Das Krafttraining mit Kraftklub

Von: Susanne Schramm
Letzte Aktualisierung:
Kraftklub-Frontmann Felix Brum
Kraftklub-Frontmann Felix Brummer hat viele gute Ideen, um die wogende Masse der Zuhörer ins Konzert einzubeziehen. Foto: Thomas Brill

Köln. Gängiges Vorurteil: Wer aus Chemnitz kommt, der arbeitet entweder im Call-Center oder macht eine Band auf. Felix Brummer, Karl Schumann, Till Brummer, Steffen Israel und Max Marschk haben sich für die zweite Option entschieden. Und das ist gut so.

Bester Beweis dafür: das Konzert Samstagabend in der Live Music Hall. Nach 90 Minuten Fitnesstraining mit Kraftklub sind 1200 Menschen richtig schön ausgepowert.

So ausdauernd, wie Frontmann Felix die Fangemeinde auf Trab hält, könnte er als Trainer anheuern. Schon vor der Veröffentlichung ihres Debütalbums „Mit K”, das gleich von Null auf Eins in die deutschen Charts einstieg, befanden sich die fünf Sachsen auf dem Senkrechtkurs. Facebook und Touren mit „Fettes Brot”, den „Beatsteaks” und Hip Hopper Casper machtens möglich. Und ein Lied, das zum Megaphon für all die wurde, deren Brillen nicht cool, sondern retro sind, die gerade kein Projekt haben und bei denen caffé latte mit Sojamilch grundsätzlich Ekel auslöst. Zum Start erklingt ein Hildegard-Knef-Intro „Ich will nicht nach Berlin”.

„Jupp” und „Randale”

Mit „Ritalin”, „Juppe” oder „Randale” gibt es die volle Powerpackung, dazwischen immer mal wieder eine erfrischende Wasserdusche und Anleitungen zum nicht mehr ganz so unglücklich sein: „Wenn du mich küsst, dann ist die Welt ein bisschen weniger sch . . .”.

Statt Fußball-Rivalitäten zu schüren, propagiert der Mann am Mikro Zusammengehörigkeitsgefühle: „Für heute Abend kommen wir alle aus Karl-Marx-Stadt.” Für die Combo ist Chemnitz genauso Panne wie in die Disco zu gehen, in die Indie-Schublade gepackt oder mit „The Hives” verglichen zu werden. Obwohl der Kraftklub-Look mit den College-Jacken und den schmalen roten Hosenträgern über weißen Polo-Shirts das durchaus nahe legt. Der hohe Spaßfaktor in Verbindung mit der rasant drehenden Musik, Texten, die Tatsachen in simple, trotzdem sprachgewandte Worte fassen, und einem Händchen dafür, Fans glücklich zu machen: „Alle reden so viel vom illegalen Download, unsere EP gehört uns und hiermit habt ihr die Erlaubnis, sie euch runter zu laden.” Ehe Brummer „Kein Liebeslied” anstimmt, dem Winter eine klare Absage erteilt und sich in die tobende, wogende Menge vor der Bühne schmeißt, bleibt noch Zeit, die Konzertbesucher dazu aufzufordern, sich auf den Hallenboden zu setzen.

Auch das gelingt. Fast kollektiv mit nur wenigen Ausreißern und ganz ohne Kraftakt. Montagabend gibt es in der Live Music Hall ein zweites Konzert mit „Kraftklub”. Es ist ausverkauft.
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