Herzogenrath - Die Reise zu den Blutzeugen einer urchristlichen Kirche

Die Reise zu den Blutzeugen einer urchristlichen Kirche

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
16435468.jpg
Prominenter Gast bei den „Herzogenrather Montagsgesprächen“: Büchner-Preisträger Martin Mosebach.

Herzogenrath. Gespannte Erwartung im voll besetzten Saal des Katholischen Gemeindezentrums St. Gertrud: Für die „Herzogenrather Montagsgespräche“ konnte Pfarrer Guido Rodheudt einen prominenten Gast gewinnen: Martin Mosebach, Schriftsteller aus Frankfurt/Main, ein Autor, der kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn es um den Glauben geht.

2007 erhielt der heute 66-Jährige den Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, die ihm „stilistische Pracht und urwüchsige Erzählfreude“ bescheinigt.

Bei der Lesung in Herzogenrath beweist er einmal mehr, dass er alle diese Attribute verdient. Im Mittelpunkt steht sein erstes dokumentarisches Werk, ein sehr persönliches Buch über ein erschütterndes Thema, ein blutiges Zeugnis des Glaubens, die Begegnung mit einer Welt der starken Kontraste, die unmittelbar an die frühe Zeit der Christenverfolgungen anzuknüpfen scheint.

„Die 21. Eine Reise ins Land der koptischen Martyrer“ ist ein schriftliches Monument, ein düster funkelndes Denkmal für 21 Männer aus Ägypten, die 2015 an einem libyschen Strand von Henkern des IS geköpft wurden – nachweislich, alles wurde in einem Video festgehalten, das die Horrorszenen zeigt und keine Fälschung zu sein scheint. Mosebach wollte es genauer wissen und der übermenschlichen Kraft des unverstellten Glaubens nachspüren, die diese Männer die grausame Ermordung so ruhig hat hinnehmen ließen. Inzwischen sind sie alle als Heilige ihrer Kirche ins liturgische Verzeichnis der koptischen Martyrer aufgenommen worden – in der posthum sogar der „21.“, ein junger Christ aus Ghana, einen Platz erhielt, der seine Freunde nicht verlassen hatte, obwohl man ihn verschonen wollte.

Das Buch-Projekt und die Reise nach Ägypten wurde zu einem besonderen und selbst für ihn neuen Weg der Erkenntnis, der Mosebach ins „innere Wesen des christlichen Martyriums“ geführt hat. Es steche eine Nadel in die „Verwohnzimmerung des Glaubens“, wie Rodheudt betont. Mosebach hat seine Entdeckung der koptischen Welt in poetische und dennoch realitätsnahe Bildern umgesetzt.

Der Schrecken lässt ihn genau hinschauen, nachdenken, einfühlen. Das Foto eines der Opfer trägt er lange bei sich, für ihn „ein „Verweilen, ein Ewigkeitsmoment aus Traum und Schlaf“. Er ist ein scharfer und selbst angesichts der tragischen Ereignisse humorvoller Beobachter. „Die Kopten sind die Erben der Pharaonen“, erläutert er die starke Präsenz der Glaubensgruppe, die als „Kirche der Martyrer“ jede offizielle Zeitrechnung eingestellt hat. „Das Jahr 284 nach Christus, der Regierungsantritt Diokletians, ist das Jahr eins der Kopten. Er war ihr größter Widersacher auf dem Kaiserthron“, sagt Mosebach.

Er beschreibt die großen koptischen Kirchen, Schulen und Krankenhäuser sowie seine Audienz beim Metropoliten in dessen stattlichem Bischofssitz. Marmorsaal, Kunstblumen, ein goldenes Kreuz in der rechten Hand, „zum Segnen bereit“.

Mosebach skizziert die fromme Inszenierung bis ins kleinste Detail, schmunzelnd, ein wenig befremdet und doch bewegt. Der Autor ist zudem ein feinsinniger Interpret eigener Texte. Man hört ihm gebannt zu, registriert das leise Lächeln, die Kraft des Ausdrucks und die Sicherheit, mit der er analysiert, verknüpft und kommentiert – etwa die schlichten Worte „Ich bin Christ!“, die einer sagt, der das Messer bereits an der Kehle spürt. Die Zuhörer sind beeindruckt, applaudieren und stellen in der Talkrunde Fragen – auch nach dem Schicksal der Familien, die nun Verwandte von Heiligen sind und auf die Freigabe der Toten noch immer warten.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert