Aachen - David Garrett bei den Kurpark Classix: Großes musikalisches Feuerwerk

David Garrett bei den Kurpark Classix: Großes musikalisches Feuerwerk

Von: Sabine Rother
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Das Aachener Sinfonieorchester im Rücken: David Garrett begeisterte am Sonntagabend die Zuschauer bei den Kurpark Classix. Der 37-Jährige blickt bereits auf eine 25-jährige Bühnenerfahrung zurück. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Atemlose Stille. Nach dem stürmischen Begrüßungsapplaus für Star-Geiger David Garrett hört man von den etwa 4500 Menschen auf der Tribüne und den bis zum letzten Stehplatz ausgebuchten Wiesenhängen nichts mehr. Sie lauschen, schauen und werden nicht enttäuscht.

Mit der „Last Night“ finden die Kurpark Classix Aachen ihren Abschluss. Justus Thorau, kommissarischer Generalmusikdirektor, und das Sinfonieorchester sind gut vorbereitet, denn es gilt, dem Publikum noch vor Tschaikowskis berühmtem und einzigem Violinkonzert D-Dur op. 35 zwei weitere anspruchsvolle Tondichtungen zu servieren. Thorau ist ein eleganter Plauderer, er nimmt die Zuhörer mit in die spannende Welt Modest Mussorgskis (1839-1881), der in der Tondichtung „Eine Nacht auf dem kahlen Berg“ ein gewaltiges, filmreifes Tongemälde zeichnet. Dunkle Gestalten treffen sich zum Tanz.

Da hört man die sausenden Hexenbesen in den schirrenden Geigen, das Gepolter der schwerfälligen Trolle, schließlich den Auftritt des Ober-Satans, der mit mächtigen Schlägen auf das „Tamtam“, dem großen chinesischen Metallgong, eingeleitet wird. Endlich das feine Glockengeläut von der Dorfkirche: Das mag die höllische Versammlung nicht, himmlische Harfenmusik vertreibt die finsteren Mächte. Das alles kommt musikalisch „plastisch“ zum Ausdruck.

Zu „Romeo & Julia“, Suite Nr. 2 op 64d von Sergej Prokofjew gibt es wieder anrührende Geschichten, mächtige Motive, Liebe und Tod. Das Orchester arbeitet kraftvoll und differenziert, Thorau bleibt aufmerksam und konsequent, von der Fehde der Familien Montague-Capulet über eine durch die Noten „hüpfende“ kleine Julia bis zum frommen, etwas schläfrigen „Pater Lorenzo“.

Dann endlich der mit Spannung erwartete Star, der am Montag übrigens seinen 37. Geburtstag feierte. David Garrett – lässig, weißes Shirt, dunkles Jackett, graue Hose, Stiefel – betritt die Bühne und wird euphorisch begrüßt. Lächelnd stellt er sich neben das Dirigentenpult, das Konzert beginnt, Garrett geht in Positur, Schrittstellung, stabil, zugleich beweglich.

Mit den ersten Takten taucht er ganz tief ein in Tschaikowskis gefeiertes und von vielen Virtuosen gefürchtetes Werk. Keine Frage, Garrett meistert sowohl technisch als auch gestalterisch sämtliche Facetten als reifer Virtuose mit einer spürbaren Freude für Details. Kraftvolle „Striche“, leise tastende Sequenzen, weiche Melancholie und heftiger Sturm der Gefühle – Garrett lässt seine Geige singen und seufzen, entlockt dem Instrument immer wieder Erstaunliches, sorgt dafür, dass die Pulsfrequenzen steigen.

Dabei ist er dem Spiel mit kontrollierter Leidenschaft hingegeben, in den Pausen ein Lauschender, der dem Orchester, das ihm ein zuverlässiger Partner ist, aufmerksam folgt – die Geige unter den Arm geklemmt. Als Tschaikowskis Werk 1881 in Wien und 1882 in Moskau uraufgeführt wurde, war es umstritten – zu heftig, extrem schwierig, unspielbar. Dass selbst für einen Könner wie Garrett das Violinkonzert kein Spaziergang ist, bestätigt er selbst. Seit Kindertagen begleite ihn dieses Werk. „Ich muss es bis heute üben“, gesteht er.

Applaus und Bravos, niemand will ihn von der Bühne lassen – und unvorbereitet ist er nicht. Da gibt es noch einen virtuosen Gruß vom Teufelsgeiger Niccolò Paganini. In dessen Miniatur „Der Carneval von Venedig“ hat er ein neapolitanisches Volkslied aufgegriffen, das man als „Mein Hut, der hat drei Ecken kennt“. Die Variationen haben es in sich, und Garrett zeigt Spaß daran.

Die zweite Zugabe ist eine Verbeugung vor Michael Jackson: „Smooth Criminal“, kurz, knapp, genial. Garretts Bekenntnis zum Crossover und sein Abschied. Nach dem musikalischen Feuerwerk erhalten die Pyrotechniker das Startsignal. Am Himmel steigen die funkelnden Fontänen auf, während das Sinfonieorchester Händels „Feuerwerksmusik“ beisteuert. Die nächsten Kurpark Classix finden vom 31. August bis 2. September 2018 statt.

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