Das große Rauschen an der perfekten Oberfläche

Von: Thorsten Karbach
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Wahrhaft bombastisch: die laserunterstützte, perfekte Bühnenshow der britischen Rockband Muse in der Lanxess-Arena. Foto: Thomas Brill

Köln. Bei Muse ist Musik Design oder Design Musik. Ihre Show in Köln ist mehr als ein Rockkonzert -es ist glitzernde Aktionskunst.

Das Lied vom Tod war der Anfang vom Ende. Aber nur von diesem Ende - dem des Konzertes. Bassist Christopher Wolstenholme hatte die Mundharmonika zwischen den Zähnen, blies wie der Cowboy im Western die Melodie, die natürlich im rasanten Gitarrenritt der „Knights of Cydonia” mündete und in all dem, was Muse einen weiteren Abend lang bis zur Perfektion trieben.

Rauschende Gitarren, eingängige Melodien und die minutiöse Visualisierung ihrer Musik. Es ist hypnotischer Bombast. Oder bombastische Hypnose. Ganz wie man will. Muse inszenieren ihre Musik zwischen Bühnenhochhäusern und gewaltigen Projektionsflächen, sie blinken, blitzen, glitzern und doch ist alles so stimmig, egal ob bei „Starlight”, „Time Is Running Out” oder den neuen „Uprising” und „Resistance”, nie erdrückt die Show die Musik, und nie rückt die Musik die Show aus dem Blickfeld. Sänger Matthew Bellamy, Wolstenholme und Schlagzeuger Dominic Howard erschaffen auf ihrer Resistance-Tour mehr als eine Konzertreihe, mehr als Musik, mehr als Show. Es ist eine Art Aktionskunst, diese 100 Minuten Musikvisualisierung in der Kölner Lanxess-Arena. Ein Bekenntnis, dass Musik immer auch Design ist, Oder Design Musik.

Doch der Absturz naht. Das hat Bellamy in einem Interview gesagt. Er meinte, Muse könne nicht ewig wachsen, die Band werde irgendwann in ihrer Größe scheitern - „The Resistance” wurde in seiner Erscheinungswoche so oft abgerufen, wie kein anderer Song. Muse ist offensichtlich die Rockband des digitalisierten Zeitalters. Die Band hat sich binnen zehn Jahren und fünf Studioalben enorm entwickelt, die Fallhöhe ist gewaltig. Irgendwann könne es nicht so weiter gehen, sagt Matthew Bellamy. Traurig geschaut hat er dabei nicht. Eher geheimnisvoll.

Muse ist eben nicht die Band der großen Gefühle. Die drei Briten berühren nicht. Ihre Musik ist für Ohren und Augen bestimmt, sie berauscht, dringt aber nicht bis in die Seele. Vielleicht ist so ein Muse-Konzert in all seinen Inszenierung sogar oberflächlich. Aber wenn es so sein sollte, dann ist diese Oberfläche, von einer faszinierenden Schönheit -und Perfektion.
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