Aachen - Der Graf: „Das hat nichts mit der Hölle gemein”

Der Graf: „Das hat nichts mit der Hölle gemein”

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Sein Privatleben ist tabu für die Öffentlichkeit, doch so viel immerhin ist bekannt: Der Graf, Frontmann der Erfolgs-Band Unheilig, ist nach eigener Aussage ein „Aachener Junge”. Foto: Stock/Star-Media

Aachen. Nein, adelig ist Der Graf nicht. Vielmehr hat er Hörgeräteakkustiker gelernt, um sich die Musikkarriere zu finanzieren. Und er kommt aus Aachen, wurde hier geboren, ging hier zur Schule. Das alles ist bekannt, sein Name, sein Alter nicht - alles Spekulation.

Das geheimnisvolle Dasein ist dem Erfolg seiner Band „Unheilig” sicher nicht abträglich. Mit dem Album „Große Freiheit” führt Unheilig mit düster-melodischem Synthierock in dieser Woche die deutschen Albumcharts an. Das Konzert am 17. April im Kölner Palladium ist - wie andere Termine der Tour - bereits ausverkauft, für den 14. Mai ist am selben Ort ein Zusatztermin angesagt.

Unser Redakteur Thorsten Karbach hat Den Grafen ausfindig gemacht und mit ihm gesprochen.

Der Graf thront an der Spitze der Charts. Ist es dort gemütlich?

Der Graf: Das ist schon der Hammer. Als Musiker träumt man immer von solch einer Platzierung, nun muss ich das erst einmal realisieren. Es ist in jedem Fall eine schöne Bestätigung für den Weg, den ich seit zehn Jahren gehe. Aber ich werde dadurch kein anderer Mensch.

Aber was für ein Mensch ist der Graf denn? Nicht einmal Ihr Name ist bekannt.

Der Graf: Ich hieß in den Medien schon einmal Günter, nun Bernd Heinrich Graf. Doch egal ob Kai, Franz oder Günter: Ich will mein Privatleben aus der Öffentlichkeit halten. Ich bin in den 70er Jahren geborenen und habe in den 80ern die Musik entdeckt. Das muss reichen.

Bleiben wir aber bei der Namensfrage. Unheilig heißt Ihre Band. Was steckt dahinter?

Der Graf: In Unheilig steckt meine ganze Gläubigkeit. Ich glaube an und bete zu Gott, ich glaube an Engel und an das Paradies. Aber ich habe keine Religion, keine bestimmte Kirche. Ich bin da trotzig, bezeichne mich als religionsfrei. Und wenn du so eine Einstellung hast, dann wirst du von den Kirchen schnell als unheilig eingeordnet. Das hat nichts mit der Hölle oder dem Teufel gemein. Aber ich spiele natürlich mit dieser Mystik in meinem Erscheinungsbild - und halte auch so mein Privatleben aus der Öffentlichkeit. Der Graf macht eben die Musik und baut um sich eine Grenze auf.

Was ist Dem Grafen überhaupt heilig?

Der Graf: Meine Familie. Mein soziales Netz. Alles, was mich auffängt. Durch den Erfolg verbringe ich nun mehr Zeit in Hotels aber ich freue mich immer wieder darauf, zuhause in Aachen zu übernachten. Ich bin ein Aachener Junge.

Der mit „Geboren um zu leben” einen tiefen Einblick in seine Seele gibt...

Der Graf: „Geboren um zu leben” ist der Nachfolger von „An deiner Seite”. Dieses Lied habe für einen Freund geschrieben, der im Sterben lag. Wenn ich Lieder schreibe, dann handeln Sie immer von dem, was mich bewegt. Mit „An deiner Seite” habe ich wiederum viele Menschen bewegt, und ich wollte mit diesem Nachfolger aufzeigen, dass es weiter geht. Trauer ist wichtig, aber es muss auch einen Abschluss geben. Es geht immer weiter.

Unheilig ist im ganz großen Musikgeschäft angekommen. Bleibt in dieser Maschinerie überhaupt noch Platz für diese Gefühle?

Der Graf: Wenn man in dieser Maschinerie steckt, dann kommt sie einem nicht so extrem vor. Aber ich habe auch den Vorteil, dass ich seit zehn Jahren Musik mache, weiß, wo ich her komme. Die Musik ist neben meiner Familie das zweite Heilige in meinem Leben. Ich freue mich immer, wenn ich mich in mein Studio oder das Privatleben zurückziehen kann. Am Küchentisch klatscht morgens keiner, wenn du „Guten Morgen” sagst und einen Kaffee trinkst.

Hat Sie keine Angst verbrannt zu werden?

Der Graf: Unheilig hat immer noch die eigene kleine Plattenfirma, und damit behält sich die Band immer das letzte Wort. Es hängt also an mir selbst, ob ich verbrannt werde oder nicht.

Aber die Zahl der Verpflichtungen steigt. Als Nummer 1 müssen Sie doch präsent sein.

Der Graf: Ich freue mich auf die Zeit der Touren und Festivals. Aber auch unsere Tour ist so geplant, dass wir nach drei, vier Konzerttagen immer eine Ruhephase einlegen. Das wollen wir auch im Erfolg nicht ändern. Dann würden wir uns selbst verbrennen. Aachen ist für mich in dieser Zeit immer so eine Art Tankstelle - die muss ich regelmäßig anfahren.
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