Die Bahn kommt wieder nach Würselen

Die Bahn kommt wieder nach Würselen

Von: Nachrichten-Mitarbeiter Arnd Gottschalk
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Würselen (an-o) - Verspätungen sind nichts Ungewöhnliches bei der Bahn - in Würselen kommen die Züge gleich drei Jahre später als geplant. Aber das macht auch nichts mehr, schließlich fuhr der letzte Zug hier 1980.

Die Euregiobahn kommt frühestens 2008 nach Würselen, so AVV-Geschäftsführer Hans Joachim Sistenich. Ursprünglich sollte die letzte Ausbaustufe, die eine Verlängerung von Mariadorf über Merzbrück und Würselen bis in die Aachener Innenstadt vorsieht, schon bis 2005 realisiert werden. Für die Verzögerung seien erhebliche Probleme mit der Landesförderung verantwortlich. Aber, so betont er, "wir stehen zu diesem Projekt". Bei der Leere in den öffentlichen Kassen müsse man mit "Zwischenzuständen" leben.

Durch die Innenstadt

Wenn es denn soweit ist, werden die Züge mitten durch die Innenstadt rollen - und zwar auf der gleichen Trasse, die einst von der Bahnlinie Aachen Nord - Würselen - Jülich genutzt wurde. Von Aachen kommend, führte sie parallel zur Bundesstraße. Weiter geht es östlich des Stadtgartens bis zur Kreuzung mit der Kaiserstraße. Das anschließende Stück zwischen Wilhelm- und Friedrichstraße ist auch heute noch leicht als Bahnstrecke auszumachen. Nördlich schloss sich dann das Bahnhofsgelände an, dessen einstige Größe sich heute kaum noch erahnen lässt.

Würselen war einst Bahnknotenpunkt. Neben der Aachen-Jülicher Strecke führte auch die Bahn von Stolberg nach Kohlscheid durch Würselen. Hinzu kam der Güterverkehr von den Würselener Zechen Teut, Gouley und Königsgrube. Für Dieter Diesinger vom Alsdorfer Bergbaumuseum Grube Anna II war die Linie von Aachen Nord über Würselen nach Jülich "die wichtigste überhaupt im Aachener Revier".

Am 26. September 1875 wurde die Strecke von Würselen nach Hoengen eröffnet, drei Monate später folgte das Stück zwischen Würselen und Aachen. Ab 1882 lag der Endbahnhof an der Jülicher Straße, wo sich die Dampfkesselfabrik Piedboeuf und die Waggonfabrik Talbot befanden. Weitere gute Kunden waren die Zechen in Würselen, Bardenberg und Mariadorf. Zudem nutzten viele Pendler aus dem Aachener Nordkreis die Bahn, um zur Arbeit zu gelangen, schließlich fuhr die Straßenbahn von Alsdorf nach Aachen erstmals 1898. Nach 105 Jahren wurde der Eisenbahnverkehr auf der Strecke Aachen Nord - Jülich im Jahr 1980 eingestellt, die letzten Güterzüge rollten 1983 durch Würselen.

Streit um die Trassenführung

An der Streckenführung in der Innenstadt entzündet sich dann auch der Streit in Würselen. Eigentlich findet Stefan Mix, SPD-Fraktionschef in Würselen, die Idee der Euregiobahn sehr begrüßenswert. Wie gesagt: eigentlich, denn er sieht große Probleme mit der Trassenführung. Mix befürchtet mehr Staus in der Stadtmitte sowie eine größere Belastung durch Lärm und Abgase. Viel sinnvoller wäre es, so der Sozialdemokrat, wenn die Euregiobahn durch das Gewerbegebiet Aachener Kreuz führen würde.

Der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Harald Gerling teilt die Befürchtungen von Mix nicht: "Es gibt kein schnelleres und umweltfreundlicheres Verkehrsmittel als die Bahn", sagt er. Für die Würselener Innenstadt hätte die Anbindung ans Schienennetz viele Vorteile, zumal, wenn die Vernetzung mit den Bussen der Aseag gewährleistet sei. Hans Joachim Sistenich sieht derzeit "keine vernünftigen Alternativen" zu der Streckenführung durch die Innenstadt. Er versicherte im Gespräch mit den "Nachrichten" aber, am Ende werde eine verträgliche Lösung gefunden.

Trasse vorhanden

Bei diesem letzten Abschnitt der Euregiobahn stehen die Betreiber vor den größten Problemen. Zwischen Herzogenrath und Merzbrück ist die Trasse noch vorhanden. Dort muss lediglich Geld für Bahnsteige und Straßenübergänge investiert werden. Zwischen Merzbrück und Aachen liegen keine Schienen mehr. Hinzu kommt, dass die Umgehungsstraße im Norden Würselens über die ehemalige Bahntrasse verläuft, was neue Pläne nötig macht.

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