Das Brahms-Requiem im vollbesetzten Dom

Von: Pedro Obiera
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Das Sinfonieorchester, Sinfonischer Chor und Opernchor interpretierten das Brahms-Requiem im Dom. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Was Geistliche Musik angeht, muss man Generalmusikdirektor Kazem Abdullah bescheinigen, dass von seinen Interpretationen eine größere spirituelle Kraft ausgeht als von den sportlich forschen Darbietungen seines Vorgängers Marcus Bosch.

Abdullahs Mozart-Konzert vor vier Jahren gehört zu den besten Leistungen des Dirigenten, die in Erinnerung bleiben werden.

Der transparente Klang Mozarts, den Abdullah damals perfekt ausleuchtete, kollidiert freilich weit weniger mit den akustischen Bedingungen des Aachener Doms als der größer besetzter Werke wie Johannes Brahms‘ „Ein Deutsches Requiem“, das jetzt so viele Musikfreunde in den Dom lockte, dass kein Stuhl unbesetzt geblieben ist.

Der zarte, warm getönte, dynamisch zurückhaltende Kopfsatz war von inspirierter Intensität erfüllt, wobei auch die von Elena Pierini sorgfältig einstudierten Chöre – der Sinfonische Chor und der Opernchor Aachen – tonschön, entspannt und wortverständlich agierten. Allerdings verdickte sich der Klang von Satz zu Satz, der dynamische Grundpegel stieg an, Intonationsschwankungen im Zusammenwirken von Chor und Orchester nahmen zu, die Durchhörbarkeit des Aachener Sinfonieorchesters ließ ebenso nach wie die Textverständlichkeit und klangliche Homogenität der Chöre.

Möglicherweise stand hier das falsche Stück am falschen Ort auf dem Programm. Das ist schade, sowohl für das Werk als auch für den Einsatz aller Mitwirkenden, denen unter besseren und einfacheren akustischen Bedingungen wesentlich überzeugendere Resultate gelungen wären.

Zarte Lichtblicke sind den beiden vorzüglichen Solisten zu verdanken. So der Sopranistin Suzanne Jerosme, die ihren kleinen, aber feinen Gesang „Ihr habt nun Traurigkeit“ mit schwereloser Anmut gestaltete. Und der Bariton Raimund Nolte deklamierte seine Partie ebenso akkurat.

Das Publikum bedankte sich für die insgesamt recht unausgeglichene Interpretation mit großem Beifall.

Dass die Programmhefte mit den hilfreichen Gesangstexten offensichtlich versteckt wurden und bei weitem nicht jedem Hörer zugänglich gemacht wurden, sollte nicht Schule machen.

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