Aachen - Das Publikum ist bereits restlos überzeugt

Das Publikum ist bereits restlos überzeugt

Von: Pedro Obiera
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Sie wurden beim zweiten Sinfon
Sie wurden beim zweiten Sinfoniekonzert im Aachener Eurogress mit wahren Ovationen bedacht: der amerikanische Dirigent Kazem Abdullah, der sich als Nachfolgekandidat für GMD Marcus R. Bosch vorstellte, und der 19-jährige Zauberpianist Kit Armstrong, der kurzfristig für die erkrankte Olga Scheps eingesprungen war. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Standing Ovations und spontaner Beifall des Orchesters sprechen für sich: Kazem Abdullah hat sich zum Auftakt des Duells der Kandidaten um die Nachfolge von Marcus R. Bosch als Generalmusikdirektor des Aachener Sinfonieorchesters bestens geschlagen.

Im restlos ausverkauften Eurogress konnte Abdullah im Rahmen des 2. Sinfoniekonzerts mit einer rundum gelungenen Interpretation der Symphonie in d-Moll von César Franck punkten.

Dabei bestätigten sich die Qualitäten, die er bereits bei seinem ersten Aachener Auftritt vor fast genau einem Jahr erkennen ließ. Abdullah entfaltet einen überaus farbigen und leuchtkräftigen Orchesterklang mit faszinierenden Schattierungen und breitet eine weite dynamische Palette von echten, tragfähigen Pianissimi zu satten, voluminösen Fortissimi aus. Sowohl den Gesamtklang als auch die vielen solistischen Beiträge trimmt Abdullah auf erlesene Klangschönheit.

Mit Schwung und Elan

Die vielen heiklen Tempowechsel in der Franck-Symphonie steuert er schlüssig, wobei er auch hier starke, dabei nie künstlich aufgesetzte Kontraste bevorzugt. Die getragenen Teile nimmt Abdullah sehr breit, die vorwärtsdrängenden Passagen mit Schwung und Elan. Das alles wirkt wie aus einem Guss und lässt vorzügliche Kenntnisse der Partitur, aber auch viel Erfahrung im Umgang mit einem Orchester erkennen.
Seine vielfältigen Tätigkeiten an amerikanischen Wirkungsstätten, unter anderem als Assistent von James Levine an der New Yorker Metropolitan Opera, scheinen Früchte zu tragen. Gute Voraussetzungen, um auch ein ungeliebtes, aber alltägliches Problem ohne Panik lösen zu können: kurzfristige Besetzungsänderungen. Die vorgesehene Solistin Olga Scheps ist erkrankt, und ganz kurzfristig sprang mit dem 19-jährigen Pianisten Kit Armstrong eines der größten Nachwuchstalente unserer Zeit ein. Frédéric Chopins 1. Klavierkonzert erfuhr durch den jungen Amerikaner eine ebenso technisch brillante wie poesievoll sensible Interpretation auf hohem pianis-
tischem Niveau.

Die langen, ausdrucksvollen Kantilenen kamen ebenso zu ihrem Recht wie die virtuosen, blitzsauber funkelnden Arabesken. Allerdings sollte sich Armstrong vor manieriert übertriebenen Tempodehnungen hüten, was einigen wenigen Passagen des Werks einen sentimentalen Anstrich verlieh und zu leichten Kollisionen mit Abdullahs insgesamt strafferer Gangart führte. Eine Straffheit, die die Musik um ein Stück ihrer poetischen Zerbrechlichkeit brachte.
Schade, dass das Programm mit Chopin und César Franck ein wenig einseitig romantisch ausgerichtet war. Beethovens "Egmont"-Ouvertüre ist zu kurz, um Abdullahs Verständnis von der Wiener Klassik aussagekräftig belegen zu können.

Er favorisierte auch hier ein sattes, volles Klangbild mit breit entfalteten Eingangsakkorden. Die forsche Phrasierung und das schlankere Klangideal historisch orientierter Interpreten scheint Kazem Abdullah nicht anzustreben.

Fazit: Der Abend zeigte, dass Kazem Abdullah in der Lage ist, den von Bosch eingeschlagenen Erfolgskurs des Orchesters fortzuführen, auch wenn wir nur wenig oder gar nichts über den Umgang des Dirigenten mit der klassischen und modernen Literatur erfahren konnten.
Mit der Symphonie von César Franck gelang ihm auf jeden Fall ein kleines Meisterstück, mit dem er sowohl das Publikum als auch das Orchester restlos überzeugen konnte.

Runde zwei im November mit Enrico Delamboye

In die Runde zwei des Kandidaten-Duells steigt am 13. November (18 Uhr) und am 14. November (20 Uhr) mit Enrico Delamboye der zweite GMD-Aspirant ein.

Auf dem Programm des Konzerts im Aachener Eurogress stehen Beethovens Ouvertüre, zu „Coriolan”, das Chopin-Klavierkonzert Nr. 2 f-Moll op. 21 und Rachmaninows Sinfonie Nr. 2 e-Moll op. 27.

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