Cornelis-Bega-Schau endet: 15.000 Besucher, begeisterte Kritiker

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
Cornelis Begas „Zisterspieler
Cornelis Begas „Zisterspielerin” ist eine Leihgabe aus Berlin, wohin die Ausstellung, die in Aachen am Sonntag zu Ende geht, weiterzieht: Sylvia Böhmer und Peter van den Brink ziehen im Suermondt-Ludwig-Museum eine überaus positive Bilanz des Projektes. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Schlussspurt für Cornelis Bega: Am Sonntag endet im Aachener Suermondt-Ludwig-Museum die weltweit erste Retrospektive des Haarlemer Barockmalers (1631/32-1664), der fast völlig in Vergessenheit geraten war - letzte Gelegenheit, die 40 Gemälde, 34 Zeichnungen und seine sämtlichen Radierungen hier noch einmal zu besichtigen.

Vom 28. Juni bis zum 30. September hat das internationale Publikum in Berlin dann das Vergnügen, die unkonventionellen Bauern- und Wirtshausszenen des früh an der Pest gestorbenen Künstlers zu studieren: in der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen.

Museumsdirektor Peter van den Brink hat über die knapp drei Monate der Ausstellungszeit in Aachen immer mehr Herzblut für seinen Schützling und das interessierte Publikum vergossen: Am Ende dauerten seine Führungen durch die Schau länger als zwei Stunden.

Und auch Ko-Kuratorin Sylvia Böhmer spürt: Bei dieser Ausstellung war vieles anders als sonst. Van den Brink: „Bega gibt seine Geheimnisse nur sehr langsam preis. Das ist auch fürs Publikum sehr spannend.”

Nicht nur für die Kunsthistoriker: Die seltsamen Musikszenen und Wirtshausdarstellungen mit Menschen, die wie auf einer Bühne auftreten, oder Szenen, die Vergänglichkeit symbolisieren - all das steht offen für Interpretationen. Jede Führung war letztlich ein einziger Dialog.

Und auch das gab es: Chemiker der RWTH Aachen waren völlig verblüfft, wie genial und liebevoll Bega so etwas Unscheinbares wie Staub gemalt hat in seiner Darstellung eines Alchemisten, erzählt Sylvia Böhmer.

Viel Zuspruch fanden die Aachener Ausstellungsmacher vor allem auch vom internationalen Fachpublikum, zum Beispiel Studenten und Dozenten der Universität Nimwegen und leitenden Persönlichkeiten des Amsterdamer Rijksmuseums.

Und die Neue Züricher Zeitung hat das Suermondt-Ludwig-Museum ganz offensichtlich längst in ihren Kanon der international relevanten Museen aufgenommen: „Die Werkpräsentation zeugt - wie in Aachen üblich - von einer unspektakulären, souveränen Ausstellungsregie”, heißt es in der Besprechung von Franz Zelger.

Eine solche Resonanz freut Van den Brink und sein Team natürlich ganz besonders - wie auch die hohe Gesamtzahl der Besucher: Mit bis zu 15 000 wird bis Sonntagabend gerechnet.

Das Angebot der sonntäglichen Führungen wurde aufgrund der vielen Anfragen zuletzt verdoppelt - auch für den heutigen Feiertag: Während der Öffnungszeiten, 11 bis 18 Uhr, gibt es je zwei öffentliche Führungen um 12 und um 15 Uhr, ebenfalls am letzten Ausstellungstag, am Sonntag. Der Termin am morgigen Freitag: 16.30 Uhr.

Das Konzept, eher die unbekannteren oder vergessenen Größen der Kunstgeschichte in einer großen Jahrespräsentation ans Licht zu holen, sieht Peter van den Brink endgültig aufgegangen.

Willem Kalf, Jacob Backer, Hans von Aachen, Joos van Cleve, jetzt Cornelis Bega - diese Namen stehen seit 2007 für ein erfolgreiches Programm, mit dem sich das Suermondt-Ludwig-Museum international positioniert. „Was hätte bei uns eine 123. Rembrandt-Ausstellung zu suchen?”, fragt Sylvia Böhmer mit Recht - und der Chef ergänzt lachend: „Rembrandt und seine Hunde - das wäre doch noch mal ein Thema.”

Die Pläne für die nächsten Jahre

2013: Die Skulpturen der Bildschnitzer aus Utrecht stehen dann im Mittelpunkt, aus der einzigen niederländischen Stadt, die eine eigene Bildhauertradition hat. Die Schau bildet einen abwechslungsreichen Gegenpol zu den Gemäldeausstellungen der letzten Jahre.

2014:Im Karlsjahr (1200. Todestag Karls des Großen) bestreitet Peter van den Brink als Kurator den kunsthistorischen Beitrag zum Jubiläumsjahr mit der Ausstellung der 40 schönsten Objekte aus der Zeit Karls im Centre Charlemagne. Das Suermondt-Ludwig-Museum öffnet währenddessen sein Depot und zeigt ein Jahr lang seine sonst verborgenen Schätze. In einer kleineren Präsentation während der Tefaf begegnet man einem absoluten kunsthistorischen Nobody: dem Zeichner Jan Thopas.

2015: Geplant ist eine Stillleben-Schau mit Balthasar von der Ast (1593-1657), geboren im niederländischen Middelburg, für Aachener ein Begriff: Domburg ist 12,9 Kilometer entfernt. Zwei amerikanische Museen, ein niederländisches und das Suermondt-Ludwig-Museum ziehen hier an einem Strang.

2016: Zum Zuge kommt der Antwerpener Glasmaler Dirck Vellert (1511-1547) - eine Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Pariser Louvre entsteht.

2017: Van den Brink plant zum 100. Todestag eines der beiden Namensgeber seines Museums, Barthold Suermondt, die Kunstsammlung dieses Aachener Stahlmagnaten zu präsentieren. Deren wesentlichen Teil kaufte einst der Generaldirektor der Staatlichen Museen Berlin, Wilhelm von Bode, deren Gemäldegalerie die Schätze heute beherbergt. Bei der Eröffnung der Bega-Ausstellung dort am 28. Juni geht Van den Brink in der Sache auf erste „Tuchfühlung”.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert