Deutsch-Russischer Museumsdialog mit Aachener Museumsdirektor

Von: Nada Weigelt und Eckhard Hoog
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So hat unsere Zeitung im Jahr 2008 Beutekunst aus dem Aachener Suermondt-Ludwig-Museum auf der Krim vorgefunden: knapp 80 Werke, ausgestellt im Kunstmuseum Simferopol. Die Rückkehr der Bilder nach Aachen gilt als ausgeschlossen. Das Thema Beutekunst beschäftigt ab Montag Experten bei einer Tagung zum Deutsch-Russischen Museumsdialog in Berlin. Anlass ist dessen zehnjähriges Bestehen. Foto: Eckhard Hoog
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Auch er nimmt am Montag und Dienstag an der Festveranstaltung zum Deutsch-Russischen Museumsdialog in Berlin teil: Aachens Museumsdirektor Peter van den Brink. Foto: Andreas Herrmann

Berlin/Aachen. Seit dem spektakulären Fund der Gurlitt-Sammlung in München sorgt der Umgang mit NS-Raubkunst immer wieder für Schlagzeilen. Fast vergessen ist dagegen ein Thema, bei dem es in den Wirren des Kriegsendes ebenfalls um das Schicksal riesiger Kunstschätze ging.

In den Nachfolgestaaten der Sowjetunion lagern immer noch mehr als eine Million Werke, die die Rote Armee nach ihrem Einmarsch in Deutschland als Beutekunst abtransportieren ließ.

Der Deutsch-Russische Museumsdialog, der am Montag und Dienstag (16./17. November) zehn Jahre nach seiner Gründung zu einer Festveranstaltung in Berlin zusammenkommt, wirft jetzt wieder ein Schlaglicht auf das heikle Thema. Die zunächst rein deutsche Initiative hatte sich 2005 gegründet, weil das politische Tauziehen um eine Rückgabe der teils hochkarätigen Schätze seit Jahrzehnten auf der Stelle trat.

Insgesamt hatten die sowjetischen „Trophäenbrigaden“, wie sie offiziell hießen, zwischen 1945 und 1947 mehr als 2,5 Millionen Kulturgüter aus deutschen Museen und Sammlungen in die UdSSR gebracht. Rund 1,5 Millionen Werke gab Moskau in zwei spektakulären Aktionen bis 1958 an die sozialistische Schwester DDR zurück, darunter Glanzstücke wie Raffaels „Sixtinische Madonna“ und der Pergamonaltar, der heute die Hauptattraktion auf der Berliner Museumsinsel ist. Der Rest lagerte irgendwo in russischen Depots.

Von den Verlusten betroffen sind deutschlandweit 87 Museen, darunter auch das Aachener Suermondt-Ludwig-Museum. Knapp 80 Bilder tauchten 2008 auf der Krim auf. 1953 waren sie über verschiedene Stationen nach Simferopol gelangt – am Ende einer langen Odyssee nach der Auslagerung in der Meißener Moritzburg während des Zweiten Weltkriegs. Ein bayrisches Touristenpaar, des Russischen mächtig, entdeckte die Aachener Bilder 2008 völlig überraschend in einer Ausstellung im Museum Simferopol.

Aachens Museumsdirektor Peter van den Brink fliegt am Montag zu der Tagung nach Berlin. Er ist eingeladen, an einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion teilzunehmen: an der Seite von Hermann Parzinger, dem deutschen Sprecher der Museumsdialog-Initiative und Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, sowie der Direktoren der Eremitage St. Petersburg und des Puschkin-Museums Moskau. „Eine große Ehre“, bekennt van den Brink, der die Einladung auch auf seine Erfahrungen bei Verhandlungen mit der Ukraine zurückführt.

Drei Mal reiste er als Mitglied einer deutschen diplomatischen Kommission in die Ukraine, um das Thema Aachener Beutekunst in Kiew mit dem dortigen Kulturministerium zu besprechen. „Und ich bin kein Deutscher“, erklärt der niederländische Kunsthistoriker die Tatsache, weshalb gerade er gern gesehener Gast der Diskussion ist. „Ich bringe keine große Last mit.“ Es soll in dem Gespräch um den künftigen gegenseitigen Umgang zwischen deutschen und russischen Museumskollegen gehen. Van den Brink will die Gelegenheit nutzen, um auch die Aachener Beutekunst in Simferopol anzusprechen. Seitdem die Krim wieder zu Russland gehört, ist nun formal Moskau zuständig und nicht mehr Kiew.

Allerdings sehen die Aussichten, alleine einen Gedanken an deren Wiederkehr nach Aachen zu hegen, jetzt nicht besser aus – im Gegenteil. Moskau nimmt die Zerstörungen von Nazi-Deutschland bis heute als Grund, die Rückgabe von Beutekunst zu verweigern. Das deutsche Kulturgut sei als Kompensation für die Zerstörungen der Wehrmacht zu russischem Eigentum geworden, schrieb die Duma 1998 gesetzlich fest.

Auch die russische Seite beklagt verheerende Verluste – 172 Museen sollen durch Plünderung, Zerstörung oder Raub 1,1 Millionen Kunstwerke verloren haben. Das verschollene Bernsteinzimmer ist das bekannteste Beispiel.

Etwas anderes will der Aachener Museumsdirektor den russischen Kollegen ans Herz legen: Einblick zu gewähren in die Depots. „Man hat bei einigen den Eindruck, sie wissen selbst gar nicht, woher viele Werke in ihren Häusern stammen. Ob sie vielleicht aus Deutschland kommen.“ Um das zu klären, könnte man kollegiale Hilfestellung leisten. Mit Rückgaben rechnet van den Brink ohnehin nicht. „Dann müsste Moskau ja die eigenen Gesetze wieder umschreiben.“

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