Das Tetzlaff Quartett im Krönungssaal des Aachener Rathauses

Von: Thomas Beaujean
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Das Tetzlaff Quartett im Krönungssaal des Aachener Rathauses: Das Publikum war von dem Konzert begeistert. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Zwei dicke musikalische Brocken mutete das Tezlaff Quartett bei seinem Auftritt in der Accordate-Reihe im Krönungssaal des Aachener Rathauses dem Publikum zu. Mit Franz Schuberts Quartett Nr. 15 G-Dur und Ludwig van Beethovens Quartett Nr. 13 B-Dur präsentierte es die jeweils letzten Aussagen der beiden Komponisten auf dem Gebiet des Streichquartettes und damit Werke, die sowohl vom Inhaltlichen wie von der schlichten Dauer alles sprengen, was vorher in diesem Genre geschaffen wurde.

Das war für das Publikum schwere Kost, deren Genuss durch die Art und Weise des Vortags nicht gerade erleichtert wurde. Der auch als Solist zur Weltspitze gehörende Geiger Christian Tetzlaff und die drei Damen Elisabeth Kuffner, Violine, Hanna Weinmeister, Viola, und Tanja Tetzlaff, Violoncello, setzten bei der Interpretation des Schubert-Quartetts allzu einseitig auf die scharfe Herausarbeitung der der Komposition ohnehin innewohnenden Brüche und Kontraste, mit denen Schubert die Grenzen des Formalen und der Harmonik seiner Zeit auslotete.

In der Wiedergabe wurde nahezu jedes Piano zu einem dreifachen Pianissimo, die dramatischen Kontraste zu forcierten, klanglich wenig schönen Ausbrüchen. Die auch in diesem Werk vorhandene typisch Schuberte_SSRqsche Melodik wie etwa im Trio des Scherzos wurde dermaßen heruntergekühlt, dass auch niemand der Hörer auf die Idee kommen sollte, diese Stellen schön zu finden und zu genießen. Das ist eine allzu einseitige Sicht auf diese Musik, die dem Komponisten nicht gerecht wird. Dass sich das alles auf einem spieltechnisch enorm hohen Level abspielte, verdient bei solch eminenten Musikern kaum der Erwähnung.

Bei Beethovens sechssätzigem Quartett mit der großen Fuge op. 133 als Abschluss wirkte sich diese verkopfte, bisweilen maniriert wirkende Art des Musizierens nicht so negativ aus wie bei Schubert. Dennoch gab es auch hier kaum einen Augenblick des natürlichen Fließens der Musik, eines organischen Atmens, die dem Hörer erlaubte, sich von der Schönheit des musikalischen Gedankens berühren zu lassen. Und so blieb selbst die Wiedergabe der wundervollen Cavatina, die Beethoven nach seinen eigenen Worten „unter Tränen“ geschrieben haben soll, relativ kühl.

Am Ende – wie immer – große Begeisterung und stehende Ovationen.

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