„Der kleine Ritter Trenk“ im Theater Aachen enttäuscht

Von: Eckhard Hoog
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Der Wagen soll der Drache sein: „Der kleine Ritter Trenk“, ein Familienstück für Menschen ab fünf Jahren, im Theater Aachen. Foto: Marie-Luise Manthei
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Sie spielen den kleinen Ritter Trenk und seine Freundin Thekla: Jonathan Schimmer und Luana Bellinghausen. Foto: Marie-Luise Manthei

Aachen. Schade auch! Aber auf Dauer musste es ja mal so kommen: Das Qualitätsniveau der weihnachtlichen Familienstücke im Theater Aachen lag seit Jahren derart hoch, das man sich ernsthaft fragte, wie lange das wohl zu halten sei. Jetzt ist der Einbruch eingetreten.

„Der kleine Ritter Trenk“ hält bei weitem handwerklich nicht das, was versprochen wird: „Eine abenteuerliche Rittergeschichte über Freundschaft, Träume und den Mut, die Regeln zu ändern . . .“

Schwaches Bühnenbild

Und nun im Einzelnen: Die Handlung besteht aus unmotiviert aufeinanderfolgenden Passagen; der rote Faden wird immer wieder durch szenische Einschübe, die das Stück auf spielbare 75 Minuten hochschrauben, zerschnitten. Die Geschichte von Trenk (Jonathan Schimmer), dem Bauernsohn, der so gerne Ritter sein will, um den eingekerkerten leibeigenen Vater zu befreien, verliert sich in Nebensächlichem. Tricknummern eines Gauklers (Thomas Hamm), dem Trenk immer wieder mal begegnet, rücken in den Mittelpunkt: Der schluckt schon mal ein Schwert, was die kleinen Zuschauer denn auch tatsächlich beeindruckt, oder einem Kandidaten werden Messer in den mit einem Kasten überstülpten Kopf gestoßen. Was der Mann natürlich wunderbarerweise überlebt.

Das Bühnenbild (Birgit Klötzer) besteht aus nichts als einem Marketenderwagen, der ebenso als Bauernhaus herhalten muss wie als Marktstand und am Ende selbst sogar als Drache – eine Kiste als Kopf, zwei rote Birnen als Augen. Immerhin – die Umbauten signalisieren: Wir sind nur in einem Theater. Selten wurde dem Publikum des Familienstücks so viel Fantasie abverlangt. Wenn Trenk mit seinem Ferkelchen (Nadine Kiesewalter) durch den Wald schleicht, dann müssen sie an dem einzigen Bäumchen auf der Bühne, das sich in einem grünen Pott befindet, und einem Schlagzeug vorbei, das da auch noch rumsteht. Die Darsteller schrammeln sich immer wieder mal eins auf dem einen oder anderen Instrument. Links auf der Bühne verbirgt sich ein Musiker hinter einem zur Kiste gezimmerten Schlagwerk.

Und die Kostüme (Dennis Ennen)? Hörbar fragen die Kleinen: „Das soll ein Schweinchen sein?“ Die Zweifel sind berechtigt – Nadine Kiesewalter sieht in ihrem Taftröckchen und dem grauen Kapuzenpullover eher wie ein Punkgirl aus, wären oben nicht noch rosa Mauseöhrchen angenäht.

Und so liegen die Schauplätze – Wald, Ritterturnierplatz, Stadt, Schloss – in einem schwarzen Nichts rund um das Wägelchen, rotierend auf der Drehbühne. Weniger ist eben doch nicht immer mehr.

Die Inszenierung (Hanna Müller): Erzählpassagen müssen immer wieder den roten Faden einigermaßen zusammenhalten, von wechselnden Darstellern direkt ins Publikum gesprochen. Selbst die Dialoge machen da keine Ausnahme. Die Schauspieler sehen sich nicht einmal an.

Trenk wird Ritter. Wie das passiert? Er tauscht mal eben die Klamotten mit einer wimmernden Rittertype namens Zink (Luana Bellinghausen). Fertig. Motive, was den Bauernsohn am Kettenhemd so fasziniert, gehen unter. Szenische Möglichkeiten eines Ritterturniers und Trenks Übungen in der Ritterschule verschwimmen in albernem Klamauk.

Das größte Handicap: Acht Darsteller spielen in 75 Minuten 35 Rollen! Da verliert selbst der erfahrenen Theaterbesucher den Überblick. Gerade noch wird Trenks Vater (Torsten Borm), gefesselt mit einem dicken Seil, abgeführt, da taucht er hinter dem Wagen schon wieder auf. Und als Marktfrau kann sich der Darsteller auch nicht verleugnen – das Gesicht ist unverkennbar. Nadine Kiesewalter, eben noch Schweinchen, zieht sich mal eben den Protzfummel über die Schultern – schon ist sie die Fürstin. Das muss man als Theaterneuling doch erst mal verkraften. Als schneidige Fürstin ist Nadine Kiesewalter jedenfalls besser als das Ferkelchen.

Jonathan Schimmer, Luana Bellinghausen, Nadine Kiesewalter, Elke Borkenstein, Thomas Hamm, Marco Wohlwend, Torsten Borm und Bernd Keul mühen sich redlich in ihren vielen Rollen. Das Premierenpublikum – fast ausschließlich Schulklassen – klatschte wie gewohnt überschwenglich Beifall. Die Schauspieler indessen verschwanden auffällig schnell wieder von der Bühne.

Das Theater Aachen empfiehlt das Stück für Menschen ab fünf Jahren.

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