Köln - David Garrett: Eine Show wie ein gigantischer Videoclip

David Garrett: Eine Show wie ein gigantischer Videoclip

Von: Armin Kaumanns
Letzte Aktualisierung:
Spiel mit dem Image: David Gar
Spiel mit dem Image: David Garrett in Köln. Foto: Thomas Brill

Köln. Auch André Rieu ist ein Gute-Laune-Geiger, der mit großem Brimborium unbeschwerte Stunden fernab von Alltag und Sorgen verkauft. Im Gegensatz zum Maastrichter Rieu jedoch muss der in Aachen geborene David Garrett nicht auf die Schmalztube drücken.

Schließlich ist er halb so alt und lebt inzwischen in New York. Das sieht man gleich: offene Boots, Klunker an Fingern und Kettchen um Hals und Handgelenk, Dreitagebart und zum Zopf gebändigtes Haar. Trotzdem: Auch Garrett stilisiert sich als Schwiegermuttertraum, wenngleich der 32-Jährige mit seiner Mischung aus Schüchternheit und böser Bube auch die weibliche Bevölkerung jenseits der Teenie-Generation unmittelbar erotisiert. Zu erleben auf seiner „Rock Anthems”-Tour in der restlos ausverkauften Arena Köln.

Als der rote Vorhang fällt, vibrieren die Bässe, auf der riesigen Leinwand erobert eine digitale Wucherblume neuen Lebensraum und taucht die Szene aus Sinfonieorchester, Band und Go-Go-Girls in warmes Licht. Irgendwo in all diesem Reize-Überfluss wimmert eine Geige, soft und fetzig zugleich. Und dann ist David Garrett auf dem vorderen Podium angekommen. Allgemeines Entzücken.

Der Auftritt ist ein gigantischer Videoclip. Projektoren beamen in perfekter Abstimmung auf die Musik nicht nur schöne Muster auf die Leinwand, sondern erzählen ganz eigene Geschichten, in denen vor allem Garrett im Mittelpunkt steht. Bei der Version von „Yesterday” ist ein Poesiealbum mit Baby- und Jugendfotos der Familie Garrett zu sehen. Das passt zu dem Image, das Garrett seinen Fans präsentiert: Er will der Junge aus der Provinz sein, der mit seiner Geige in der großen weiten Welt herumkommt, ein tolles Leben hat, aber bei allem Spaß einsam ist. Heute hat er viele Freunde, vor allem seine Band und die vielen Kumpels, aber was ist, wenn der Erfolg mal ausbleibt?

Die Musik ist knackig. Beatles, Bon Jovi, Beethoven - die Mischung aus Rock und Pop mit einer Prise Jazz und Klassik kommt gut. Die Musiker sind - wie Garrett selbst - Spitzenkönner. Und als sich die Geige mal eine Pause gönnt, dröhnt richtig harter Sound durch die Boxen, weil eine E-Gitarre eben doch natürlicher rocken und jaulen kann. Garrett hat die alten Lieder mitgebracht, vergisst auch seine just erschienene Platte „music” nicht, die im Foyer weggeht wie warme Semmeln. Immer aber erzählt er diese so banalen Geschichten aus seinem Leben: wie sein Auto abgeschleppt wurde; wie er einen Mann traf, der auch David Garret heißt; wie auf dem Flug nach Australien sein Geburtstag ausfiel: wegen der Datumsgrenze. Nach jedem Stück. Und dann setzt er noch eine langbeinige Schöne aus dem Publikum neben sich auf die Couch und geigt ihr eins, während die junge Frau sich mehr und mehr an ihn kuschelt.

Gegen Ende darf Garrett sogar fliegen: am Seil schwebt er geigend übers Parkett. Dazu rotieren wieder die Scheinwerfer und die Hüften der Girls. Garrett über alles.



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