Die Faszination Aachener Dom in feinen Strichen

Von: Eckhard Hoog
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Der Aachener Priester und Male
Der Aachener Priester und Maler Herbert Falken (80) im „Raum für Kunst” in der Elisen-Galerie: Hier werden bis zum 5. Januar 2013 zum ersten Mal überhaupt seine Zeichnungen vom Aachener Dom ausgestellt, die im Jahr 1991 entstanden sind. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Nächtelang lässt sich Herbert Falken 1991 im Aachener Dom einschließen, um das Faszinosum ganz allein und in erhabener Stille auf seine künstlerische Seele wirken zu lassen. Und der Priester und Maler zeichnet, was die Hand nur hergibt.

Hunderte Skizzen, schnell und spontan, zugleich mit sicherem Strich, nur scheinbar wie hingeworfen, entstehen so in kurzer Zeit. Drei Skizzenbücher gibt das Domkapitel zwei Jahre später als Faksimile im Schuber mit ganzseitigen Reproduktionen zahlreicher Zeichnungen heraus - und Falken legt noch nach mit großformatigen Blättern, die für eine Ausstellung gedacht sind, die allerdings nie zustande kommen sollte.

Jetzt ist der Künstler 80 Jahre alt geworden, und die Domzeichnungen kommen doch noch zum Zuge - an einem Ort, der eigentlich der Förderung der noch nicht so bekannten Kreativen gewidmet ist: dem „Raum für Kunst” der Sparkasse Aachen in der Elisen-Galerie. Die Präsentation von 24 Domzeichnungen, initiiert von der Kuratorin Sabine Bücher, reiht sich nun ein in insgesamt zwölf Ausstellungen, die zu Ehren des Jubilars zwischen Köln und München bundesweit stattfinden.

„Es ist eine Würdigung”, sagt Sabine Bücher, der dieser Zyklus vor anderthalb Jahren im Kolumba, dem Kunstmuseum des Erzbistums Köln, zum ersten Mal begegnet ist. Die Ausstellungsmacherin des „Raums für Kunst” zielt nun besonders darauf ab, über das Thema ein neues, womöglich auch anderes Publikum zu erreichen, das sonst mit Kunst vielleicht nicht so viel am Hut hat.

Der Künstler ist sehr angetan von der Idee, zumal er sowieso davon überzeugt ist: „Die Aachener kennen den Dom genauso wenig von innen wie die Kölner ihren Dom nur als Wahrzeichen von außen wahrnehmen. Dabei ist der Aachener Dom doch so toll.” Herbert Falken liebt es, Dinge sehr konkret und sehr direkt, schnörkellos in Worte zu fassen. Wie er auch sein eigenes Kreuz ziemlich drastisch umschreibt, das er im Alter nun zu tragen hat - sein Gebrechen.

Das Gehen fällt ihm schwer. Die Ärzte sind dem Grund nicht auf die Spur gekommen. „Arbeiten kann ich nicht mehr”, sagt er, „und auch die Messe nicht mehr lesen. Mir fehlt die Kraft.” Doch der Mann, der lange Zeit Seelsorger war in St. Gregorius in Aachen und später in Langenbroich seinen Freund und Nachbarn Heinrich Böll beerdigt hat, nimmt das Schicksal einigermaßen gelassen hin: „Ist doch egal, ich bin 80 geworden. Was soll ich mich beschweren?”

In freier Zeichnung widmete er sich 1991 der Kunst im Aachener Dom in vielen Details, angeregt von einem Aufenthalt in der Villa Romana in Florenz. „Dann bin ich wieder nach Hause gekommen und dachte: Was soll ich in Florenz? Wir haben hier in Aachen doch selbst diesen grandiosen Dom”, und ließ sich einschließen.

Proserpinasarkophag und Karlsschrein, Schutzmantelmadonna und Barbarossaleuchter, Herbert Falken gab seiner Faszination individuell Ausdruck - heute noch wohl wissend, dass die Mehrheit seiner Zunft vermutlich eher die Nase rümpfen wird bei derlei als altmodische „Abzeichnerei” verschrienen Kunst. Aber mit 80 kann man auch darüber mehr als gelassen hinwegsehen.

Die drei Skizzenbücher im Schuber, von denen mindestens 50 Exemplare noch existieren, bietet Sabine Bücher jetzt für 90 Euro an. Ursprünglich kosteten sie 460 D-Mark. Der Erlös kommt zur Gänze der Erhaltung des Aachener Doms zugute. Und der 40-seitige Katalog, den die Kuratorin selbst zur Ausstellung erstellt hat, wird sogar unter den Besuchern verschenkt.

Der Künstler ist zufrieden - selbst damit, dass er nicht mehr zeichnen kann. „Ich habe so viel gemacht”, meint er und setzt in seiner typischen Art hinzu: „Auch so viel Mist - was soll ich denn da noch draufsetzen?”

Eröffnung: Freitag, 16. November, 19 Uhr. Adam C. Oellers, stellvertretender Leiter des Suermondt-Ludwig-Museums, gibt eine Einführung.

Bis 5. Januar 2013, geöffnet Di., Do., Fr., Sa. 12-17 Uhr.

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