Da hilft auch keine Blutgrätsche

Von: Grit Schorn
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Handgreiflich: Frank Voß als Bankräuber und Martine Schrey als Geisel in Albert Ostermaiers „Ersatzbank”. Foto: Klaus Herzog

Aachen. Nein, hier handelt es sich nicht um „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter” von Peter Handke. Aber auch Albert Ostermaiers Einakter „Ersatzbank”, 2006 anlässlich der Salzburger Festspiele uraufgeführt, hat sich auf mehr als den beliebten Volkssport „eingeschossen”.

Die zweite Aufführung des Aachener Grenzlandtheaters unter dem neuen Intendanten Uwe Brandt wartet mit einer imponierenden Bühneninstallation auf, gestaltet durch Nicole Royé und Willy Zitzen: Im Hintergrund ein Frankfurter „Mainhattan”-Panorama, davor ein futuristischer Bankraum aus Metall und Glas, mit einem üppigen „Thron”, der auf die Macht des Geldes verweist - und ebenso auf ein Siegertreppchen.

Ein Traum wird zum Trauma

Brutal wird die junge Bankangestellte von einem vermummten Mann in den Raum gestoßen. Einer, der nie aufs Siegertreppchen gelangt ist und sich jetzt etwas holen will, das ihm das Leben vorenthalten hat. Im roten Fußballtrikot stellt sich der Bankräuber vor, bereits umstellt von einem starken Aufgebot von Polizeikräften. Was nützen Plastiktüten voller Geld, wenn selbst der Notausgang gesperrt ist?

Der Ex-Fußballer Uwe nimmt die verängstigte junge Frau in den Schwitzkasten, erzählt von seinem letzten Spiel als „Manndecker” und seinem großen Traum, der zum Trauma wurde. Frank Voß gibt diesem gebrochenen „Helden” starkes Profil und menschliche Züge, die keineswegs nur sympathisch sind. Der kommunistische Vater, die verpatzte Profikarriere, das Gehabe um den Umstand, dass er „der einzige Fußballer mit Abitur” sei - all das taugt durchaus zur Tragikomik, die allerdings in Franz Mestres Inszenierung nur ab und zu aufleuchtet.

Und Martine Schrey in ihrer stummen Rolle als verstörte Geisel, aufgemacht wie Tippi Hedren in Hitchcocks „Die Vögel”, hat wenig Gelegenheit, in Interaktion mit dem frustrierten Uwe zu treten (Kostüme Heike M. Schmidt).

Ostermaiers 80-minütiger Einakter ist beileibe kein Thriller, baut aber dennoch eine hintergründige Spannung auf, die Voß perfekt in sein grandioses Spiel aufnimmt. Er wird ganz und gar zu diesem gescheiterten Menschen, der - verletzlich und verletzend - bis zur „Blutgrätsche” alle Tricks beherrschte, um den Gegner auszuschalten.

Er zitiert Camus und verlautbart „Ich hab´s im Fuß und in der Birne!” Während er (mit Lungenleiden und Schutzweste) noch räsoniert und schwadroniert, auch die schönsten Bezüge zu „Fußball-Philosophen” wie „Loddar” Matthäus und Franz Beckenbauer herstellt, ist er längst im Abseits gelandet, auch früher schon keineswegs immer schuldlos. Der vieldeutige Schluss lässt ein nachdenkliches Publikum zurück, das viel Applaus spendete.
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