Eupen - „Das Kreuz der Verlobten“: Das Wetter ist die Hauptperson

„Das Kreuz der Verlobten“: Das Wetter ist die Hauptperson

Von: Pedro Obiera
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„Das Kreuz der Verlobten“ im Alten Schlachthof Eupen: Marie (Estelle Lefort) und FranÇois (Jean Bermes), die Verlobten, erwarten ihren Tod im Schneesturm. Foto: Peter Ortmann

Eupen. Bemerkenswert, was der junge belgische Komponist Christian Klinkenberg mit seinem ebenso jungen Team auf die Beine stellte. Eine zeitgenössische Oper ohne Unterstützung etablierter Theater zur Uraufführung zu bringen, das allein schon verdient Respekt.

Erst recht, wenn das Ergebnis so erfreulich ausfällt wie die Uraufführung von Klinkenbergs Kammeroper „Das Kreuz der Verlobten“ im zwei Mal ausverkauften Kulturzentrum Alter Schlachthof in seiner Geburtsstadt Eupen.

Ungewöhnlich an dem 80-minütigen Projekt ist die Bindung der Handlung an ein regionales Ereignis, das sich 1871 im Hohen Venn zutrug, als zwei Verliebte auf dem Weg zum Hochzeits-Aufgebot in der tückischen Moorlandschaft einem Schneesturm zum Opfer fielen. Ungewöhnlich auch der Versuch Klinkenbergs, auf eine traditionelle Partitur zu verzichten und den zehn Musikern des „Ensembles 88“ und seines eigenen „Orchestras“ statt Noten farbige Bilder des Malers Mark Kirschvink auf Tablets vorzulegen, die zwar das Improvisationstalent der Musiker anregen, in ihrer abstrakten Gestaltung jedoch noch größere Freiheitsräume bieten als man es von früheren grafischen Notationsversuchen im Umfeld von Cage her kennt. Das bedeutet, dass auf Kosten der Spontaneität die Präzision des Zusammenspiels erschwert wird. Dass es dem Dirigenten Bart Bouckaert dennoch gelang, den Orchesterpart zusammenzuhalten, spricht für die Versiertheit der Künstler.

Nicole Erbe zeichnet für das Libretto und die Regie verantwortlich. Den schlichten Handlungskern erweitert sie mit einem großen, hochvirtuosen Auftritt des personifizierten Wetters in Gestalt einer engelsgleich weißen weiblichen Lichtgestalt, die sich am Ende allerdings unerbittlich zeigt. Das „Wetter“ ergeht sich in ausgedehnten Dialogen mit den beiden Opfern, die allerdings angesichts der hohen Tonlage wenig verständlich bleiben und das sich anbahnende Ende zu lange hinauszögern. Daran ändert auch die glänzende vokale und szenische Darstellung durch die Sopranistin Irmke von Schlichting nichts, die sich von den Schwierigkeiten der Partie nicht in Verlegenheit bringen lässt. Eine Überarbeitung wäre hier sinnvoll.

Detailliertes Libretto

Detailliert geht die Librettistin auch auf die wachsende Zuneigung des Liebespaars und die Sorgen von Maries Bruder ein. Gespielt wird in der pragmatischen Ausstattung von Ann Gontarek ohne Requisiten mit raffinierten Lichteffekten, schlichten Kostümen und einem riesigen weißen Laken, das der Wetter-Allegorie als eindrucksvolles Gewand dient, sich letztlich jedoch als Leichentuch entpuppt. Ein einfacher, aber pointierter Einfall.

Die schwierigen Gesangspartien sind bei den jungen Solisten bestens aufgehoben. Dem Niveau von Irmke von Schlichting entsprechen die Leistungen der Sopranistin Estelle Lefort als liebende Marie und des Bass-Baritons Jean Bermes als deren Geliebter François. An seine Grenzen stößt der Tenor Giancarlo Paola als Maries Bruder Lambert.

Viel Beifall für ein gelungenes Experiment, das Klinkenberg und seine Crew zu weiteren Taten ermuntern sollte.

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