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Die Ärzte lassen es in Düsseldorf krachen

Von: Bernd Schuknecht
Letzte Aktualisierung:
Auch er wird langsam erwachsen
Auch er wird langsam erwachsen: Farin Urlaub, Frontmann der Ärzte. Foto: Imago/Zwei Kameraden

Düsseldorf. Von Ärztestreiks und Praxisschließungen war in jüngster Vergangenheit öfter mal die Rede, dass allerdings Die Ärzte aufhören wollten, war nie Thema. Zwar hatten sich Farin Urlaub, Bela B. und Rod Gonzàles eine Konzertpause gegönnt, dafür aber mit „auch” ein neues Album vorgelegt.

Offenbar war die Stimmungslage innerhalb des Spaß-Punk-Trios so, dass man sich jetzt mit einem Comeback meinte sich zurückmelden zu müssen. Mit „Wir sind die Besten” zu Konzertbeginn im Düsseldorfer ISS Dome stellen die Berliner mit ihrem ausgeprägten Hang zur Bescheidenheit auch gleich klar, wie sie sich selbst musikalisch einschätzen.

Allerdings bleiben sie den Beweis nicht schuldig. Mit einer Energie, die man eher in ihrer jugendlichen Sturm- und Drangphase verortet hätte, gehen sie frisch ans Werk. Während in der Vergangenheit schon mal das Gefühl aufkam, bei den punk-pop-rockigen Operationen der Ärzte hätte sich im Laufe ihrer über 30-jährigen Karriere bereits zu viel Routine eingeschlichen, so klingt jetzt alles hoch motiviert und ungemein dynamisch. Bela, der Berserker am Stand-Schlagzeug, Farin, der als Gitarrist das Drei-Akkorde-Repertoire weit hinter sich gelassen hat, und Rod, der an Bass, Gitarre und Mikro längst seine Approbation erspielt hat, wirken so eingespielt wie lange nicht. Gemeinsam erzeugen sie einen hochkomprimierten, druckvollen Sound, der keine Lücken offenbart. Die üblichen Frotzeleien untereinander haben nichts mit der Geschlossenheit zu tun, die das Trio musikalisch demonstriert.

Rund 11.000 Fans am ersten von zwei knapp dreistündigen Konzertabenden in Düsseldorf kamen aus dem Jubeln nicht heraus. Vor der Bühne wogte eine Pogo-Welle, bisweilen auch ein ausgelassenes Ringelreihen. Das Repertoire umfasste Klassiker, jüngere Hits wie „Junge” sowie einige Lieder von „auch”. „Ist das noch Punkrock?” fragen Die Ärzte, durchaus mit rhetorischem Unterton. Aber sicher, die Musik ist ironisch und bissig geblieben, ohne sich anzubiedern. Gleichwohl ist sie mit den „Berufsjugendlichen” gereift, klingt schlichtweg erwachsener - und hat auf diese Weise ihre Authentizität bewahrt.
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