„Die Drei von der Tankstelle”: Da staunen die Zuschauer Bauklötze

Von: Jenny Schmetz
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Fünf Bauklötze und etwas Fantasie: Schon tuckern Hans (Werner Bauer, v. l.), Kurt (Alexander Soehnle) und Willy (Martin Kiuntke) im Auto durch die Proben von „Die Drei von der Tankstelle”. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Die Drei von der Tankstelle spielen unterm Kinderbett? Eigentlich meinte man ja, sie in- und auswendig zu kennen: die Geschichte über die drei patenten Jungs, die pleite sind und gemeinsam eine Tankstelle eröffnen.

Dank der berühmten Filmoperette mit Heinz Rühmann aus dem Jahr 1930. Und dank der gerne gezeigten Bühnenversion, die in Aachen zuletzt 1998 am Stadttheater zu sehen war.

Aber nun singen die drei Freunde also im Kinderzimmer, unterm Bett! Regisseur Ulrich Wiggers kennt den Filmklassiker natürlich auch, und eins wollte er ganz sicher nicht: ihn nacherzählen. „Diese naive Story, dieser Humor, diese Frauen- und Männerbilder - so kann man das heute ja nicht mehr ernsthaft verkaufen”, meint er.

Der 55-Jährige wählt eine ganz andere Sicht auf das Stück. Er lässt sich lieber vom intimen Charme des kleinen Aachener Grenzlandtheaters inspirieren und zeigt alles eine Nummer kleiner: Passend zur Weihnachtszeit kündigt er ein „Märchen für Erwachsene” an. In der kleinen Spielzeugwelt unterm Bett tauchen zwar auch Auto und Zapfsäule auf, aber mit Hilfe von ein paar rohen Holzbauklötzen und etwas Fantasie der Zuschauer. Da tollen Igel Mecki, Donald Duck und Kasperle herum - und verwandeln sich in die Freunde Kurt, Hans und Willy, werden sozusagen zu „den Menschen darunter”. Denn um die Menschen in diesem Mikrokosmos geht es Wiggers, um ihre Beziehungen, Freundschaften und (unglücklichen) Lieben. So gesehen sei die Geschichte sehr wohl berührend.

Zwar entstammt die Kinderzimmerwelt erkennbar den 1930er Jahren, aber Weltwirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit oder Nationalsozialismus bleiben draußen vor der Tür. Das Team setzt auf unbeschwerte Unterhaltung. Und steht dazu. „Ich finde es schön, wenn unsere Zuschauer mal zweieinhalb Stunden abschalten können”, sagt Intendant Uwe Brandt. Außerdem hat Ulrich Wiggers kürzlich erst schwere Kost am Grenzlandtheater inszeniert: Nach Thomas Manns „Buddenbrooks” darf es jetzt etwas Leichteres sein.

Die Melodien sorgen für selige Momente

Für selige Momente sorgen ganz besonders die Melodien. Eigentlich meinte man ja, sie in- und auswendig zu kennen: die Musik mit den schön-schmalzigen Ohrwürmern „Ein Freund, ein guter Freund” oder „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen”. Aber Ulrich Wiggers verspricht auch neue Töne. Über das soziale Netzwerk Facebook hat er Kontakt zur Tochter des Komponisten Werner Richard Heymann geknüpft und sie überzeugt, die Partitur um vier Songs ihres Vaters zu ergänzen. Elisabeth Trautwein-Heymann war sogar so angetan, dass sie zur Premiere kommen wird.

Live wird sie die Melodien dann hören: Jeden Abend spielen fünf Musiker Klavier, Schlagzeug, Bass, Violine und Saxofon auf dem Parkdeck. Ja, die Kinderzimmerband(e) sitzt tatsächlich im Parkhaus. Auch das passt unter das bühnenhohe Kinderbett.

Singen und steppen soll das junge achtköpfige Ensemble ausgezeichnet (Musikalische Leitung: Stephan Ohm, Choreographie: Marga Render). Alle sind sie erstmals im Grenzlandtheater zu sehen, alle haben sie eine Musicalausbildung genossen. Allein vier kommen von der Universität der Künste in Berlin, wo Wiggers als Dozent für Szenische Arbeit im Studiengang Musical unterrichtet.

Der Regisseur und Schauspieler hat selbst reichlich Musical-Erfahrungen gesammelt. Vor zehn Jahren lernte er die schmale Bühne in der Elisengalerie als Professor Higgins in „My Fair Lady” kennen und die Nähe zum Publikum schätzen. Daher will er auch weg vom Musical (und seinen Allüren), und hin zum Schauspiel mit toller Musik. Auch da darf es also eine Nummer kleiner sein.
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