Aachen - Die Sopranistin Soetkin Elbers ist Spezialistin für Barockmusik

Die Sopranistin Soetkin Elbers ist Spezialistin für Barockmusik

Von: Christina Merkelbach
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Zwischen Jazz und Barock: Sopranistin Soetkin Elbers vor dem Theater Aachen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Als Elfjährige hat Soetkin Elbers in ihrer flämischen Musikschule die ersten Jazzstandards gesungen. Das neue Jahr beginnt für die Belgierin also mit einer Kindheitserinnerung: Beim Neujahrskonzert des Sinfonieorchesters Aachen tritt die Sopranistin mit ihrem Trio auf.

Der Name führt in die Irre, denn bei der Kombo handelt es sich um ein Quartett. „Wir haben uns aber bewusst für diesen Namen entschieden. Weder gibt es einen tieferen Grund noch haben wir uns verzählt“, sagt Soetkin Elbers und lacht.

Außer der 30-Jährigen gehören zum „Trio“ Stefan Michalke am Piano, Uwe Böttcher am Bass und Samuel Reissen am Schlagzeug. Die beiden Letzteren haben bereits einige Produktionen am Theater Aachen musikalisch unterstützt. Stefan Michalke gibt unter anderem regelmäßig Jazzkonzerte im Aachener Franz. Dort trat er Anfang 2016 auch mit dem Soetkin Elbers Trio auf. Vor Publikum würden die Vier aber nicht regelmäßig spielen, erklärt die Namensgeberin.

„Jazzstandards in sinfonischem Gewand“ kündigt die Einladung zum Neujahrskonzert mit dem Titel „Kind of blue“ den Besuchern an. Für Barock-Spezialistin Soetkin Elbers bedeutet das George Gershwin statt Georg Friedrich Händel. Ist es für die Opernsängerin eine große Herausforderung, stimmlich auf Jazz umzustellen? „Die größte Herausforderung ist gerade, dass die Noten erst relativ spät gekommen sind“, sagt sie und schlägt in gespielter Panik die Hände vors Gesicht. „Erst mit den Noten kann ich genau schauen, wo ich mir Freiheiten nehmen kann.“ Jazz-Komponist Lutz Krajenski hat die Standards – Gershwins „I Got a Crush on You“, Duke Ellingtons „I’m beginning to see the light“ oder Fats Wallers „Honeysuckle Rose“ – für das Zusammenspiel mit dem Sinfonieorchester Aachen extra arrangiert.

Wenn sie Jazz singe, verwende sie ihre Stimme anders als beim Operngesang, erklärt Soetkin Elbers, deren Stimmfach „lyrischer Koloratursopran“ heißt. „Vereinfacht gesagt arbeite ich als Opernsängerin mit meiner Kopfstimme, während ich beim Jazz hauptsächlich die Bruststimme einsetze.“ Im klassischen Gesang werde stimmlich viel weniger gemischt als beim Jazz. Und während man in Opern Mikrofone höchstens bei Freiluft-Aufführungen einsetzt und sie ansonsten verpönt sind, „ist das Mikrofon beim Jazz extrem wichtig“. Um den Klang der Stimme zu regulieren sei entscheidend, wie nah oder weit entfernt die Sängerin das Mikrofon vom Mund entfernt hält.

Am Theater Aachen ist die Brüsselerin in zwei Produktionen zu erleben. Im Musical „Fiddler on the Roof – Anatevka“ von Jerry Bock steht sie als Hodel, der zweitältesten Tochter des Milchmanns Tevje, auf der Bühne, in Christoph Willibald Glucks Oper „Orphée et Eurydice“ ab 2. Februar dann als Amor. Ihr Aachener Debüt gab sie als Elfe in Antonin Dvoáks Oper „Rusalka“ während der Spielzeit 2013/14.

Tenor Chris Lysack am Klavier

Damals gehörte sie als Stipendiatin der Theaterinitiative Aachen zum Ensemble, hatte gerade ihr Studium mit Stationen an den Konservatorien in Brüssel und Wien sowie an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln abgeschlossen. Kurz bevor sie das Stipendium antrat, sagte sie im Interview mit unserer Zeitung, dass mit diesem Engagement der Druck von ihr genommen sei, sich als Freiberuflerin behaupten zu müssen. Als solche ist sie in dieser Spielzeit am Aachener Theater zu Gast. Wie sieht es nun aus? „Ich bin ruhiger geworden und kann jetzt mit dem Druck schon viel besser umgehen als direkt nach dem Studium. Das bereitet einen ja überhaupt nicht darauf vor.“

Drei Proben mit den Sinfonikern stehen vor dem Neujahrskonzert für das Soetkin Elbers Trio auf dem Programm. Zwei in den Probenräumen des Orchesters und die letzte am 31. Dezember dann im Eurogress. Dort steht die Sängerin vormittags zur Generalprobe auf der Bühne, abends singt und spielt sie dann im Theater wieder ihren Part in „Fiddler on the Roof – Anatevka“.

Die Sopranistin ist übrigens nicht die einzige, die beim Neujahrskonzert im Eurogress eine andere musikalische Seite zeigt: Den Solopart am Piano in George Gershwins „Rhapsody in Blue“ übernimmt Chris Lysack. Der Tenor aus Kanada ist auch ausgebildeter Konzertpianist und kein Unbekannter für das Aachener Publikum. Lysack war in der Spielzeit 2015/2016 Ensemblemitglied am Theater und ist jetzt am Theater Bremen fest engagiert.

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