„Die Therapie“ im Aachener Grenzlandtheater: Viel Beifall

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
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„Die Therapie“ im Aachener Grenzlandtheater: mit Jörg Reimers und Birthe Gerken.

Aachen. Mehr als sechs Millionen Bücher hat der 45-jährige Berliner Krimi-Autor Sebastian Fitzek bereits verkauft, sein Debütroman „Die Therapie“ war 2006 sogleich ein Bestseller. Das Berliner Kriminaltheater hat die Bühnenversion von Marc Gruppe am 29. September herausgebracht, am Donnerstagabend folgte jetzt das Aachener Grenzlandtheater mit einer Inszenierung von Anja Junski.

Auf der Bühne bedarf es doch einiger Krücken, um den Psychothriller dem Theaterpublikum nahezubringen: Ohne Erzähler geht schon mal gar nichts. Und auch nicht ohne Stimmen aus dem Off und weitere lange Erzählpassagen. Weitgehend handlungslos bleibt für die Darsteller wenig Raum für so etwas, was man Schauspiel nennen könnte.

Die Geschichte ist buchstäblich verrückt: Der bekannte Psychiater Viktor Larenz (Jörg Reimers) trauert auf einer einsamen Insel um seine 12-jährige Tochter Josy, die vor vier Jahren spurlos verschwunden ist. Da schneit plötzlich eine schöne Unbekannte (Birthe Gerken) herein, die angibt, von schizophrenen Anfällen gequält zu werden. Larenz reagiert elektrisiert, als sich ihre Wahnvorstellungen als unfassbare Parallelen zum Verschwinden seiner eigenen Tochter entpuppen . . .

Das Telefon und der Anrufbeantworter auf einem Schreibtisch, das sind die eigentlichen Hauptelemente in diesem Stück. Larenz dirigiert damit die überwiegende Zeit einen Privatdetektiv durch die Lande, um das Geheimnis der Anna Spiegel und ihre rätselhaft präzisen Angaben zu Dingen, die sie eigentlich gar nicht wissen kann, zu lösen.

Warten auf die Auflösung

Die schöne Irre wirkt unterdes in ihrer schnittigen Erscheinung und Aufmachung wie eine Mischung aus Emma Peel und Lara Croft. Spannung erzeugen aber weniger die Dialoge als das gebannte Warten auf die Auflösung der abstrusen Situation. Und mit Wehmut denkt man an Charles Copenhaver zurück angesichts des Bühnenbildes (Barbara Krott): Nichts als ein langweiliger weißer Vorhang ist im Hintergrund quer über die ganze Bühne gespannt. Die Auflösung wird am Ende umständlich erzählt – so viel sei verraten: Sie ist so ab-strus wie das ganze Stück.

Schauspielerisch werden weder Jörg Reimers noch Birthe Gerken gefordert. Berthold Schirm ist Erzähler, Psychiaterkollege und Inselfaktotum, Christian Miedreich die „Stimme“ und ein Irrenarzt. Dem Premierenpublikum scheint es dennoch gefallen zu haben: viel Beifall. Weitere Aufführungen (110 Minuten, eine Pause) bis 5. Dezember in der Elisengalerie, danach bis 20. Dezember in Spielstätten der Region.

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