eine Einzelgängerin, die für sich tüftelt.”

Vielleicht liegt darin auch das Geheimnis ihres Erfolgs: „Wir funktionieren im Kontrast”, sagt Franziska Rast. Gemeinsam erarbeiten sie ihre Produktionen: Meist kommt der erste Vorschlag von der Älteren, an diesem Schnipsel bastle dann die andere weiter. Man besucht sich gegenseitig in Zürich und Mannheim, telefoniert miteinander, mailt hin und her.

Ein Vorteil: „Wir müssen nicht so viel diskutieren”, meint Franziska. Obwohl sie während der Probe nebeneinander im Parkett sitzen und einiges zu flüstern haben. Eine gemeinsame Sprache, ein „großes Urvertrauen”, ja eine „große Liebe” bilden die Basis der Zusammenarbeit, erklärt Christina Rast nach der Probe - und redet dabei tatsächlich für zwei.

Bauen können sie auch auf ein gemeinsames Theaterverständnis: „Es geht uns nicht darum, Realität 1:1 auf der Bühne umzusetzen. Da gucke ich mir lieber einen Film an!”, sagt Christina Rast. Und so ist die „Spielwiese”, die ihr Franziska diesmal bereitet, auch nicht grün, sondern schwarz. Ein dunkler Flokati zottelt über die große Bühne. Wie verbrannte Erde nach dem Krieg soll das wirken.

Ein nüchtern funktionaler Raum, minimalistisch wie zu Shakespeares Zeiten. Auf diesem Schlachtfeld der Liebe tummelt sich eine unterhaltungssüchtige Upper-Class-Gesellschaft. Die Royal Family von Prince Charles bis Kate Middleton lässt grüßen. Flotte Ab- und Aufgänge soll eine durchlässige Gummiwand ermöglichen, die Franziska Rast aus Motorradnierengurten spannen ließ. Denn Komödie bedeutet für sie und ihre Schwester vor allem: Tempo! Slapstick inklusive.

Die Premiere selbst ganz anzuschauen, das werden sie beide wie immer nicht aushalten. „Wir kuscheln auf der Hinterbühne im Eck und trinken was”, sagt Franziska Rast. Mutter und Schwester können leider nicht zur Premiere kommen. Wie, noch eine Schwester? Ja, Claudia, mit 51 die Älteste des Trios. Dramaturgin? Schauspielerin? Intendantin? Nein, Bibliothekarin. Christina Rast lacht und sagt: „Sie hat auch kurze Haare und trägt meistens Kapuzenpullis.”

Shakespeares Beziehungskomödie „Viel Lärm um nichts” hat am Samstag, 22. Januar, 19.30 Uhr, Premiere im Großen Haus des Aachener Theaters. Als miteinander zoffende Paare sind Elke Borkenstein und Thomas Hamm, Julia Brettschneider und Markus Weickert zu sehen. Gespielt wird die moderne Übersetzung von Frank Günther. Der Abend soll mit Pause weniger als drei Stunden dauern. Eine Kostprobe erhalten Besucher am Mittwoch um 19 Uhr.
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