Die Disco-Diva in sich entdeckt

Von: Michael Loesl
Letzte Aktualisierung:
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„Ich glaube nicht daran, dass man erst ab einem bestimmten Alter erwachsen ist”, sagt Gabriella Cilmi, gerade mal 19 Jahre alt. Auf ihrem neuen Album „Ten” schwelgt sie in Disco-Zeiten. Foto: Universal

Aachen. Ob es ein Trend wird? Knappe, schnittige Akkorde, die man zuletzt so nörgelig-trotzig von den amerikanischen oder amerikanisierten Epigonen der New-Wave-Ära Anfang der 80er Jahre gehört hat, dominieren wieder die Trendsetter-Clubs.

Das Punk-Verständnis von Blondie trifft dabei allerdings diesmal auf Partymucke, der die New Waver von einst spinnefeind gegenüberstanden - dem schwülstigen Discosound von Giorgio Moroder und dessen Ziehkind Donna Summer.

Prince führt auf seinem neuen Album „20Ten” überraschend elektrisierend zusammen, was damals nicht zusammenfinden wollte. Seine jüngeren Kollegen stehen dem 52-jährigen zumindest im Wunsch nicht nach, es ihm gleich- tun zu wollen. Gabriella Cilmi hat sogar prompt die Disco-Diva in sich entdeckt, wie sie sagt.

Kein typischer Jungstar

Sie hat es sich bequem gemacht in ihrer Wohnung im Londoner Stadtteil Hammersmith. Normalerweise gehören die privaten Gemächer nicht zu den bevorzugten Intervieworten eines Jungstars. Aber zum einen hatte Cilmi keine Lust auf unpersönliche Konferenzräume, zum anderen handelt es sich bei der gebürtigen Australierin nicht um einen typischen Jungstar.

Resolut schleudert sie Sätze durch den Raum, straft die vermutete Fremdbestimmung Lüge und lässt staunen, wenn sie ihre musikhistorischen Kenntnisse in Nebensätzen als Selbstverständlichkeit abtut.

„On A Mission” ist nicht nur der Titel der ersten Single ihres neuen Albums „Ten”. Cilmis kompletter momentaner Lebenssinn lässt sich auf die kurze Formel bringen, die ihrer Auffassung nach zwei Ziele verfolgt. „Es ist doch völlig klar, was ich anstrebe: Die Weltherrschaft in Sachen Popmusik!”

Wow! Geht´s nicht unbescheidener? Sie bricht in schallendes Gelächter aus, betont aber, dass sie die Welt wirklich gerne mit ihrer Musik überziehen würde. Nicht so sehr des Geldes wegen. Schon auch, ganz sicher nicht zuletzt vielleicht wegen des Ruhms, aber vor allem, und dieser Grund umfasst das zweite Ziel ihrer Mission, weil sie die musikalischen Spielarten wieder populär machen will, die viele Gleichaltrige gar nicht kennen würden.

Das sind die geigenverhangenen Disco-Dramen von Chic und deren Protegés Diana Ross und Sister Sledge. Das sind aber auch die melodischen Post-Punk Auffassungen von Popmusik, die Elvis Costello und Joe Jackson Anfang der 80er favorisierten.

Von Letztgenanntem hat sich Cilmi gleich den pulsierenden Beat von dessen größtem Hit „Steppin Out” geklaut, oder freundlicher ausgedrückt, geborgt. „Ha! Ich hätte nicht gedacht, dass mich so viele Leute auf diesen Song ansprechen würden. Es stimmt, ich habe mich unter anderem von Joe Jackson inspirieren lassen, aber klauen würde ich die Ideen anderer Musiker nicht. Dann könnte ich gleich Samples benutzen. Ich will, dass mein neues Album trotz aller unüberhörbarer Verbeugungen wie eine Gabriella-Cilmi-Platte klingt”, stellt sie selbstbewusst fest.

Das ist auf „Ten” unüberhörbar, wenngleich es völlig anders klingt als „Sweet About Me”, der Mega-Hit, mit dem Cilmi in 16 Ländern in die Top Ten ging. Das war beachtlich für eine Newcomerin, aber das sei Schnee von gestern, sagt sie mit ausladender Geste.

Die erwachsene Variante ihres damaligen Teenage-Charakters habe „Ten” gemacht, das Album erst ermöglicht. Ihres damaligen Teenage-Charakters? Gute Güte, sie ist gerade 19 Jahre alt!

Ist es jugendlicher Leichtsinn, der mit ihr durchgeht, wenn sie davon spricht, wie erwachsen sie inzwischen ist? „Ich glaube nicht daran, dass man erst ab einem bestimmten Alter erwachsen ist. Wenn man eigenverantwortlich lebt und arbeitet, dann darf man sich, glaube ich, als erwachsen bezeichnen.

Erfolg kann blenden, aber er kann durch seine Energie auch Seiten aufdecken, die viel weniger oberflächlich sind als Ruhm. Ich habe diese Seiten an mir erkannt und lerne sie mit meinem Wunsch nach Erfolg in Einklang zu bringen. Dadurch fühle ich mich ziemlich groß, auch wenn meine Musik immer etwas Verspieltes haben wird.”
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