„Die Physiker“: Dürrenmatt als Agententhriller

Von: Sabine Rother
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Christian von Treskow inszeniert für das Theater Aachen Friedrich Dürrenmatts „Die Physiker“ und setzt auf das Spannungsfeld zwischen Groteske und ernster Botschaft. Am Samstag ist Premiere. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Schrill soll es werden, lebendig, alles andere als staubig oder feierlich – eine gute Projektionsfläche für dunkle Wahrheiten, das wusste bereits der Autor: Friedrich Dürrenmatts Stück „Die Physiker“ wird für die Bühne des Aachener Theaters von Christian von Treskow inszeniert.

Er selbst ist gespannt, ob Komik und Skurrilität, wie er sie immer wieder staunend von seinen Darstellern erfährt, bei der Premiere am kommenden Samstag, 1. Oktober, 19.30 Uhr, und bei alle weiteren Aufführungen erhalten bleiben.

„Es ist eine ganz schwierige Sache mit dem Lachen“, gesteht der ehemalige Intendant der Wuppertaler Bühnen, der in Aachen zuletzt Samuel Becketts „Warten auf Godot“ auf die Bühne brachte. „Die Reaktionen eines Publikums sind sehr wichtig.“ Er selbst kann sich als Schüler noch gut an die Lektüre des Dürrenmatt-Stücks erinnern. „Es war in der neunten Klasse, es war langweilig, und ich habe mich danach erst wieder mit den ,Physikern‘ beschäftigt, als man mir die Regie in Aachen anbot . . .“ Damaligen Aufführungen oder Verfilmungen will er einen Dürrenmatt in all seiner Raffinesse und Hintergründigkeit entgegenstellen, das Innere nach außen kehren – durch die Szenerie, Aktionen, Kostüme, Körpersprache.

Die Welt ein Irrenhaus, das Irrenhaus die Welt. „Theater darf sagen, was man draußen nicht sagen darf, das ist doch großartig“, sagt von Treskow, der den Agententhriller, der für ihn in den „Physikern“ steckt, hervorlocken will. Die Verantwortung der Wissenschaft und die Unfähigkeit, Erfindungen – sind sie einmal da – tatsächlich nur im Guten zu nutzen, sind heute hochaktuelle Themen. „Genforschung, digitale Entwicklungen, das alles ist völlig unberechenbar“, betont von Treskow. Waren es bei der Uraufführung 1962 Atombombe und die Bedrohung durch den Kalten Krieg, die im Vordergrund standen, gibt es auch heute Dinge, die Sorge bereiten und die für viele dennoch diffus bleiben. Aachen als Stadt der RWTH – eine besondere Herausforderung für den Theatermann? „Na ja, ich denke schon, dass da Leute zuschauen, die ganz besonders gut wissen, wovon die Rede ist“, meint der Regisseur.

Er selbst hat in der Arbeit am Stück erneut erkannt, wie brillant Dürrenmatt mit dem „Instrument Theater“ umgehen konnte. Warum sollten Schüler in die Aufführung gehen? „Dann brauchen sie das Stück nicht mehr zu lesen, und es ist überhaupt nicht langweilig“, verspricht von Treskow.

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