„Die Schöne und das Biest” im Kölner Musical Dome

Von: Susanne Schramm
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Da gibt es alles, was eine gut
Da gibt es alles, was eine gute Geschichte braucht, und die Kostüme bieten etwas fürs Auge: „Die Schöne und das Biest” sind bis zum 18. Dezember im Musical Dome Köln zu sehen. Foto: Thommy Mundo

Köln. Kammerdiener Lumière (Ádám Bálint), Haushofmeister Herr von Unruh (Tamás Földes) und all die anderen im Schloss haben nichts verbrochen. Außer, dem falschen Herrn zu dienen. Der Prinz (Zsolt Hommonay) ist zwar jung, schön und reich, aber auch eitel, oberflächlich und herzlos.

Weil er eine alte, hässliche Bettlerin in einer kalten Winternacht abweist, wird er zur Strafe verzaubert. Und mit ihm die gesamte Dienerschaft. So beginnt „Die Schöne und das Biest”. In Köln hatte Freitagabend die Musical-Fassung der Disney-Verfilmung des französischen Volksmärchens Premiere.

Für die Adventszeit ist das Gastspiel des Budapester Operetten- und Musical-Theaters perfekt. Fast. Die Darsteller, allesamt Ungarn, sprechen und singen auf Deutsch. Beim Gesang fallen die teilweise sehr eigenwilligen Betonungen nicht so sehr ins Gewicht, bei den Textstellen schon. Um die Piroschka-Assoziationen, die sich unweigerlich einstellen, aus dem Kopf zu verbannen, braucht es seine Zeit. Vielleicht irritiert das im Musical Dome aber auch nur die Erwachsenen.

Mit seinen tanzenden Löffeln, Messern und Gabeln, riesigen, bemalten Tellern, die sich würdevoll verneigen, den Servietten-Soubretten und der quirligen Dienerschaft, die, je nach Funktion und Charakter, vom Fluch der Fee (die sich als Bettlerin tarnte) in die Gestalt eines Leuchters, einer Uhr oder einer Kommode gebannt wurde, ist „Die Schöne und das Biest” vor allem für Kinder ein Erlebnis. Die Showeinlage „Sei hier Gast”, bei der die Bühne zum Tischlein-deck-dich-Theater wird, ist einer der Höhepunkte im knapp dreistündigen Musical.

Ansonsten wartet „Die Schöne und das Biest” mit allem auf, was eine gute Geschichte braucht. Einer Heldin, Belle (Mara Kékkovács), die nicht bloß hält, was ihr Name verspricht, sondern durchaus ihren eigenen Kopf hat, weshalb sich die Erlösung des in ein Biest verwandelten Prinzen schwierig anlässt. Einem Anti-Helden, der sich nach und nach vor allem durch seine unbeholfenen Versuche als pelziges Biest der Schönen den Hof zu machen, in die Herzen der Zuschauer spielt.

Mit Liebe, die stark genug ist, um einen Fluch zu brechen, gruseligen Szenen, in denen der Nebel wallt und die Wölfe aus den Schatten heranpirschen, herzerfrischend humorvollen Einlagen und einem ränkeschmiedenden Gegenspieler, Gaston (Attila Németh), der Belle gegen ihren Willen zur Frau nehmen will.

Stimmlich ist Németh dem Prinz-und-Biest-Darsteller sogar überlegen, während der Sopran von Kékkovács genauso lieblich ist, wie es dieser Part erfordert. Riesenapplaus erhalten auch Lilla Polyák als trippelnde und stets um Tröstung bemühte Teekanne Madame Pottine und Ildikó Nagy, die mit Verve ihr bitteres Los beklagt: Aus der einstmals gefeierten Operndiva Madame de la Grande Bouche mit der legendären Wespentaille ist Kraft des Feenfluchs eine ausladende Barock-Kommode geworden.

Besondere Sympathie genießen György Méhész als Madame Potti-nes kleiner Sohn Tassilo, der auf dem Kopf statt Kappe ein verwegenen, schief aufgesetztes Stück Zucker trägt, und Edit Vörös, die das Stubenmädchen Babette, das sich in Gestalt eines umherwuselnden Staubwedels wiederfindet, mit entzückender Koketterie gibt. Dass am Ende alles gut ausgeht, versteht sich von selbst.

Nur den Prinzen, der unter der löwenartigen Bestien-Maske zum Vorschein kommt, den hätte man sich ein wenig hübscher gewünscht.

Vorstellungen täglich außer montags

Musical „Die Schöne und das Biest”, bis Sonntag, 18. Dezember, Musical Dome Köln, Goldgasse/Breslauer Platz.

Karten: ab 24,50 Euro, inklusive Gebühren.

Vorstellungen: Do. und Fr. 19.30 Uhr, Sa. 15.30 und 19.30 Uhr, So. 14.30 und 18.30 Uhr, Di. und Mi. 18.30 Uhr. Mo. spielfrei.

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