DJ Felix Jaehn: „Würde alles nochmal genauso machen“

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Der Meister bei der Arbeit: Wenn die Bässe wummern und die Lichter zucken, ist Felix Jaehn in seinem Element. Foto: Katrin Fuhrmann
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Alles tanzt nach seiner Pfeife: Felix Jaehn 2015 bei einem Auftritt in Berlin-Tempelhof. Foto: imago/Star-Media

Köln. So etwas nennt man wohl „Erfolgsgeschichte“: Im vorigen Jahr landete Discjockey Felix Jaehn (22) mit seinen Singles „Ain’t nobody (Loves me better)“ und „Cheerleader“ an der Spitze der deutschen Charts. Er tourte durch die ganze Welt, legte auf großen Festivals und in angesagten Clubs auf. Als erster Deutscher seit 26 Jahren schaffte er es auf Platz 1 der US-Charts.

Dafür wurde er sogar von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier beglückwünscht. Am Wochenende hat er seine erste eigene Live-Tour in Deutschland und dem benachbarten Ausland beendet. Unsere Volontärin Katrin Fuhrmann hat sich mit Felix Jaehn vor seinem Konzert im Kölner E-Werk getroffen.

Vor einem Jahr haben Sie im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt, dass Sie den Traum haben, einmal beim Tomorrowland, dem größten elektronischen Festival der Welt, aufzulegen. Im Sommer haben Sie es geschafft. Wie war das für Sie?

Jaehn: Das war etwas ganz Besonderes für mich. Ich hatte meine beiden Geschwister dabei, und es hat mich sehr gefreut, dass ich diesen unglaublichen Moment mit ihnen teilen konnte. Ich bin happy und dankbar zugleich, dass es geklappt hat. Tomorrowland ist einfach ein Festival, das jeder kennt und wo jeder junge DJ gerne einmal hin möchte.

Das heißt, jetzt sind Sie wunschlos glücklich? Oder gibt es da jetzt ei­nen neuen Traum, ein neues Ziel?

Jaehn: Im Moment fällt es mir wirklich schwer, Träume zu nennen. Ich lebe den Traum ja schon. Das habe ich vor einem Jahr zwar auch schon, aber es ist noch viel intensiver geworden. Mit meiner ersten eigenen Live-Tour habe ich auf jeden Fall ein Ziel erreicht, das ich seit Beginn meiner Musikkarriere hatte. Bald soll mein erstes eigenes Album erscheinen.

Das haben Sie vor einem Jahr auch schon gesagt. . .

Jaehn: (lacht) Ich weiß. Das hat sich irgendwie ein bisschen verschoben. Mir war es wichtiger, erst einmal viele Singles rauszubringen und mich auszuprobieren, um herauszufinden, wo es für mich musikalisch hingehen soll. Ich habe sehr viel experimentiert. Ich habe Songs mit unterschiedlichen Künstlern in verschiedenen Genres produziert und ich durfte mit Herbert Grönemeyer zusammenarbeiten, was eine große Ehre für mich war. Ich denke, jetzt bin ich bereit fürs Album. Anfang 2017 kann man damit rechnen.

Wirklich?

Jaehn: Ja. Ich hoffe nicht, dass wir dann nächstes Jahr wieder hier sitzen und Sie die gleiche Frage noch einmal stellen müssen (lacht). Es ist tatsächlich so, dass wir auf der Tour schon einige unveröffentlichte Songs vom Album gespielt haben. Es kommt auf jeden Fall bald.

Viele Ihrer Songs wie „Cheerleader“, „Ain’t nobody (Loves me better)“ oder auch „Stimme“ waren in den deutschen Charts vertreten und werden international im Radio gespielt. Gibt es einen Song, der Ihnen besonders am Herzen liegt?

Jaehn: Etwas ganz Besonderes wird natürlich immer „Ain’t nobody“ bleiben. Der Song war mein erster eigener Remix, und es war eine sehr schöne Zeit mit Jasmine Thompson. An die Produktion des Videos in Barcelona erinnere ich mich gerne. Mit dem Song verbinde ich so viele tolle Momente und Erinnerungen. Der EM-Song „Jeder für Jeden“ mit Herbert Grönemeyer und einigen Fußballspielern der deutschen Nationalmannschaft hat für mich aber auch eine große Bedeutung.

Für den EM-Song gab es nicht nur positive Rückmeldung. Wie gehen Sie generell mit Kritik um?

Jaehn: Es kommt immer ein bisschen drauf an, was es für Kritik ist. Wenn es berechtigtes, technisches Feedback ist, dann denke ich schon darüber nach und überlege mir, wie ich es vielleicht noch besser hätte machen können. Ich nehme mir das dann schon zu Herzen. Aber oft schwirrt im Internet ja auch einfach nur viel Kritik aus Prinzip rum, weil man einfach mal was Negatives sagen muss.

Mit einem EM-Song bietet man natürlich auch die größtmögliche Angriffsfläche als Musiker. Dazu kommen in unserem Fall die unterschiedlichen Musikstile und Generationen, die aufeinander treffen. Da ist es ja ganz klar, dass das nicht jeder gut findet. Das wichtigste für mich ist, dass die Zusammenarbeit mit Herbert sehr viel Spaß gemacht hat und wir beide mit der Produktion zufrieden sind.

