Crème de la Crème der Dürer-Experten zu Gast in Aachen

Von: Eckhard Hoog
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Das Aachener Rathaus im Jahr 1520: So sah es Albrecht Dürer und zeichnete es. 500 Jahre nach „Dürers wunderbarer Reise nach Aachen und Antwerpen“ soll das Blatt 2020 eine Ausstellung zu diesem Thema im Suermondt-Ludwig-Museum krönen. Foto: Musée Condé Chantilly

Aachen. Die Crème de la Crème der internationalen Dürer-Experten ist ab Montag zu Gast im Aachener Suermondt-Ludwig-Museum: zu einem zweitägigen, in Englisch abgehaltenen Symposium, das einem Ausstellungsprojekt dient, das im Jahr 2020 in Aachen für Furore sorgen soll.

„Dürers wunderbare Reise nach Aachen und Antwerpen“ – so in etwa soll die Schau heißen, die auf den Tag genau 500 Jahre nach Albrecht Dürers Ankunft in Aachen am 6. Oktober 2020 eröffnet wird.

„Das Thema ist noch nie behandelt worden“, sagt Museumsdirektor Peter van den Brink, der das Projekt zusammen mit seinen Mitarbeiterinnen Sarvenaz Ayooghi und Dagmar Preising auf den Weg bringt. Nur ein einziges Mal, 1977 bei einer Europalia-Ausstellung in Brüssel, war Dürers Reise in eine umfassendere historische Präsentation eingemeindet worden.

Noch fünf Jahre Zeit und schon jetzt solch ein hochkarätiges Meeting? Mit Spezialisten wie Giulia Bartrum vom British Museum, London, Christof Metzger von der Albertina, Wien, Michael Roth vom Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin und weiteren Spezialisten aus Rom, Berlin, Leuven, Brüssel, Brügge und Antwerpen? Doch: Je früher, desto besser. Rund 150 Zeichnungen des Nürnberger Meisters finden sich von seinem einjährigen Aufenthalt in Aachen und Antwerpen zwischen Juli 1520 und Juli 1521 aufgelistet, nur wenige Gemälde – und die wollen aus aller Herren Länder, zum Teil aus den USA, erst einmal ausgeliehen sein.

London, Wien und Berlin sind dabei die Hauptleihgeber – deren maßgebliche Vertreter sind ab Montag in Aachen zu Gast. Von den international bestens vernetzten Kollegen und ausgewiesenen Dürer-Experten erhofft sich van den Brink zweierlei: die entscheidenden „Türöffner“ für andere Leihgeber an der Seite zu haben und Ratgeber, wie die Ausstellung letztlich zu gestalten sei.

Und was trieb den 49-jährigen Dürer nun eigentlich zu seiner kostspieligen und beschwerlichen Reise über Bamberg, Frankfurt, Mainz und Köln nach Aachen, Antwerpen und in andere niederländische Städte? Das liebe Geld!

Nach dem Tod seines Gönners Kaiser Maximilian I. im Jahr 1519 strichen ihm die Nürnberger Stadtoberen die von Maximilian gewährte jährliche Leibrente von 100 Gulden. Dürers Glück wollte es, dass Maxis Enkel Karl V. bereits ein Jahr später in Aachen zum König gekrönt werden sollte – die Gelegenheit, um an entscheidender Stelle einmal den Versuch des Antichambrierens zu unternehmen, um die Leibrente verlängert zu bekommen. Was ihm tatsächlich bei einem Festbankett mit dem frischgebackenen König im Kölner Gürzenich auch gelang.

Der in jenen Tagen bereits berühmte Künstler war offenbar ein Pfennigfuchser – in seinem Tagebuch hielt er alle Ausgaben und Einnahmen hyperpenibel fest. So weiß man, was er für Speis‘ und Trank ausgegeben hat ebenso wie für das Baden in Aachens heißen Quellen. Wie all diese und weitere Tagebucheinträge als Teil der Ausstellung umgemünzt werden könnten, ist auch ein Thema der Tagung.

Dürer porträtierte auf seiner Reise Künstler, Kauf- und Edelleute in schwierig zu beherrschender Silberstifttechnik. Auch die Ansichten vom Katschhof und vom Aachener Rathaus entstanden auf diese Weise. Heute werden die beiden Blätter aufbewahrt im British Museum und im Musée Condé in Chantilly – gerade das gilt in Museumskreisen als ausgesprochen schwierig, was das Verleihwesen angeht. Da ist mit vereinten Kräften noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten . . .

Geforscht wird nun, welche zeitgenössische Kunst Dürer in Brüssel, Brügge, Gent und Middelburg gesehen hat, um damit die Aachener Ausstellung abzurunden. Und weil sich der Krönungsmantel von Karl V. heute immer noch in der Domschatzkammer befindet, ist hier eine historische Parallelausstellung angedacht.

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