Das Betriebssystem hat sich verändert

Von: Michael Loesl
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Da kommt Stimmung auf: Die Hö
Da kommt Stimmung auf: Die Höhner auf der Bühne mit Jens Streifling, Peter Werner, Hannes Schöner, Janus Fröhlich (verdeckt), Henning Krautmacher und John Parsons. Jetzt hat die Kölner Formation ein neues Album am Start. „Höhner 4.0” heißt es. Foto: stock/Star-Media

Köln. „Wir haben viel gelebt und viel miteinander erlebt”, resümiert Bassist Hannes Schöner das Bandgefüge der vergangenen Jahre bei den Höhnern. Sein Kollege Henning Krautmacher betrachtet das neue Höhner-Album „Höhner 4.0” deshalb als besonders gelungen.

„Wir haben so intensiv wie seit Jahren nicht mehr als Team an dieser neuen Platte gearbeitet. Sie unterscheidet sich nur insofern von keiner anderen unserer Platten, als dass sie die beste ist, die wir je gemacht haben. Na ja, das sagt man immer zur Neuesten”, witzelt der Frontmann der Kölner Band.

Blick nach vorne, in die Zukunft

Tatsächlich darf man den sechs Kölner Musikern, die sich in ihrer Gesamtsumme selbst als „Anti-Depressivum” betrachten, in diesem Jahr gratulieren. Zum 40-jährigen Band-Bestehen sowieso, aber vor allem zur neu gefundenen Kraft als Band-Kollektiv. Statt im vierten Jahrzehnt ihres Bestehens die Asche dessen, was war, zu verehren, richten die Höhner den Blick nach vorne, in die Zukunft. Der Titel ihres neuen Albums „Höhner 4.0” ist deshalb nicht nur als Standortbestimmung zu verstehen, sondern vor allem als Vision.

Nicht von ungefähr hat die Band sich für einen Albumnamen entschieden, der wie ein Update eines Computerprogramms anmutet. „Das Betriebssystem Höhner ist heute ein völlig anderes als vor 20 Jahren”, findet Hannes Schöner. „Der Geist der Band hat sich enorm entwickelt und ist mit dem von damals nicht mehr zu vergleichen. Unser Keyboarder Peter Werner hat dazu einen schönen Vergleich gefunden: Früher sind wir im Bummelzug gefahren, heute sind wir im ICE mit 240 Stundenkilometern unterwegs.”

Damit geht nicht nur ein neues Tempo, sondern auch eine andere Großräumigkeit im Denken, im Fühlen und auch ganz real im Radius einher, den die Band längst bespielt. Zwar leugnet keines der sechs Federviecher die Karnevals-Herkunft der Truppe. Aber die 15 neuen Songs von „Höhner 4.0” unterstreichen einmal mehr, dass die Band sich mit Themen beschäftigt, die wenig oder gar nicht um den Karneval kreisen. Es sei denn, man betrachtet Karneval grundsätzlich als Fest zum Feiern des Lebens.

„Quo Vadis”, der erste Song der neuen Höhner will genau das schaffen, mitsamt geborgtem Coldplay-Zitat. In „Da hammer widder wat”, einer augenzwinkernden Huldigung an die digitale Welt, werden die zuckenden Taktungen der Neuen Deutschen Welle aufgegriffen. „6 bis 8 Stunden Schlaf” ist die Höhner-Aufforderung, dem beschleunigten Lebens zu entsagen, und für „Manchmal du musst lachen” leistete Anke Engelke als Sprachtrainerin fürs ironische Deutschrussisch Hilfe.

Mit dem Annett-Louisan- und Roger-Cicero-Texter Frank Ramond holten sich die Höhner für drei Songs den Schreiber des deutschen Chansons schlechthin als Co-Autoren ins Boot, und am Ende darf Höhner-Drummer Janus Fröhlich in „Hemmungslos und unbeschwert” als Enfant Terrible glänzen.

Die schwere, inzwischen besiegte Krankheit des Schlagzeugers spielte im neu gefundenen Team-Gefüge der Band eine entscheidende Rolle, wie Hannes Schöner erzählt. „Wenn so ein Granateinschlag wie die Krankheit von Janus im letzten Karneval kommt, findet ein Bewusstseinssprung statt. Bei jedem von uns stellte der sich so ein: Lasst uns einfach das Leben so, wie wir es zurzeit vorfinden, genießen, gestalten, links und rechts gucken und nicht nur mit Scheuklappen geradeaus leben. Wir haben auch beim anderen geguckt: Was ist mit dem los? Gehts dem gut mit dem, was ich gerade mit ihm mache? Empathie und soziale Verantwortung sind auch wichtige Begriffe, wenn man in so einem System wie den Höhnern lebt.”

Das soll demnächst mit einer Smartphone-App für Fans der Band noch transparenter werden, wie Schöner und Krautmacher ankündigen, bevor sie noch eine politische Botschaft kundtun. „Das Internet ist ein Segen für die Menschheit, weil uns längst keiner mehr vormachen kann, dass der Russe ein Halbaffe ist, gegen den wir Atombomben richten müssen. Deswegen feiern wir die digitale Zukunft, und deshalb heißt unser neues Album auch ganz bewusst „Höhner 4.0”.
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