Sie sprechen den eigenen Stil an. Was unterscheidet Sie von anderen DJs?

Jaehn: Meine Tour unterscheidet sich zum Beispiel deutlich von anderen DJ-Auftritten. Viele spielen einfach nur ihre DJ-Sets mit großen LED-Screens. Das lenkt total vom Wesentlichen, nämlich der eigenen Musik, ab. Oft ist man dann nur noch ein kleiner schwarzer Punkt auf der Bühne. Das ist nicht mein Ding. Mir war es auch wichtig, dass ich auf der Live-Tour nur eigene Songs spiele, Musiker dabei sind und ich selbst Instrumente spielen kann. Ein Konzert muss sich von einem Auftritt nachts um zwei in einem Club unterscheiden.

Was produzieren Sie lieber, Remixe oder eigene Lieder?

Jaehn: Das kann man gar nicht sagen. Bei eigenen Songs hat man natürlich komplett kreative Freiheit. Man kann sich gemeinsam mit einem Sänger oder einer Sängerin eine Idee überlegen, mit Melodie und Text. Bei Remixen ist es ja so, dass es schon einmal jemanden gab, der eine Idee hatte und damit schon ein Kunstwerk geschaffen hat. Meine Aufgabe ist es dann, das Lied in meinem eigenen Stil und Sound neu zu interpretieren. Das ist eine ganz andere Herangehensweise. Ich mag beides. Die Mischung macht es.

Ihren Stil behalten Sie aber immer bei?

Jaehn: Meine Songs ähneln sich alle in einer Sache: Sie sind alle sehr melodisch. Die Trends, der Geschmack, die Zeit und der eigene Stil ändern sich natürlich und entwickeln sich weiter. Es hängt auch stark davon ab, mit wem ich zusammenarbeite. Wenn ich mit Herbert Grönemeyer im Studio sitze, kommt da natürlich etwas anderes bei heraus, als wenn ich mit Hitimpulse, einem aufstrebenden Produzenten-Team aus Berlin, einen Track produziere. Das kann einfach nicht gleich klingen.

Wie werden Sie auf Künstler aufmerksam, mit denen Sie zusammenarbeiten möchten?

Jaehn: Das ist unterschiedlich. Polina, mit der ich den Song „Book of Love“ aufgenommen habe, habe ich in einem Club in Frankreich kennengelernt. Auf Alma bin ich durch Hitimpulse aufmerksam geworden. Jasmine Thompson habe ich auf Youtube gefunden und Herbert Grönemeyer kenne ich seit meiner Kindheit.

Es gibt viele junge DJs weltweit. Herrscht da Konkurrenz?

Jaehn: Natürlich sind wir alle ehrgeizig und wollen der beste und der tollste DJ sein. Aber im Endeffekt macht jeder einfach sein eigenes Ding, und wir sind eher alle Freunde beziehungsweise Arbeitskollegen als Konkurrenten. Kygo habe ich zum Beispiel das erste Mal in New York gesehen, danach haben wir uns in Indien auf einem Festival wiedergetroffen, dann in Miami und einen Monat später in Rio. Man trifft sich überall auf der Welt und man kennt sich – und die meisten mögen sich.

Sie sind in den vergangenen zwölf Monaten viel rumgekommen und haben in Clubs und auf Festivals auf der ganzen Welt aufgelegt. Wie haben Sie diese Erfahrungen verändert?

Jaehn: Die Auftritte werden größer, und es werden mehr. Gleichzeitig bin ich routinierter geworden und habe meine Mitte gefunden. Ich weiß genau, was ich gerne mache und was ich lieber sein lasse. Ich entscheide bewusst, wann ich mein Handy mal für ein paar Stunden ausschalte und wann ich Ruhe und Zeit für mich brauche.

Wie gehen Sie mit Stress um?

Jaehn: Was mir immer hilft, ist nach Hause zu fahren. Ich versuche, so oft es geht meine Familie zu besuchen. Die wohnt in einem sehr kleinen Dorf an der Ostsee. Ich mag es, auf der Terrasse zu sitzen, zum Strand zu gehen oder mit Freunden Fußball zu spielen. Da, wo ich wohne, ist die Welt echt noch in Ordnung. Da sind ‘ne Menge Naturschutzgebiete und man hört außer ein paar Kranichen nichts. Das ist ein sehr willkommener Ausgleich.

Wie geht es nach der Tour weiter?

Jaehn: Ich habe seit Januar das erste Mal zwei Wochen Urlaub. Darauf freue ich mich sehr. Auch wenn mir das alles unglaublich viel Spaß macht, es ist schon stressig. Danach geht es mit ein paar kleineren Terminen weiter. Im November ist eine Südamerika-Tour geplant.

Wenn Sie noch einmal zu dem Zeitpunkt vor zwei Jahren zurückgehen könnten, an dem Ihre Karriere angefangen hat, würden Sie alles noch einmal genauso machen?

Jaehn: Ich glaube, ich würde im Wesentlichen alles noch einmal genauso machen. Ich würde mir wahrscheinlich den einen oder anderen Tag mehr frei nehmen, um alles intensiver genießen zu können. Wenn man in einer Woche sechs Auftritte in vier Ländern spielt, sieht das zwar bei Instagram super aus, weil man viele schöne Fotos posten kann, aber man selbst kann das kaum genießen und bleibt auf der Strecke.

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