Der Tod naht mit Blindenbrille und kraftvollen Akkorden

Von: Sabine Rother
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Der Schauspieler mit der Gitar
Der Schauspieler mit der Gitarre: Regisseurin Ewa Teilmans setzt in ihrer Inszenierung von „Berlin Alexanderplatz” nach Alfred Döblins Roman auf die Rocker-Qualitäten Karsten Meyers. Foto: Ralf Roeger

Aachen. „Ich bin ein alter RocknRoller”, bekennt Schauspieler Karsten Meyer selbstbewusst. Er hat bereits viele Charaktere auf der Bühne des Aachener Theaters verkörpert, und dieser „Tod”, der mit kraftvollen Akkorden auftritt, ja, das ist für ihn eine besondere Herausforderung, zumal Meyer diesmal nicht samt Band, den White Elephants, spielt, sondern als mystischer Solist im langen Mantel und mit Blindenbrille aus der Tiefe auftaucht.

Genau so wünscht ihn sich Regisseurin Ewa Teilmans in ihrer Inszenierung von „Berlin Alexanderplatz” nach Alfred Döblins Roman. Am Mittwoch um 19 Uhr gibt es die Kostprobe zum Stück im Großen Haus (Eintritt frei), am kommenden Samstag, 2. April, 19.30 Uhr, wird die Premiere sein.

„Der Tod ist allgegenwärtig, im Stück, aber auch in unserem Leben”, sagt die Regisseurin. So entwickelte sie die Idee, mit einem starken Klang eine neue Dimension zu öffnen. „Ich wusste, dass Karsten Meyer Gitarre spielt, so war es gut möglich, diesen Gedanken umzusetzen.” Neben „Satan” und der „Hure Babylon” ist der Tod eine der Charakter-Farben des kämpfenden, verzweifelnden, scheiternden Franz Biberkopf. Warum die Gitarre? „Damit kann man selbst brachiale Gefühle umsetzen, mit einem anderen Instrument wäre das schwieriger”, sagt Ewa Teilmans. Die klassische Partitur oder der auf Notenpapier fixierte Song gelten nicht für „Berlin Alexanderplatz”. Wie Karsten Meyer seine Musik einsetzt? „Ich habe mir überlegt, was an welcher Stelle geeignet ist, wo ich Akkorde oder Melodien spiele”, beschreibt er seinen Part. „Was wann an die Reihe kommt, habe ich im Kopf.”

Da im Stück eine Menge Technik zum Einsatz kommt, kann es sein, dass sich ein Szenenwechsel verzögert oder früher als geprobt anläuft. „Dann muss ich improvisieren, aber das macht Spaß, eine Herausforderung, auf die ich schon lange gewartet habe.”

Als 17-Jähriger gründete Meyer seine erste Schüler-Band - das war in Ostberlin. „Klar liebten wir Rockmusik, aber Rock und Punk waren damals verboten, das konnten wir nur heimlich spielen, zum Beispiel in der Kirche.” Eine Karriere als Musiker? „Unter den Augen der Zensur nicht denkbar, und diese weichgespülten Sachen mochten wir überhaupt nicht.”

Mit der Veranstaltungsreihe „Instant Music” im Mörgens des Theaters fand sich vor zwei Jahren die unerwartete Chance, das rockige Talent einzusetzen. Ergebnis waren die White Elephants und schließlich ihre erste CD, die Theaterbesucher übrigens vor Ort erwerben können.

Auf der Bühne darf Meyer bei „Berlin Alexanderplatz” nicht nur an seine Musik denken. „Natürlich muss der Text sitzen und ich muss gut reagieren”, betont er, der alles live spielt - allerdings auf einer geliehenen Gitarre. „Sie stammt von unserem Bassisten”, gesteht der Schauspieler. Sein eigenes Instrument, eine 45 Jahre alte „Migma”, möchte er lieber schonen. „Sie ist eine Kostbarkeit, und beim Bühnenstress kann schnell ein Kratzer entstehen......”
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