Ein bewegendes Wiedersehen mit einer großen Künstlerin

Von: Pedro Obiera
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Auch der Generalmusikdirektor applaudiert: Luana DeVol mit Kazem Abdullah und dem Aachener Orchester im Krönungssaal. Foto: A. Schmitter

Aachen. Es war ein bewegendes, herzliches und auch künstlerisch bemerkenswertes Wiedersehen mit Luana DeVol, der international berühmten Wagner-Sängerin, die ihren weltweiten Siegeszug als hochdramatische Heroine in den 80er Jahren unter der Intendanz von Klaus Schultz von Aachen aus gestartet hat und später in unserer Region noch öfter an der Deutschen Oper am Rhein und am Essener Aalto Theater zu erleben war.

Jetzt bestritt sie ein Sonderkonzert der Accordate-Reihe, die ihre kammermusikalischen Ambitionen für die gar nicht primadonnenhaft posierende Primadonna musikdramatisch öffnete. Natürlich mit Wagner, natürlich mit dem Schlussgesang der Brünnhilde aus der „Götterdämmerung“, einer der Paraderollen Luana DeVols. Ergänzt durch den 1. Akt der „Walküre“, auch wenn die Sopranistin aus der Rolle der Sieglinde in den letzten 20 Jahren herausgewachsen ist. Obwohl Luana DeVol ihre großen Erfolgs-Partien nicht mehr auf der Bühne singt, liefert sie doch einen schönen Beweis für die banale, doch von vielen Kollegen vernachlässigte These, dass eine grundsolide Technik und ein kluger Umgang mit dem Einsatz der stimmlichen Mittel auch in fortgeschrittenem Alter noch herausragende Leistungen ermöglichen kann. Dazu gehört auch ihr Schlussgesang im Krönungssaal, den sie mit treffsicheren Spitzentönen und ebenso sicheren Höhen und einer ungebrochen jugendlichen Verve und persönlichen Größe mehr als nur bewältigte.

Im 1. „Walküren“-Akt erwies sie sich als werkdienliche und bescheidene Partnerin und hielt sich als Sieglinde zugunsten ihres türkischen Kollegen Ünüsan Kulolu zurück, der phänomenale heldentenorale Qualitäten offenbarte. Hier überzeugte er ebenso wie im derzeit auf dem Spielplan des Aachener Theaters stehenden „Fidelio“. Die gesundheitlichen Probleme, die noch seinen Auftritt als Florestan in der Premiere trübten, sind längst vergessen. Über solch markante, voluminöse und brillante „Wälse“-Rufe, wie er sie im Krönungssaal hören ließ, dürfte sich nicht nur jeder Intendant eines Stadttheaters freuen.

Und der kultivierte, samtschwarz tönende Bassist Woong-jo Choi vervollständigte als Hunding ein Trio, das, so Intendant Michael Schmitz-Aufterbeck, den Grundstock zu einem ernst zu nehmenden Aachener Gesamt-„Ring“ legen könnte. Warum eigentlich nicht?

Am Aachener Sinfonieorchester würde es nicht scheitern, das unter Leitung von Kazem Abdullah das durch den nicht ganz passenden Karfreitagszauber aus dem „Parsifal“ ergänzte Programm vorzüglich zum Klingen brachte. Und das in dem für ein großes, wenn auch abgespecktes „Nibelungen“-Orchester nicht gerade prädestinierten Krönungssaal, der sich für diesen Zweck jedoch als besser erwies als befürchtet.

Da hätte man die orchestrale Schlussmusik der „Götterdämmerung“ ruhig ungekürzt in voller Pracht ertönen lassen können und nicht nur in der gebotenen, geradezu kastrierten Fassung. Der einzige wirkliche Wermutstropfen in dem schönen, ebenso menschlich anrührenden wie festlichen Konzert.

Standing Ovations des Publikums, in dem sich auch ehemalige Kollegen wie Maria Leyer, Karl Fäth und Willy Schell befanden, für eine große Künstlerin und ihre singenden und musizierenden Kollegen.

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