Aachen - Der Zuspruch zeigt: Einstand ist gelungen

Der Zuspruch zeigt: Einstand ist gelungen

Von: Eckhard Hoog
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Kann entspannt auf eine erste erfolgreiche Saison am Grenzlandtheater zurückblicken: Intendant Uwe Brandt. Doch in zwei Wochen beginnen schon wieder die Proben zu „Buddenbrooks”. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Seine erste Spielzeit am Aachener Grenzlandtheater neigt sich dem Ende zu, die letzte Produktion „Mondscheintarif”, gerade angelaufen, zeichnet sich bereits jetzt als überwältigender Publikumserfolg ab: Uwe Brandt kann eigentlich ganz entspannt auf seine Debüt-Saison zurückblicken.

Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt er aber auch von Erfahrungen, die ihn durchaus überrascht haben, und solchen, die in die Planung der kommenden Spielzeit schon eingeflossen sind.

Viel Luft zum Atemholen bleibt nicht im quirligen Theaterbetrieb in der Elisen-Galerie: Am 14. Juni starten bereits die Proben zur Auftakt-Inszenierung des neuen Bühnenjahres: „Buddenbrooks” nach dem Roman von Thomas Mann. Der Blick ist also längst wieder nach vorne gerichtet. Gleichwohl hat der Intendant, wie er zugibt, bis zuletzt sehr deutlich gespürt, dass er während der ganzen Spielzeit kritisch beobachtet wurde.

„Das ist kein Geheimnis.” Doch allein der Zuspruch signalisiert, und das merkt er auch von vielen positiven Rückmeldungen: Brandt ist mit seinem gut gemischten Programm bestens angekommen. Das zeigen überdeutlich die insgesamt 80.000 Zuschauer in acht Produktionen und 361 Vorstellungen. Damit konnte die Zahl des erfolgsverwöhnten Hauses voll gehalten werden. Und dass auch 6070 Nachwuchszuschauer im Kinder- und Jugendbereich „Greta”, mehr als doppelt so viele wie ein Jahr zuvor, in 55 Vorstellungen ihren Weg ins „mobile” Grenzlandtheater gefunden haben, darüber freut sich Brandt ganz besonders.

Es gab aber auch negative Reaktionen, wie er zugibt, vereinzelte zwar, aber in ihrer Heftigkeit und Härte für ihn erschreckend und am Rande der Geschmacklosigkeit. „Wir wollen es ja eigentlich so gut wie möglich machen und niemanden vergraulen„, sagt er. Allerdings bei 80 000 Zuschauern es jedem recht zu machen, darüber ist er sich klar: „Das ist eine Utopie.„ Und so verschließt sich Brandt auch keineswegs einer gesunden Selbstkritik und stellt fest, „dass nicht alle Stücke zum richtigen Zeitpunkt„ kamen.

„Ersatzbank„ zum Beispiel brachte nicht den erwarteten Erfolg, ein Stück, das von gescheiterten Lebensträumen auf dem Fußballplatz handelt und dessen tatsächliche Aktualität zwei Wochen später auf unerwartete, brutalste Weise offenbar wurde: als sich der Torwart Robert Enke umbrachte. Doch als zweite Position nach dem „Diener zweier Herren”, in der Regie von Uwe Brandt, der bestens angenommen wurde, war das Publikum auf den Kontrast womöglich nicht vorbereitet.

Für wie hochaktuell sich indessen das Thema der Parabel „Zweifel” von John Patrick Shanley noch in diesem Jahr erweisen würde, das war bei der Spielzeitplanung noch gar nicht vorhersehbar: Kindesmissbrauch. Die Regiearbeit von Dramaturgin Anja Junski setzte in der Saison einen besonders wichtigen, prägenden Akzent. Wie auch Schillers „Maria Stuart”, die für ein ausverkauftes Haus und Zusatzvorstellungen sorgte und von vielen Schülern besucht wurde. Der Klassiker ist und bleibt daher ein wichtiges Standbein im Grenzlandtheater. „Budenbrooks” und Ibsens „Wildente” sind die Konsequenz dieser Erfahrungen für die nächste Saison.

Als attraktives Zusatzangebot hat sich zur Freude des Intendanten das neue Nachmittags-Abonnement herausgestellt, das besonders von den älteren Herrschaften gerne angenommen wird. „Gute Erfahrungen haben wir auch mit dem freien Verkauf gemacht”, das vor allem auch neuen Zuschauern den Theaterbesuch ermöglicht. Die Zusatzveranstaltungen wie der Talk und die Jazzbühne vermittelten zusätzlich ein Bild vom Haus. Beides bringt nicht nur frischen Wind ins Theater, sondern wird damit auch zum Treffpunkt in der Städteregion und trägt zur Identifikation mit dem Haus bei.

Die steigenden Anmeldungen im Förderverein beweisen: Die Neugier aufs Grenzlandtheater und der Zuspruch wachsen kontinuierlich weiter. Buchstäblich „gewinnend” ist die neue Theaterpädagogin Monika Reichle im Einsatz. „Zu den Schulen sind sehr schöne Kontakte entstanden.” Das blegt auch hier die wachsende Zahl von Anfragen.

Und hinter der Bühne regiert ein Teamgeist, der alle inspiriert. Viele neue Gesichter, das spürt Uwe Brandt, sind beim Publikum bestens angekommen, andere, längst liebgewonnene wie Karl Walter Sprungala, der auch nach dem Sommer wieder dabei ist, werden nach wie vor hochgeschätzt. „Die Atmosphäre ist sehr familiär, alle arbeiten gerne hier. Und das spürt man dann auch.”

Die Spielstätten in der Region sind ein Thema für sich. „Die sind zum Teil sehr speziell”, lächelt Brandt. Für die Schauspieler bergen sie so manche Überraschung - wenn sie sich etwa in einem Heizungskeller umziehen oder gegen die Akustik plüschiger Samtwände ankämpfen müssen. Aber das gehört zum typischen Betrieb des Grenzlandtheaters dazu. Brandt sieht es als tollen Auftrag an, in der Städteregion zu spielen und Theater in die umliegenden Orte zu tragen. „Dabei kommt es zu schönen Theaterbegegnungen.” Das Grenzlandtheater wird ganz offensichtlich auch an den Außenspielorten hochgeschätzt.
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