Der Klang einsamer Nächte: Mobys neues Album „Destroyed”

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
Moby
Mobys neues Album „Destroyed” ist eine Sammlung von Momentaufnahmen eines schlaflosen Künstlers, die doch ein harmonisches Ganzes ergibt. Dazu gibt es auch noch einen Bildband des Elektronikstars.

Aachen. Es ist der Klang einsamer Nächte, der nun Mobys Tag erhellt. Es ist der Sound eines Wachseins, wenn andere schlafen, den Richard Melville Hall aufgenommen hat, während er von Schlaflosigkeit befallen in leeren Hotelzimmern, halbleeren Flughafenhallen und mehr oder weniger vollen Flugzeugen saß, lag, stand, nachdachte und nächtlich tagträumte.

„Ich liebe es, in leeren Städten zu sein, wenn alle schlafen”, sagt er. „Destroyed” heißt das neue neunte Album des umtriebigen Kreativkopfs. Und es ist nicht zu viel versprochen, es als weiteres Meisterwerk zu bezeichnen, denn Moby fügt Momentaufnahmen seiner vorigen Tournee zu einem betörend harmonischen und nahtlos vorantreibenden Elektronikalbum zusammen. Man könnte die neuen Songs dabei sphärisch nennen. Man könnte sie als eindringlich bezeichnen. Man muss sie aber in jedem Fall als berührend empfinden. Und genau das ist die große Gabe des Künstlers. Moby elektrisiert den Hörer, ohne dass der es erklären kann.

Eigentlich war alles anders, als Moby die Idee entwickelte, seine Tournee mit dem Vorsatz anzugehen, ein Album mit den Auftritten wachsen zu lassen. Er wollte akustisch mit der Gitarre einspielen. Schließlich spielt er die doch seit 35 Jahren. Und hatte das Instrument doch mehr und mehr links liegen lassen. Das war ihm nicht mehr recht. Doch dann hörte Moby diese alten elektronischen Songs. DAF zum Beispiel. Oder Heaven 17. So was eben. „Und das erinnerte mich daran, wie sehr ich diese analoge elektronische Musik liebe. Und ich wollte daraufhin unbedingt ein altes, analoges, elektronisches Album machen”, erzählt er. Vielleicht war auch dieser Gedanke nur eine Momentaufnahme. Aber eine für die Ewigkeit. Denn Moby schrieb seine Songs fortan mit Pro Tools und alten Synthesizern, bevor er sie nach der Tour in New York mit altem Equipment schliff. Auch sie sind ein Produkt der Nacht. „Normalerweise kaufe ich alte Drum-Maschinen bei Ebay, wenn ich nachts wach bin und mich nicht auf Spaziergänge durch leere Städte begebe. Ich habe wohl die weltweit größte Kollektion.”

In einer elektronischen Welt der Soundtüftler, der Bis-zum-geht-nicht-mehr-Ausproduzierer sind Mobys Momentaufnahmen wohltuender Widerpart. Sein Spiel mit Erwartungen und Interpretationen beeindruckt. Wer in den Titel „Destroyed” zerstörerische Motive interpretiert, dem hört Moby zu, stimmt zu, dass so eine Tour immer auch zerstörerisch sei, und erzählt dann, dass auch der Titel nur eine Momentaufnahme sei. Er lief durch den New Yorker Flughafen La Guardia und entdeckte eine Leuchtschrift, die besagte, dass „Unbeaufsichtigtes Gepäck zerstört werde”. Die Leuchtschrift war so schmal, dass sie immer nur ein Wort anzeigte. Also auch „zerstört” - „destroyed”.

Moby, dessen Onkel für die New York Times fotografierte, hielt diesen Moment im Bild fest und wählte ihn als Cover für das Album. „Ich habe den Titel nicht erfunden, mir gefiel das Motiv”, sagt er. Und während er mit seiner Musik dazu das emotionale Bild einsamer Nächte zeichnete, visualisierte er die Eindrücke seiner Tour mit der Kamera. So gibt es nicht nur das Album „Destroyed”, sondern auch den Bildband (im italienischen Kunstverlag „Damiani”).

Da zeigt Moby Bilder, die so reich an Leere sind und immer wieder Bezüge zu seiner Musik aufbauen. „Ich denke, das Album ist emotionaler, aber immer wieder ergeben beide zusammen Sinn”, sagt der fotografierende Musiker. Denn das bleibt er. Und es gibt viele Ideen, von denen er erzählt. Punkmusik mit Vatican Commandos etwa. Nach dem Klang einsamer Nächte hört sich dieses Projekt nicht an.
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