Die Qualität besticht: Reichlich Höhepunkte bei den „Spannungen“

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:
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Das malerische Ambiente des Kammermusikfestivals in Heimbach: Das Jugendstilkraftwerk hat auch im 18. Jahr der „Spannungen“ nichts von seiner Anziehungskraft auf die Musikfreunde verloren. Foto: Claudia Veith

Heimbach. Es ist vieles vertraut wie in den letzten 18 Jahren: Das Kammermusikfestival „Spannungen“ im malerischen Jugendstilkraftwerk Heimbach hat nichts von seiner Anziehungskraft auf Musikfreunde aus nah und fern und die Musikerelite aus noch weiteren Fernen eingebüßt.

Die familiäre Atmosphäre, zu denen die Kinder der 35 angereisten Musiker beitragen, gehört neben der stabilen musikalischen Qualität zum Markenzeichen des Festivals. Die Nebelschleier über dem Rursee, die feschen Klänge der Turmbläser der Dürener Musikschule, die Heerscharen von Schulkindern, die am Donnerstagmorgen das Kraftwerk bevölkern. Stammgäste kennen all das und zeigen sich dennoch immer wieder freudig überrascht.

Ausgeblieben ist bisher nur das obligatorische Gewitter, das mindestens einmal pro Jahr den ein oder anderen Vortrag akustisch begleitet. Dass sich die Parkplätze in teilweise unbefahrbare Schlammpfützen verwandelten, dafür hat der Dauerregen der letzten Woche vorgesorgt.

Dass die öffentlichen Proben und die Einführungsvorträge vom Haus Schönblick in die renovierte Burg Hengebach verlagert wurden, hat am ersten Tag zu einigen Orientierungsproblemen geführt, die sich aber schnell ausräumen ließen. Und die Programmgestaltung präsentiert sich in etwas abgespecktem Format. Die Mammutlängen früherer Konzerte, die manchen werktätigen Besucher in Bedrängnis brachten, wurden maßvoll begrenzt.

Das führt dazu, dass man sich an einem Abend mit nur drei Werken begnügt. Das reicht allerdings auch völlig aus, wenn ein Schlüssel- und Ausnahmewerk wie Olivier Messiaens „Quatuor pour la fin du temps“ (Quartett vom Ende der Zeiten) auf dem Programm steht, Messiaens ebenso bedrückende wie hoffnungsfrohe Botschaft aus seiner deutschen Kriegsgefangenschaft im Jahre 1940.

Starke Isabelle Faust

Zum dritten Mal erklang das für Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier komponierte, achtsätzige Werk in Heimbach. So unterschiedlich die Interpreten, so ungebrochen strahlt das Quartett seine Wirkung aus. Die stärksten Akzente setzte Isabelle Faust mit dem schwierigen, sich in ätherischen Höhen verlierenden Schlusssatz „Lobpreis der Unendlichkeit Jesu“. Nicht minder intensiv schien der Cellist Gabriel Schwabe im zentralen Satz „Lobpreis der Ewigkeit Jesu“ die Zeit geradezu anhalten zu wollen. Ergänzt wurde das Quartett durch die Klarinettistin Jean Johnson und den Pianisten Steven Osborne.

Gewöhnungsbedürftig expressiv ging die prominente Sopranistin Juliane Banse sieben Lieder von Johannes Brahms an. Brahms‘ Appell, zu volksliedhafter Zurückhaltung zurückzufinden, wollte dazu nicht so recht passen. Ebenso wenig die sensible, stilsichere Begleitung durch Lars Vogt, so dass dieser Beitrag doch einen etwas uneinheitlichen Eindruck hinterließ.

Einen Tag zuvor konnte man sich an exzellenten Interpretationen von Brahms 2. Cello-Sonate mit Gustav Rivinius und Lars Vogt sowie des Klavierquintetts von Robert Schumann unter anderem mit Publikumsliebling Aaron Pilsan (Klavier) und Isabelle Faust an der Violine erfreuen.

Heute Abend steht die „Composer in Residence“ Helen Grime im Mittelpunkt, darunter mit der Uraufführung ihrer Sonate für Oboe und Klavier. Beginn: 19 Uhr. Um 22.30 Uhr folgt noch ein überraschendes Programm unter dem Titel „Encore/Zugabe“.

Es gibt für die Konzerte fast immer noch einige Restkarten an der Abendkasse. Die Veranstalter empfehlen, sich dort eine Stunde vor Konzertbeginn einzufinden.

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