Aachen - „Dichterknöpfe”: Erdnah und poetisch zugleich

„Dichterknöpfe”: Erdnah und poetisch zugleich

Von: Grit Schorn
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Nicht museal, sondern musisch in Wort, Ton und Musik: Uwe Böttcher, Anush Manukian, Annette Schmidt und Heribert Leuchter (von links) feiern Sarah Kirsch. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Wer eine weihevolle Dichterlesung erwartet hatte, kam im Ludwig Forum sicher ins Staunen. Vier Aachener Künstler auf einer ungewöhnlichen Bühne mit Ästen und Gesträuch: Das zahlreich erschienene Publikum erlebte einen ganz besonderen Abend.

Denn nicht museal, sondern musisch in Wort, Ton und Musik entfaltete sich mit „Dichterknöpfe” eine reizvolle Uraufführung, die der Lyrikerin und Schriftstellerin Sarah Kirsch zum 75. Geburtstag gewidmet war.

Zwei Musiker, Heribert Leuchter und Uwe Böttcher, und zwei Schauspielerinnen vom Theater K, Annette Schmidt und Anush Manukian (beide auch Regie), führten das kühne Gesamtkunstwerk zu einem mit Ovationen begleiteten Erfolg.

Sarah Kirsch, 1935 als Ingrid Bernstein im Südharz geboren, war als Tochter eines Fernmeldetechnikers gewiss nicht die Poesie in die Wiege gelegt. Doch schon das stets neugierige Kind nahm wohl seine Umwelt intensiver wahr als seine Altersgenossen. So wühlte die Kleine in der Knopfsammlung der Mutter und spielte damit. Einer war dann „der Dichterknopf, die Löcher waren die Augen. So hat das angefangen.”

Verdichtete, metaphorische Sprache ist Kirschs Poesie wie auch ihre Prosa. Einer ihrer berühmtesten Prosabände heißt „Allerlei-Rauh”, aus dem natürlich auch gespielt wurde. Ja, gespielt und nicht vorgetragen werden die Texte, erdnah und doch poetisch losgelöst, alltäglich und doch kritisch bis politisch. Kunstvoll ist diese Sprache, jedoch nie gekünstelt.

Die Lyrik wird zum Lied „umkomponiert” - wunderbar selbstverständlich gesungen von Manukian und Schmidt - die Prosa in musikalischen Assoziationen und Interpretationen gespiegelt von Böttcher (Violine und Kontrabass) und Leuchter (Kompositionen) mit seinen Saxofonen und Mini-Instrumenten.

Wenn dann die Musiker ebenfalls singen und Leuchter in einer silbrigen Regenhaut wie ein Zauberer wirkt, passt das vortrefflich zu Kirschs Selbstironie. Ihre herbe und dennoch magische Sprache wird zu einem sinnlichen Schau-Spiel.

Von manchen zunächst als „etwas sperrig” befunden, kommt am Ende überwältigender Beifall für ein Ereignis, das am 25. Juni im Alsdorfer Energeticon und dann an „besonderen Standorten” in der Region Literatur- und Theaterfreunde begeistern soll.
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