Aachen - Domchor bildet wieder das Herzstück der Oktobermusik

Domchor bildet wieder das Herzstück der Oktobermusik

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Nach Anton Bruckners Messe in f-Moll im Vorjahr, einem ausladenden Schwergewicht des Genres, stand mit Joseph Haydns „Cäcilien-Messe“ ein formal noch umfangreicheres, aber klanglich und stilistisch erheblich schlankeres Werk im Zentrum der Oktobermusik des Aachener Domchors.

An den Chor stellt die frühe und von besonderem Ehrgeiz des frisch gebackenen Esterhazy-Kapellmeisters beflügelte Messe noch höhere Anforderungen an Flexibilität, Beweglichkeit und Transparenz als Bruckners Koloss. In dieser Hinsicht konnten sich die Besucher im voll besetzten Dom erneut über die vorzügliche Chorarbeit von Berthold Botzet freuen, der seine Sänger so intensiv vorbereitete, dass nicht nur der festliche Grundton des Werks imposant zum Ausdruck kam, sondern auch die komplizierten Fugen sauber bewältigt werden konnten. Der Aachener Domchor bildet nach wie vor das Herzstück der Oktobermusiken.

Allerdings neigt Botzet auch diesmal in den langsameren Teilen zu einer flachen Phrasierung und in den schnellen Passagen zu einem kompakten Klang, der sich im Dom stellenweise sehr nachhaltig auswirkt. Das betrifft auch den Orchesterpart, den Botzet trotz der Beteiligung des versierten Aachener Sinfonierochesters natürlich nicht so minutiös ausproben konnte wie die Chorpartien. Es fehlt der Interpretation insgesamt an federnder Eleganz und frischer Strahlkraft, um Spannungseinbrüche wie etwa im „Incarnatus“ vermeiden zu können. So wurde bisweilen unfreiwillig spürbar, dass es sich um die längste Messe des Komponisten handelte.

Daran konnte auch das insgesamt zuverlässig agierende Solistenquartett nicht viel ändern – mit Martina Schilling und ihrem mühelos ansprechenden Sopran, dem nicht ganz ausgeglichen singenden Tenor Max Ciolek und dem markant artikulierenden Bassisten Andrew Nolen. Ein Wiedersehen gab es mit der Mezzosopranistin Melanie Forgeron, die ihren Part unauffällig absolvierte. Angesichts der Größe des Werks erwies sich der Auftakt mit Haydns Trompetenkonzert als ebenso unpassend wie überflüssig. Immerhin blieb Martin Griebl, Solo-Trompeter des WDR Sinfonieorchesters, dem Stück nichts an klanglicher Brillanz und spieltechnischer Perfektion schuldig.

Am Ende begeisterter Beifall für ein nicht ganz unproblematisches Oktoberkonzert in Gedenken an das Kriegsende in Aachen im Oktober 1944.

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