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Der einsame Star und die Last des Lebens

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
Elisabeth Ebeling spielt die H
Elisabeth Ebeling spielt die Hauptrolle in „So oder so - Hildegard Knef”. Das Stück hatte am Samstag in den Kammerspielen des Theaters Aachen Premiere. Foro: Marie-Luise Manthei

Aachen. Ihr angstvoller Blick ist in die Ferne gerichtet. Die Gräuel von Krieg und Not werden sie immer wieder einholen, kämpferische Energie, tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit, grenzenlose Einsamkeit und ein lebenslang niedergekämpftes Gefühl der Schwäche gehen von dieser Frau aus.

Elisabeth Ebeling verkörpert im Stück „So oder so - Hildegard Knef”, das am Wochenende in den Kammerspielen des Theaters Aachen Premiere hatte, die Titelrolle der Schauspielerin, Chansonsängerin und Autorin, die 2002 im Alter von 76 Jahren starb. An Klavier und Gitarre agiert Malcolm Kemp, der die musikalische Leitung der Inszenierung hat und sich als versierter Partner der Schauspielerin erweist. Stefan Rogge führt Regie.

Es ist mutig, dieser Legende und extrem komplexen Persönlichkeit ein Gesicht zu geben. Kann das gelingen? Elisabeth Ebeling hat Ausstrahlung. Wenn sie die Bühne betritt, beherrscht sie den kargen Raum. Ein einfacher Garderobentisch mit vier Stühlen steht da. Ganz nebenbei greift „die Knef” zum Glas, zu Aspirin, zur Beruhigungstablette - Anspielung auf all ihre Süchte und Krankheiten. Und sie raucht lange elegante Zigaretten, trägt den hellen Hosenanzug mit Bundfalten, dazu den hellen Trenchcoat im Stil einer Marlene Dietrich, Hut und Sonnenbrille. Die Accessoires stimmen.

Elisabeth Ebeling will und kann keine Kopie sein. Sie schlüpft zwar in die Gedanken und Gefühle der Künstlerin, bleibt aber gleichzeitig in respektvoller Distanz zum Original. Und wer Imitationen - etwa in den Gesangsnummern - erwartet, wird sich auf die schlichte Art einstellen müssen, mit der Elisabeth Ebeling sehr geradeaus diese Chansons singt - den lakonischen Unterton, die Verletzlichkeit und den Schmerz unerfüllter Wünsche vermittelt allerdings auch sie ihrem Publikum.

Die Wechselbäder dieses Lebens zwischen Aufstieg und Absturz haben den Menschen Hildegard Knef geprägt. Die in Ulm geborene Tochter eines Tabakkaufmanns kam schon mit acht Jahren nach Berlin und blieb dieser Stadt, wo man ihr 2010 auf dem Boulevard der Stars zugestand, tief verbunden. Sie hatte einen eisernen Willen, und den spürt man bei jeder Geste von Elisabet Ebeling. Sie philosophiert über großes und kleines Glück, geht mit ihren Mitmenschen ins Gericht und verbirgt nicht, was sie antreibt: die Selbstdarstellung. Gute Recherchen prägen den authentischen und interessanten Sprechtext.

Malcolm Kemp ist nicht nur ein musikalisch versierter und charmanter Begleiter mit solistischen Qualitäten, er soll vermutlich auch die Amerika-Zeit der Knef mit amerikanischen Anweisungen signalisieren. Eigentlich verzichtbar. Elisabeth Ebeling bleibt aufrecht, eine Dame in jeder Bewegung. Und das Publikum hat sie fest im Blick. Wenn Sie im zweiten Teil mit schwarzem Knef-Abendkleid auf die Bühne tritt und ihr „Eins und eins, das macht zwei” intoniert, ist der gesangliche Ausdruck intensiver als zu Beginn.

Regisseur Rogge ist es gelungen, in 80 Minuten ein bewegendes Lebensbild zu schaffen. Für den Zuschauer wäre es von Vorteil, sich vor dem Theaterbesuch über Hildegard Knef zu informieren, damit Anspielungen besser verstanden werden. Der Einstieg ins Stück ist zu lang geraten. „Aber schön war es doch” singt schließlich Elisabeth Ebeling, und man hört die Tränen der Knef in ihrer Stimme. Eine beeindruckende Leistung, zwei Zugaben und donnernder Applaus.

Aufführungen in der nächsten Zeit

„So oder so - Hildegard Knef”, Kammerspiele Aachen, Beginn 20 Uhr.Termine: 11., 25. und 29. Oktober, 5., 23. und 30. November

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