Freizeittipps

David Garrett: Mauerfall war „ein Wegweiser für Europa”

Von: Michael Loesl
Letzte Aktualisierung:
Ganz oben: Star-Geiger David G
Ganz oben: Star-Geiger David Garrett. Auf seinem neuen Album verbindet der Aachener zwei seiner musikalischen Leidenschaften - Rockmusik und Klassik. Foto: Philipp Mueller

Aachen. Den Fall der Berliner Mauer vor 21 Jahren erlebte David Garrett als Zehnjähriger mit seinen Eltern und seinem älteren Bruder daheim in Aachen vor dem Fernseher, wie er sich erinnert. „Als Kind konnte ich die Tragweite des Ganzen nicht einschätzen.

Aber anhand der Reaktionen meiner Familie merkte ich, dass es ein historischer Tag war. Jetzt, zwei Jahrzehnte später, weiß ich, dass es ein großer Tag war. Nicht nur für Deutschland, sondern für ganz Europa. Der Mauerfall war ein Wegweiser für die Europäische Union, für das Zusammenwachsen von Europa. Auch die Grenzen der Armut sind in gewisser Weise gefallen.”

Mauern einreißen, Grenzen überschreiten - das ist auch das musikalische Credo des 30-Jährigen. Sein eigentliches Standbein, die klassische Musik, spielte der Violinist schon in seiner Kindheit erfolgreich. Seit ein paar Jahren wirbt er ein neues Publikum für die klassische Musik an. Noch erfolgreicher.

Der ehemalige Itzhak-Perlman-Schüler hat das Aussehen, die Qualitätsansprüche und den musikalischen Panoramablick, um den Begriff „Crossover” von dessem schlechten Image befreien zu können. Zwar konstatiert er, dass man Grenzen erst anerkennen muss, um sie überwinden zu können, aber „Crossover” stellt für ihn eine Chance dar. „Ich suche Qualität in der Musik, egal in welcher Spielart. Ich mag Künstler, die eine Wertigkeit haben, weil sie eine Aussage treffen. Crossover ist eine wunderbare Nische, um Leute rüberzuholen. Jeder, der zu meinen klassischen Konzerten kommt, sieht ein ganz anderes Publikum als früher. Das spricht für den Crossover.”

Der neue grenzüberschreitende Coup des Klassik-Geigers, der weltweit mit renommierten Orchestern auftritt, heißt „Rock Symphonies”, ist gleichzeitig als CD und DVD erhältlich und verbindet zwei seiner musikalischen Leidenschaften: Rockmusik und Klassik.

Ein bisschen martialisch präsentiert sich der Aachener auf dem Coverfoto, für das er die Geige wie eine Art Waffe in der Hand hält, während er mit verwegen lüsternem Blick lockt. So wie man Verwegenheit im „Twilight”-Jahr 2010 versteht - mit Föhnfrisur und Totenkopfringen an den Fingern. „Ich finde, man sollte das, was auf der CD ist, auch immer ein bisschen auf dem Cover widerspiegeln. Sonst kauft man ja die Katze im Sack.”

Mit dem Orchester der Stadt Prag nahm Garrett „eine Art Liebesbrief an seine Lieblingsbands aus dem Rocksektor” auf. Dazu zählen unter anderem Nirvana, Guns N’ Roses, Metallica und U2. Was sich einfach liest, war mit enormem Arbeitsaufwand verbunden. Es brauchte Zeit, bis er eine Rocknummer so hinbekam, dass sie auch mit klassischen Zutaten funktionierte.

„Ich wollte nicht einfach nur Cover-Songs aus den Rocknummern machen. Das geht schnell, ist aber langweilig. Mir war wichtig, dass im Kern immer noch die Essenz da ist, wenn ich einen Rocksong für die Geige adaptierte. Auf der anderen Seite musste auch etwas Neues in dem Stück stecken. Ich arrangiere Stücke vor dem Hintergrund meiner klassischen Ausbildung neu.”

Während Led Zeppelins „Kashmir” im Original schon eine perfekte Vorlage für Garretts Arrangement-Ideen bot, überrascht er mit U2s „Vertigo”, dem er Vivaldis „Vier Jahreszeiten” zufügte. Im Grunde könnte er seinem neuen Album zig weitere mit der gleichen Rezeptur folgen lassen, weil der Fundus an Rocknummern unendlich scheint. Aber der platindekorierte Violinist winkt ab. „Rock Symphonies Teil zwei rauszubringen, wäre mir zu langweilig, und Langeweile in diesem Beruf darf nicht sein. Ich bin auch zu ehrgeizig, um eine Nummer zwei des aktuellen Projekts rauszuhauen.”

Und warum spielt er zur Abwechslung nicht mal wieder ein Heimspiel in Aachen? „Ich mache meine Tourpläne nicht selbst, aber ich glaube einfach, dass Aachen diesmal nicht in den Tourplan passte. Ich schätze aber, dass wir in den nächsten Jahren sicher wieder was in Aachen machen werden. Ich spiele immer wieder gerne in Aachen.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert