Domchor glänzt in musikalischem Trauerzug

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Aachen. Eine harte Aufgabe stellte sich Domkapellmeister Berthold Botzet für die traditionsreiche Oktobermusik im vollbesetzten Krönungssaal des Aachener Rathauses pünktlich zum 20. Jahrestag des Mauerfalls.

Haydns Oratorium „Die Jahreszeiten” steht nicht ganz zu Unrecht im Schatten der ungleich populäreren „Schöpfung”. Der lebensbejahende Schwung der „Schöpfung”, mit dem Haydn seine von Revolution und napoleonischen Kriegen durchschüttelten Zeitgenossen von Dublin bis St. Petersburg knapp und treffsicher begeisterte, weicht in den „Jahreszeiten” einem weitschweifigen, oft biedermeierlich engen Plädoyer für Gottes schöne Natur. Dass sich Haydn mit dem unsäglichen Libretto van Swietens nie richtig anfreunden konnte, verwundert nicht.

Umso mehr sind die Interpreten herausgefordert, die unzweifelhaften Schönheiten des Werks musikalisch herauszustellen. Und da setzen bereits die orchestralen Anforderungen der wiederum farbigen, von etlichen Klangmalereien durchzogenen Partitur hohe Barrieren, die angesichts der knappen Probenzeiten auch das Sinfonieorchester Aachen nicht ohne weiteres überwinden kann.

Kurz gesagt: Die Aachener Sinfoniker spielten weit unter ihren Möglichkeiten. Das betraf nicht nur etliche Wackelkontakte im Zusammenspiel und deutlich hörbare Schnitzer, sondern auch den wenig differenzierten Gesamtklang und die unausgefeilte Tonbildung.

Daran ist natürlich Berthold Botzet nicht unschuldig, dem es über weite Strecken nicht gelang, so lebendig zu phrasieren, dass die feinen Naturschilderungen und Stimmungsbilder plastisch zum Ausdruck kommen konnten. Auch wenn Haydn den Gang durch die „Jahreszeiten” nicht als ungetrübten Osterspaziergang schildert, ein Trauerzug ist sie auch nicht.

Dieser Eindruck stellte sich bereits im zweiten Teil, dem „Sommer”, ein, als Botzet die Tempi bedenklich schleifen ließ und in den Rezitativen die Dialoge zwischen Solist und Orchester durch unmotivierte Pausen auseinanderriss und um jede Spannung brachte.

Die Solisten hatten es unter diesen Umständen nicht leicht und konnten sich nur selten richtig freisingen. So vermochten auch die verlässliche Sopranistin Eva Bernard, der etwas blass gestaltende Tenor Christoph Wittmann und der leichtgewichtig hell timbrierte Timothy Sharp nicht voll zu überzeugen.

Die eigentlichen Qualitäten von Berthold Botzet schlugen sich in den Leistungen des Aachener Domchors nieder, der sich stimmlich vorzüglich präpariert zeigte, sauber intonierte und sowohl im Gesamtklang als auch in den einzelnen Gruppen keine Wünsche offen ließ. Vielleicht sollte man sich bei der Programmplanung der nächsten Oktobermusik Werken zuwenden, die den Chor in dem Mittelpunkt rücken.

Freundlicher, teils begeisterter Beifall für einen problematischen Konzertabend.
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