Donizettis „Liebestrank“ in Köln: Verschrobene Gags

Von: Pedro Obiera
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Ob er der Richtige ist? Belcore (Christopher Bolduc) herzt Adinas (Anna Palimina). Foto: Paul Leclaire

Köln. Gewiss: Gaetano Donizettis „Liebestrank“ ist eine „Buffa“, eine „komische Oper“. Muss man sie deshalb zur Klamotte planieren wie Bernd Mottl zum Abschluss der Kölner Opern-Saison?

Einen Hang zu derben Späßen konnte Mottl auch in seinen um Klassen besseren Bartók- und Monteverdi-Inszenierungen in Köln nicht verhehlen. Aber die feine lyrische Leichtigkeit von Donizettis Meisterwerk so unsensibel zu ignorieren, markiert einen Tiefpunkt der Saison über Köln hinaus.

Eine Parade verschrobener bis platter Gags mit leicht bekleideten Männern, acht Klobecken, billigem Show-Glamour und einer kühlen Fabrikhalle, gekrönt von einer mordsmäßig großen, unübertrefflich kitschigen Madonnenstatue treibt dem Werk szenisch jeden poesievollen, hintergründigen Witz aus, von dem die Musik in jedem Takt lebt.

Leider kommt im langen ersten Akt auch Andreas Schüller am Pult des ordentlich aufspielenden Gürzenich Orchesters nicht so recht in Gang, so dass sich angesichts der wenig witzigen Geschmacklosigkeiten auf der Bühne auch musikalisch eine leichte Blutarmut einstellte. Das ändert sich nach der Pause, wenn sich auch Mottl angesichts der gar nicht mehr so komischen Zuspitzung ein wenig Zurückhaltung auferlegt und die Musik leuchtender zur Geltung kommen darf.

Das Gesangsensemble kann sich hören lassen. Anna Palimina verfügt für die Adina über einen sehr hellen, fast noch soubrettenhaften Sopran, der genügend Jugendlichkeit ausstrahlt. Jeongki Cho ist ein Gewächs des Opernstudios, gehört erst seit kurzem dem festen Ensemble an und durfte für den erkrankten Javier Camarena seine erste große Partie stemmen. Ein kultivierter, etwas klein dimensionierter Tenor mit vorzüglichen Belcanto-Qualitäten und berechtigten Hoffnungen auf eine solide Karriere in lyrischen Gefilden. Die tiefen Stimmen waren mit Christopher Bolduc als Sergeant Belcore und Carlo Lepore als quackslaberndem Showstar Dulcamara rollendeckend besetzt.

Freundlicher Beifall, druchmischt mit einigen Bravos für die Sänger und ein paar Buh-Rufen für die verkorkste Regie. Schwamm drüber.

Die nächsten Aufführungen in der Oper am Dom: 24., 26., 27., 28. und 29. Juni, 2., 4. und 6. Juli. Tickets: 0221/22128400.

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