Aachen - Die Fantastischen Vier feiern eine große, mitreißende Party im Park

Die Fantastischen Vier feiern eine große, mitreißende Party im Park

Von: Christian Rein und Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
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Die Fantastischen Vier lieferten eine gefeierte Show ab. Foto: Hermann/Steindl
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Am Freitag musste das Programm „The Dark Side Of Opera“, bei dem Sanja Radišić als „Ulrica“ aus Verdis „Un ballo in maschera“ glänzte, wegen eines Unwetters unterbrochen werden. Foto: Herrmann/Steindl

Aachen. Kein einziger Tropfen Regen, nichts. Normalerweise würde das gar nicht erwähnt werden, aber nach dem Gewitter-Start bei den Kurpark Classix am Freitagabend, von dem später noch die Rede sein wird, und den wiederkehrenden kräftigen Schauern tagsüber, waren nicht wenige der 8000 Zuschauer am Samstagabend etwas besorgt und in wasserfester Montur in den Aachener Kurpark gekommen.

Am Ende unbegründet, denn sie konnten einen in jeder – auch meteorologischer – Hinsicht absolut gelungenen Auftritt der Fantastischen Vier genießen.

Die Gründerväter des deutschsprachigen HipHop boten zweifelsohne einen Höhepunkt bei der diesjährigen Konzertreihe. Gleichzeitig sprengte das Quartett aus Stuttgart und seine Band den sonst gediegenen Rahmen der Kurpark Classix, in den sich in den vergangenen Jahren zum Beispiel Annett Louisan, Max Herre oder Sarah Connor noch eher eingefügt hatten.

Die Fantastischen Vier hingegen boten weder eine „Soul-Sinfonie“ noch einen Unplugged-Auftritt, sondern setzten den Auftritt in Aachen quasi als Best-Of-Konzert schlicht in die Reihe ihrer derzeitigen „Vier und jetzt“ Festival-Tour – mit allem, was ein ordentlicher Hip­Hop-Abend braucht: fetten Beats, cleveren Reimen, einem fingerfertigen DJ und gelegentlich auch mal einer rockigen Gitarre.

Der DJ tut dem Sound gut

Schon rein optisch fand das seinen Ausdruck in einer viel wuchtiger dimensionierten Bühne, die statt aus dem gewohnten Halbrund aus einem großen Quader mit viel Platz für Livevideo-Projektionen bestand und damit beste Sicht aus allen Winkeln des Geländes bot.

Seit 28 Jahren gibt es die Fantastischen Vier bereits, wie die MCs Smudo, Thomas D. und Michi Beck mehrfach über den Abend hinweg stolz, aber auch ein wenig ungläubig und mit großer Dankbarkeit feststellten. Seit dem vergangenen Jahr begleitet DJ ESKEI83 das Quartett, zu dem außerdem noch Produzent und Soundtüftler Andi Y. gehört, regelmäßig bei seinen Shows. Dem Sound der Fantas tut das gut. Er lässt sie zugleich wieder mehr nach einer HipHop-Band, also nach alter Schule, wie auch jünger, frischer klingen. In den besten Momenten des Konzerts war das wie bei den Beastie Boys ungefähr 1994.

Über zwei Stunden hinweg reihten die Fantastischen Vier zusammen mit der fünfköpfigen Band ihre Hits aneinander: Von den frühen „Die da?!“, „Tag am Meer“ und das von Thomas D. beeindruckend performte „Krieger“ über „MfG“, „Einfach sein“ und dem rockigen „Ernten was wir säen“ bis hin zu jüngeren Stücken wie „Yeah Yeah Yeah“ oder „Gebt uns ruhig die Schuld“ war alles dabei. Politisch wurde es – auch dafür sind die Fantas bekannt – ebenfalls. Neben einem Seitenhieb auf das umstrittene belgische Kernkraftwerk Tihange gab es mit „Endzeitstimmung“, einem Abgesang auf Hass und Fremdenfeindlichkeit, auch einen Vorboten vom neuen Album, das „bald“ erscheinen soll.

Der Auftritt wurde eine große, mitreißende Party. „Was für ein Fest! Was für ein Abend! Was für ein Leben!“, befand Thomas D.

„Wassertaufe“ statt „Feuertaufe“

Endzeitstimmung passte als Stichwort viel eher zum Vorabend: So viel Regen! Vielleicht hatte die Ouvertüre zu Richard Wagners Oper „Der fliegende Holländer“ die finsteren Wolken auch noch magisch angezogen? Kurzfristig hätte beim Auftakt der Kurpark Classix nämlich tatsächlich ein Geisterschiff anlegen können, in kürzester Zeit gab es auf dem Konzertgelände Sturzbäche. Opernensemble, Sinfonieorchester Aachen und Dirigent Justus Thorau – als kommissarischer Generalmusikdirektor erstmals bei allen Konzerten im Einsatz – kämpften sich tapfer durch einen Abend, der schließlich doch noch einige künstlerische Höhepunkte zu bieten hatte.

Für Thorau wurde die „Feuertaufe“, die eigentlich eine „Wassertaufe“ war, zum aufreibenden Balanceakt. Dann war nach einer Zwangspause wegen des Unwetters auch noch sein Dirigentenstab weg, und alle Zettel wirbelten durcheinander. Das verbliebene Publikum nahm es mit Humor und spendete um so mehr Beifall. „The Dark Side Of Opera“ war das Motto. Welche Dynamik in den Rollen der „Bösen“ stecken, bewiesen Sanja Radiši und Irina Popova sowie Adréana Kraschewski, die ihrer Königin der Nacht kalte Glut gab. Berührend Irina Popova, die „Salomes Schlussgesang“ stimmlich (Richard Strauss ist stets eine Herausforderung) bewegend umsetzte. Sanja Radiši war eine Ulrica aus Verdis „Un ballo in maschera“, die in dämonische Tiefen abtauchte. Stimmschön und sehr präsent auch Woong-jo Choi, der als Mefistofele aus der gleichnamigen Oper von Arrigo Boito mit seinem Bass den Kurpark ausfüllte.

Operhchor und Sinfonischer Chor waren glänzend vorbereitet und sorgten für ein rundes Operngefühl. Insgesamt eine große Leistung mit wunderbar stillen Momenten wie dem Vorspiel zum ersten Akt der Wagner-Oper „Lohengrin“. Thorau ist ein aufmerksamer Orchesterleiter, der sorgfältig auf Feinheiten achtet und dem Klang Raum lässt.

Dass Thorau auch Humor hat, bewies er Sonntagmorgen. Wieder stand Oper auf dem Programm. Diesmal konnten sich Kinder und Erwachsene im nahezu ausverkauften Park über Sonnenschein freuen. „Malte in der Oper“ – die ideale Spielwiese für den erfahrenen und reaktionsschnellen Entertainer Malte Arkona, der zudem mit seiner ausgebildeten Gesangsstimme glänzen durfte – beim Auftrittslied des Papageno staunte so mancher Zuschauer.

Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ stand im Mittelpunkt bei „Classix for Kids“. Tenor Patricia Arroyo stolperte gekonnt als Tamino im blauen Jackett auf die Bühne – auf der Flucht vor einer „bösen Schlange“. Arkona konterte sofort: „Schlange? Die war am Eingang, aber jetzt sind doch alle auf ihren Plätzen!“ Immer wieder gab es kleine lockere Dialoge mit Thorau, ein Liedchen mit Jelena Raki als zierlicher Pamina und als Höhepunkt erneut Adréana Kraschewski, die ihre Arie genauso brillant sang, wie am Abend zuvor bei der Opernnacht.

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