Das Da Theater fragt mit Shakespeare nach Liebe und Identität

Von: Hermann-Josef Delonge
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Irrungen, Wirrungen: Jan Westphal, Marc-Andree Bartelt, Lisa-Marie Seidel und Wolfgang Kramer (hinten von links) sowie Malte Sachtleben, Lina Kmiecik und Regina Winter (vorne von links) in Shakespeares „Was ihr wollt“ auf Burg Frankenberg. Foto: Achim Bieler

Aachen. Am Ende steht der Narr allein da, geprügelt und bespuckt. Er, der in diesem Chaos aus Irrungen und Wirrungen, aus Lügen und Verwechslungen als Einziger die „Wahrheit“ kannte, der glaubte, die Strippen ziehen zu können.

Der aber selbst ein doppeltes, ein böses Spiel spielte. Malte Sachtleben greift in dieser Situation wieder zur Gitarre und singt das Publikum auf Burg Frankenberg direkt an (Musik: Christoph Eisenburger, Liedtexte: Achim Bieler). Die Moral von der Geschicht': Liebe und Ehe, das macht die Menschen kirre. Was man so singt, wenn man von allen verlassen ist.

Dieser Narr, wie Sachtleben ihn in der Open-Air-Inszenierung des Aachener Das Da Theaters von „Was ihr wollt“ spielt, ist eine typische Shakespeare-Figur: verschlagen, mitfühlend, lüstern, liebend, materialistisch, philosophisch – ganz und gar Mensch. Regisseur Tom Hirtz hat gemeinsam mit Dramaturg Achim Bieler kräftig Hand angelegt und auf Basis der Schlegel-Übersetzung eine auf gut 75 Minuten gekürzte Version des Stücks geschaffen, die sich auf die Haupthandlung konzentriert. Ein Risiko, das nicht ganz aufgeht.

Denn vom Witz geht einiges verloren, wenn Trunkenbolde wie Andreas von Bleichenwang und Tobias von Rülps unter den Tisch fallen – viel zu lachen gibt es in diesem Jahr nicht auf der Das-Da-Burg. Und dass die Figuren nur wenig Gelegenheit erhalten, sich nachhaltig zu entwickeln, hinterlässt Fragezeichen. Schwupps, schon ist Viola, die Schiffbrüchige in Männerkleidern (zwischen Verzweiflung, Härte und Sehnsucht: Lisa-Marie Seidel), für Herzog Orsino (Marc-Andree Bartelt als liebestoller, nicht sonderlich heller Beau) entflammt – warum eigentlich? Schwupps, schon begehrt wiederum Olivia, die streng trauernde Gräfin (tiefschwarz gekleidet, aber mit loderndem Herzen: Lina Kmiecik), die zu Orsinos Liebesboten Cesario mutierte Viola. Ein Begehren, das sie später mit deren Zwillingsbruder Sebastian (nur zu gerne und stets bereit: Jan Westphal) munter auslebt. Niemand ist der, der er zu sein scheint. Alles Trugbilder, alles Lüge.

Bühne und Kostüme von Frank Rommerskirchen und Nadine Dupont sind possierlich-kitschig (wir sind halt in Illyrien) – was in einem schönen Gegensatz steht zu der Härte, mit der hier gefochten wird. Dabei tut sich Olivias Zofe Maria (sinnenfroh und mit vollem Körpereinsatz: Regina Winter) hervor, die dem überheblichen Haushofmeister Malvolio (eine strenge Beamtenseele, die auch nur geliebt werden will: Wolfgang Kramer) so übel mitspielt, dass der sich nicht nur zum Narren macht, sondern auch dem Wahnsinn nahe ist.

Dem Ensemble merkt man den Willen, nach vorne zu spielen, und die Energie, die dafür investiert wird, in jeder Sekunde an. Aber genau diese Energie verpufft so manches Mal. Kräftiger, kein euphorischer Beifall.

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