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Damit die Literatur auch unsere Ohren erobern kann

Von: unserem Mitarbeiter Felix Mauser
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Köln. „Es geht um das, was im Ohr passiert” formuliert es die Schauspielerin Leslie Malton kurz und bündig auf die Frage was das Hörbuch ausmache.

Die Laudatorin war neben den Autoren und Kritikern Martin Stankowski, Thomas Böhm, Anna Mikula und Ralf Niemcyk Mitglied einer Expertenjury, die zum zweiten Mal den von WDR und der WWF Gruppe verliehenen Deutschen Hörbuchpreis vergab.

Den humoresken Höhepunkt lieferte an diesem Abend ohne Frage der ausgezeichnete Sprecher und Übersetzer Harry Rowohlt mit einem dramatisch dargebotenen Vortrag aus dem Buch „Auf Schwimmen - zwei - Vögel” von Flann OBrien.

Dass er im Trunkenheitsjargon ebenso überzeugend vorlas wie in geschliffener Akzentuierung wunderte am wenigsten ihn selbst. Seine Lesungen nenne er gern „Schausaufen mit Betonung”.

In einer erfrischend vielgesichtigen, unprätentiös originellen Gala, die gleichzeitig das vierte Internationale Literaturfestival lit.Cologne feierlich eröffnete, wurden die Preise in sechs Kategorien verliehen. Martin Stankowski hatte ein abwechslungsreiches und dem Genre des Hörbuch bestens angepasstes Programm zusammengestellt. Moderator Roger Willemsen führte mit sichtlichem Vergnügen und dem rhetorischen Schalk im Nacken durch den Abend.

Mehr als nur den üblichen musikalischen Rahmen gestalteten das Ensemble Resonanz unter der Leitung von Helmut Imig sowie das Sprecherensemble des WDR mit Sprechgesängen und gattungsübergreifenden, schwungvoll vorgetragenen Melodien.

Für das Preisträger-Hörspiel, Melvilles „Bartleby, der Schreiber” in der Textfassung von Isabel Osthues wurde Ueli Jäggi als Schauspieler für die Beste Interpretation geehrt. Peter Urban, Übersetzer, Herausgeber und Sprecher von „Fälle” des russischen Schriftstellers Daniil Charms hat laut Jury-Urteil „die Spannbreite dieser Anti-Anekdoten und Skizzen getroffen, die sich zwischen Trivialität und Groteske” befinden.

Als „Beste Information” gewann Ursula Voss Hörfinkproduktion „Versuchen wir das Unmögliche - Erinnerungen an Che Guevara”. Der sechsteiligen Reihe zu Kölner Überlieferungen aus der Nazi-Zeit „Nie wieder!” von Georg Wieghaus in der Regie von Claudia Johanna Leist wurde der Titel „Bestes Jugendhörbuch” bescheinigt. Dem Abend liegt eine einfache Erkenntnis zugrunde: Wer nicht lesen will, darf hören.

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