Der Magier unter den Künstlern

Von: Eckhard Hoog
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Einer der Shootingstars der Szene: Alwin Lay zeigt im Neuen Aachener Kunstverein bis zum 12. Juli Fotos und Videos von magischen oder imaginären, immer ironischen Inszenierungen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Eine zähe, bläuliche Flüssigkeit fließt in einem langen Faden aus einem Röhrchen herab und sammelt sich auf der quadratischen Fläche eines Sockels. In Erwartung, dass die Brühe gleich über dessen Kanten hinausschlabbert – ist man verblüfft: Die Flüssigkeit stoppt exakt an den Enden des Quadrats und steigt auf wie in einem gläsernen Gefäß – das es aber gar nicht gibt. Alwin Lay stammt aus Rumänien, kam bereits als Kind nach Deutschland und lebt heute in Köln. Der 31-Jährige ist der Magier unter den Künstlern. 2014 gewann er das mit 10 000 Euro dotierte Max-Ernst-Stipendium der Stadt Brühl.

Der Neue Aachener Kunstverein (NAK), namentlich Ben Kaufmann, stellt ihn jetzt in seinen Räumen an der Passstraße im Stadtpark mit einer Ausstellung vor.

Es ist natürlich ein Film, mit dem Lay das Zauberkunststückchen vorführt. Inszenierung, Täuschung und die gezielte Zerstörung von Erwartungen – das gehört zu seinem künstlerischen Konzept. Das Handwerk lernte er an der Freien Kunstakademie Essen, an der Kunsthochschule für Medien Köln und an der Kunstakademie Düsseldorf.

Avantgarde produziert nur Staub

Das Vorderrad eines Mercedes dreht auf weißem Boden derart durch, dass es nur so qualmt – in einem weiteren Film, versteht sich. Von Zeit zu Zeit kommen zwei Hände mit Schaufel und Handfeger ins Bild und fegen Staub weg. „Heckantrieb Avantgarde“ lautet der Titel des Videos, das eine unmögliche Situation darstellt.

Ein Auto dieser Marke hat nämlich gar keinen Vorderantrieb, wie es die Inszenierung weismachen will. Wer dann noch im Hinterkopf hat, dass „Avantgarde“ bei dem Autotyp einmal die Bezeichnung für die höchste Ausstattungsqualität war, versteht die Ironie: Die Avantgarde tritt auf der Stelle, produziert aber dennoch laufend irgendwas – nichts als Staub. Ein Bild für die vermeintliche Kunstavantgarde, die den Markt bedient, aber nicht mehr über sich selbst hinauskommt.

Großartig verspricht ein Plakat mit dem Filmtitel „Outbreak“ und einer wüstenhaften Landschaftsszenerie, auf die ein Beobachter, vielleicht ein Tourist, seinen Fotoapparat richtet, verheißungsvolles Kino. Eine lange Latte an Namen benennt die Mitwirkenden.

Allein: Den Film dazu gibt es gar nicht, das Plakat ist reine Fiktion, und die Namen gehören zu den Mitarbeitern des NAK, die diese Ausstellung mit vorbereitet haben. Und das Männlein kommt einem irgendwie bekannt vor. Könnte das nicht eine der berühmten Rückenfiguren von Caspar David Friedrich sein?

Wer sich auf das irritierende Spiel zwischen Täuschung, Attrappe und Wahrnehmung einlassen mag: Die Eröffnung ist heute um 19 Uhr. Dauer der Ausstellung: bis 12. Juli. Geöffnet: Di.-So. 14-18 Uhr.

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