Compagnie Flak überzeugt beim Aachener Schrittmacher Festival

Von: Sarah Siemons
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Filigrane Körpersprache: die Compagnie Flak beim Schrittmacher Festival. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Die Tänzerin lässt ihre Arme kreisen. Immer wieder schwingen sie über den Kopf, um hinter ihrem Rücken in nahezu unmöglichem Winkel einen neuen Bogen zu beginnen. Dazu schnellt ihr Bein hoch und knickt sofort wieder ein. Sie ist nackt, trägt nur ein weißes Höschen.

Man kann jeden Muskel sehen - und Erstaunliches feststellen. Denn so faszinierend, wie mit der Kraft der Rückenmuskulatur das Bein bei den Jets emporschnellt, ist es zu sehen, wie sich diese Muskeln wieder entspannen.

Es gehört zur Aufgabe jeder Tanzdarbietung, die Möglichkeiten des menschlichen Körpers aufzuzeigen. Doch der Choreograph José Navas hat diesem Thema eine neue Dimension verliehen. Er hat sich der puren Bewegung verschrieben.

Seine Compagnie Flak führte dies beim Schrittmacher Festival im Aachener Ludwig Forum in Vollendung vor. Ohne Bühnenbild, ohne Requisiten, ohne Kostüme. Bei „Anatomies” steht allein der menschliche Körper im Mittelpunkt.

Die Tänzer der Compagnie aus Kanada - Hanako Hoshimi-Caines, Lindsey Parker, Eldon Pulak, Lauren Semeschuk und José Navas selbst - zeigen, welche Wendung eine Bewegung nimmt, wenn sich eine minimale Veränderung wie das Drehen einer Handkante einstellt oder wenn in einer Gruppe immer einer dem Strom der Energie nicht folgt.

„Anatomies” ist nicht nur eine Studie der Bewegung, sondern auch eine Analyse der menschlichen Entfaltung im Raum. Trotz der modern anmutenden Inszenierung - der spartanischen Bekleidung, den elektronischen Tonfragmenten - nutzt Navas immer wieder die klassischen Elemente, um an die Grenzen der anatomischen Möglichkeiten zu gelangen.

Und das, ohne sich akrobatischer Mittel zu bedienen. Stattdessen verbinden sich die fünf Körper wie in Zeitlupe zu einem Menschenknäuel, um sich kurz darauf wie aus einer gemeinsamen Kraft heraus wieder zu entwirren.

Den beherrschenden und den unterlegenen Part nehmen die drei Frauen und zwei Männer dabei abwechselnd ein. Auch dies ein Motiv von Navas, das sich wie die mechanische Präzision seiner Choreographie zu einem Markenzeichen entwickelt hat.
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