„Dankeschönkonzert“: Mit voller vokaler Schönheit

Von: Pedro Obiera
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Camille Schnoor (links) und Suzanne Jerosme bedankten sich mit einem Konzert beim Aachener Publikum für ihre Stipendien. Begleitet wurden sie von Kapellmeister Justus Thorau. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Es war kein „Abschiedskonzert“, sondern ein „Dankeschönkonzert“, mit dem sich die beiden französischen Sopranistinnen Suzanne Jerosme und Camille Schnoor im voll besetzten Theaterfoyer für ihre Zeit als Stipendiatinnen am Theater Aachen bei ihrem Publikum und den Mitgliedern der Theater Initiative bedankten.

Der Abschiedsschmerz hielt sich zum Glück in Grenzen. Auch bei Intendant Michael Schmitz-Aufterbeck, denn obwohl Camille Schnoor in der nächsten Spielzeit zum Münchner Gärtnerplatz-Theater wechseln wird, bleibt sie dem Aachener Theater als Gast erhalten. Und Suzanne Jerosme wird in der kommenden Spielzeit in Puccinis „Gianni Schicchi“ zu erleben sein, bevor sie in der übernächsten Saison ins Aachener Ensemble aufgenommen wird.

Die Karriere von Camille Schnoor verläuft damit so, wie man sie sich für eine Stipendiatin kaum besser vorstellen kann. Nach ihrem Stipendienjahr 2012/2013 gehörte sie die letzten zwei Jahre dem Ensemble an und hat unter anderem als Hänsel, Maria in der „West Side Story“ und zuletzt als Marie in der „Verkauften Braut“ sowie in etlichen Konzerten Erfolge feiern können, bevor größere Häuser auf sie aufmerksam wurden.

Von erlesener Reinheit

Eine solche Entwicklung dürfte auch Suzanne Jerosme bevorstehen, die ebenfalls in der „West Side Story“ erste Meriten sammeln konnte und beim „Dankeschönkonzert“ einen glänzenden Eindruck hinterließ. Die ausgewählten französischen Gesänge von Ravel und Chausson scheinen für ihre Stimme wie geschaffen. Sie verfügt über einen hellen, leichten, dennoch substanzreichen und tragfähigen Sopran mit mühelos ansprechenden Höhen und einer Phrasierungskultur, mit der sich endlose Gesangslinien bruchlos gestalten lassen. Eine Stimme mit einem individuell gefärbten Timbre von erlesener kristalliner Reinheit. Hier kündigt sich eine ideale „Melisande“ für Debussys Meisteroper an.

Camille Schnoors Sopran klingt erdverbundener und etwas schwerer, so dass sich die beiden Stimmen trotz gleicher Stimmlagen gut unterscheiden ließen. Mit überwiegend lyrisch-introvertierten Duetten aus Opern, geistlichen Gesängen und romantischen Liedern von Monteverdi, Händel, Mendelssohn und Chausson boten die Sängerinnen einen Ohrenschmaus an künstlerischer Eintracht und vokaler Schönheit. Kapellmeister Justus Thorau am Klavier hielt sich nobel zurück und bot eine ideale Plattform für die Gesangskünste der jungen Talente.

Begeisterter Beifall für ein Konzert, das die Vorfreude auf die weitere Entwicklung der Sängerinnen steigerte, die dem Aachener Publikum hoffentlich noch lange die Treue halten werden.

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