Die Familie zwischen Humor und Horror

Von: Grit Schorn
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Schauer und Schrecken, Wärme
Schauer und Schrecken, Wärme und Zusammenhalt können in einer Familie durchaus eng beieinander liegen: Das beweist die böse Komödie „Genug ist nicht genug” von Nick Walsh im Aachener Grenzlandtheater. Zum Auftakt der Saison spielen unter anderem mit: (von links) Dafne-Maria Fiedler, Sabine Urban, Armin Jung und Frank Voß. Foto: Kerstin Brandt-Heinrichs

Aachen. „Ekel Alfred”, der misanthrope Miesmacher, ersonnen von Wolfgang Menge, und seinerzeit beliebte TV-Lachfigur, scheint bei „Genug ist nicht genug” Pate gestanden zu haben. Die Komödie hatte jetzt eine erfolgreiche Premiere im Aachener Grenzlandtheater.

Beim britischen Autor Nick Walsh, der in Hamburg Germanistik und Anglistik studierte und sein eigenes Stück ins Deutsche übertrug, geht es um Erich, einen hochkarätigen Kotzbrocken, der seine devote Ehefrau immer wieder vergrätzt und verletzt. Warum lässt sich Helga das eigentlich gefallen? Else, Alfreds Angetraute, könnte ihr vielleicht die Antwort geben...

Temporeich von Beginn an

Gleich zu Beginn des tempo- und einfallsreichen Stücks sieht man ellenlange Faxfahnen aus dem Gerät entfleuchen - lauter Absagen zu Erichs Einladung zu seinem Geburtstag. Vor der schön eingedeckten Tafel mokiert sich Erich, Hausherr und Firmenboss, nicht nur über die kurzfristigen Absagen, sondern über Gott und die Welt, Biotonnen und vor allem über sein Weib Helga, das noch in letzten Vorbereitungen und schluffigen Schlappen steckt.

Als Helgas Schwester Evelyn mit dem tollpatschigen Gatten Hagen eintrifft, ist die absurde „Familienaufstellung” nahezu komplett. Slapstick-Szenen mit einem brennenden Hagen, den beiden ungleichen Schwestern und einem weiterhin ätzenden Erich, der sich bald nur noch in „legerer” Kleidung (Bademantel mit Schlips) präsentiert, sind die konsequente Vorbereitung auf das nächste „Naturereignis”, das genau im richtigen Moment eintritt. Die aus den USA angereiste Mama der Schwestern bietet dem sarkastischen Quertreiber Erich gebührend Paroli.

Die flippige Mutter der beiden Schwestern, Hetti im Leopardenlook, die bereits vier Ehemänner „verschlissen” hat, hat ihren fulminanten Auftritt. Hetti wird hinreißend echt verkörpert von der Schauspielerin Renate Fuhrmann, die 37 Jahre zum Ensemble von Schauspiel Köln gehörte und hier alle Register ziehen kann. Selbst der motzige Miesmacher Erich muss sich ihr fügen - lustige Hütchen werden aufgesetzt, die Stimmung steigt, auch Messer werden gewetzt...

Ohne Übertreibungen kommt Frank Voß in seiner dankbaren Rolle als Ekelpaket glänzend an - und immer wieder spürt man auch einige Hintergründe. So auch bei den beiden Schwestern Helga und Evelyn: Dafne-Maria Fiedler ist mit feinen Nuancen eine mehr als glaubhafte Ehefrau, Sabine Urban spielt locker-überzeugend die attraktive Evelyn, die Frau, die Erich sich ursprünglich erkoren hatte. Köstlich und uneitel zeigt sich Armin Jung als ungeschickter, aber liebenswerter Schwager Hagen (Famose Bühnen- und Kostümgestaltung von Manfred Schneider).

Intendant Uwe Brandt, der hier auch Regie führt, hält sein ausgezeichnetes Ensemble gut zusammen und beweist plastisch, dass Horror und Humor keine feindlichen Brüder sind. Familienbande bieten eben alles: Wärme und Zusammenhalt ebenso wie Schauer und Schrecken. Hier mag der Schrecken - ähnlich wie bei Alan Ayckbourns Gesellschaftssatiren - zuweilen schrecken, wird aber von Witz und Situationskomik elegant in Schach gehalten.

Viel verdienter Beifall nach 90 konsequent durchgespielten Theaterminuten. Ein Saisonauftakt nach Maß.

Aufführungen bis zum 27. September

Die Komödie „Genug ist nicht genug” von Nick Walsh wird im Aachener Grenzlandtheater in der Elisen-Galerie täglich bis 15. September gespielt.

Beginn: 20 Uhr.

Ab 16. bis 27. September Aufführungen in Spielstätten der Region. Karten: Tel.: 0241/4746111.

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