Aachen - „Der talentierte Mr. Ripley“: Wenn der stille Tom zum Mörder wird

„Der talentierte Mr. Ripley“: Wenn der stille Tom zum Mörder wird

Von: Sabine Rother
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Er triumphiert, aber die anderen sehen es nicht: Fabian Goedecke (vorn) ist Titelheld im Stück „Der talentierte Mr. Ripley“, im Hintergrund (v. r.) Nika Wanderer, Martin Krah und Max Hemmersdorfer. Foto: Kerstin Brandt

Aachen. Er steht einfach nur da, einer, der sich unter den blöden Witzen und spöttischen Blicken der anderen duckt und verkrampft. Sein Groll wächst, der Druck steigt wie in einem Dampfkochtopf, dann kommt es zur Explosion – er mordet.

Mit dem Kriminalstück „Der talentierte Mr. Ripley“ nach dem Roman von Patricia High-smith, inszeniert von Catharina Fillers, hat das Grenzlandtheater Aachen die Saison 2017/2018 im frisch sanierten Haus eröffnet.

Das Foyer, bei dem die Wände noch auf den endgültigen Anstrich warten, strahlt bereits in neuem Licht, metallisch, modern und hell der neue Kassen- und Garderobenbereich, bequem die Sessel, stylisch die dunkel gestaltete Rückwand mit den feinen Lichtlinien im Zuschauerraum. Passend dazu hat Manfred Schneider (auch Kostüme) ein klar strukturiertes, raffiniertes Bühnenbild geschaffen. Wie zwei große Bilderrahmen sind die Spielflächen gestaltet, dazwischen eine Art Graben, in dem Requisiten schnell verschwinden können oder die Akteure im imaginären Meer herumplanschen.

Das Stück ist verzwickt. Das Psychogramm eines Täters, eines Menschen, der aus Neid und Schwäche mordet und dabei aufblüht. Tom Ripley wird vom Vater seines ehemaligen Studienkollegen Dickie Greenleaf gebeten, den Sohn, der in Italien das süße Nichtstun als Künstler lebt, nach Hause zu holen. Papi zahlt alles, Tom hat nichts – außer dem übersteigerten Gefühl, dass ihm ein großes Stück vom Kuchen der reichen Müßiggänger zusteht, dass er viel mehr kann als alle, dabei aber verachtet und verhöhnt wird.

Catharina Fillers lenkt ihre vier Akteure in eine virtuose Choreographie der unaufhaltsamen Ereignisse. Das Stück – ohne Pause – nimmt Fahrt auf, bleibt spannend bis zum Schluss. Fabian Goedecke ist Tom, ein nach außen hin unsicherer, eher schüchterner jüngerer Mann. Blick von unten, verschämtes Lächeln, Hängeschultern, bräunlicher Anzug, ein bisschen zu groß. Er setzt diese Rolle eindrucksvoll um, die zunehmende Aggression, aber auch den „Klick“ im Kopf, die zündende Idee, den Funken, der zum Verbrechen auflodert. Man sieht es ihm an. Wenn er mordet, ist man tatsächlich erschrocken über Vehemenz und schäumende Wut.

Martin Krah als Dandy-Dickie und Nika Wanderer als unbeschwerte Freundin Marge sind gute Partner. Krah, der in seinen Allüren manchmal an Falco erinnert, ist ein lässiger Typ. Man schaut ihm fasziniert zu und spürt ganz genau, wie sehr er Tom kränkt, mit ihm spielt, sogar homoerotisch herumschmust und den „armen Jungen“ dann fallen lässt.

Tom schlüpft nach dem Mord nicht nur in die Rolle des Toten, er zieht auch dessen Kleider an, spricht wie er, alles läuft hautnah ab. Goedecke ist als Tom Ripley blitzschnell. Dass es manchmal knapp wird, erregt ihn, lässt ihn noch wacher werden. Nika Wanderer bleibt die klare, aber naive Beobachterin, ein nettes Mädchen eben. Man ist froh, dass sie davonkommt. Nun taucht noch Max Hemmersdorfer als köstlich gespielter Freddie auf, einer, der es mit den Schönen und Reichen hält, ein Schlawiner, der genau weiß, wie das Gesellschaftsspielchen geht. Aber in Tom, den er verlacht und bloßstellt, täuscht sogar er sich. Und muss es büßen.

Catharina Fillers berührt mit enger Menschenführung, irgendwann kann man die drei Männer kaum noch auseinanderhalten. Spielerisch leicht wie das Genussleben in Italien bieten die luftigen Aquarelle auf dem Bühnenhintergrund ein Gegengewicht zum düsteren Verbrechen. Mal Rom mit Kolosseum, mal das Meer, luftig hingetupft, eine schöne Idee, die zudem die 50er Jahre als Erzählzeit unterstreichen. Insgesamt eine flotte Inszenierung mit scharfen Zwischentönen, in den Charakteren gut gearbeitet. Begeisterter Applaus des Premierenpublikums.

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